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© Uwe Anspach/dpa
Bildrechte: Uwe Anspach/dpa

Ein Damm aus Sandsäcken als Hochwasserschutz vor einem Haus.

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    Hochwasser: Wie Sie sich am besten schützen können

    Kein Fluss in der Nähe und trotzdem Hochwassergefahr: Auch nach extremen Regenfällen kann es zu Sturzfluten und Überschwemmungen kommen. Wie kann man den Schaden möglichst gering halten?

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    Von
    • Claudia Kühle

    Ob als Anwohner in Flussnähe oder in Folge von Starkregen: Hochwasser kann auch in Bayern viele treffen. Eine Gefahr für Haus, Eigentum und sogar Leben – wie derzeit die erschreckenden Bilder aus Westdeutschland zeigen. Was kann man tun, um sich gegen die Naturgewalt Wasser zu wappnen?

    Halten Sie sich auf dem Laufenden

    Ist tagelanger Regen angesagt? Spätestens jetzt gilt es, die aktuelle Berichterstattung in Fernsehen, Radio und Internet beachten. Sollten Dämme oder Brücken vom Einbruch bedroht, das Trinkwasser verunreinigt oder wichtige Verkehrsadern gesperrt sein, erfährt man es dort zuerst. Die wichtigsten Wettermeldungen und Hochwasserwarnungen gibt es etwa beim Deutschen Wetterdienst oder beim Hochwassernachrichtendienst.

    Sinnvoll ist es, möglichst generell zu klären, wie im Notfall Kranke und Hilfsbedürftige versorgt und außer Gefahr gebracht werden können. Das Gleiche gilt für Haus- und Nutztiere.

    Notfallnummern sollten immer in Telefonnähe notiert sein: Neben dem Notruf 112 die Telefonnummern der Freiwilligen Feuerwehr, des Technischen Hilfswerks und des örtlichen Landratsamts. Wichtige Dokumente und ein Notgepäck sollten ebenfalls bereitstehen.

    Sind außerdem ausreichend Lebensmittel, Trinkwasser und Medikamente im Haus? Regenmantel und Gummistiefel griffbereit? Taschenlampen und unter Umständen ein batteriebetriebenes Radio, ein Campingkocher und sogar eine Campingtoilette? Auch ein Insektenschutzmittel macht sich als Notfallvorrat nicht schlecht, da sich nach Hochwasser Mücken und andere Schädlinge im Haus verbreiten können.

    Schauen Sie in den Keller, bevor es das Wasser tut

    Sobald klar ist, dass die Wasserpegel in der Nähe steigen, sollten Sie vor allem eines tun: ruhig bleiben. Nun gilt es Schritt für Schritt ihr Haus und Hab und Gut zu sichern.

    Zimmer, in die Grundwasser eindringen kann oder die volllaufen könnten, müssen möglichst leer geräumt werden. Verderbliche und wasserempfindliche Gegenstände in Keller und Souterrain sollten nicht in Bodennähe aufbewahrt werden. Wertgegenstände gehören in höherliegende, geschützte Räume.

    Für Hochwassergebiete gelten besonders strenge Schutzvorschriften. Insbesondere der Heizöltank muss ordnungsgemäß versiegelt und befestigt sein. Giftige oder ätzende Stoffe wie Benzinkanister, Insektizide oder Autobatterien sollten generell nicht eingelagert werden. Elektrische Geräte und Heizungen gehören wegen der Stromschlaggefahr abgeschaltet – nehmen Sie gegebenenfalls alle Sicherungen raus. Auch die Rückstauklappen im Keller sollten überprüft werden, noch bevor das Wasser steigt.

    Läuft bereits Wasser in den Keller, ist es zu spät: Halten Sie sich keinesfalls weiter dort auf, das ist lebensgefährlich!

    Sandsäcke & Co.: Abdichten gegen die Fluten

    Mit genügend Vorbereitungszeit können bodennahe Fenster und Türen sowie Abflussöffnungen abgedichtet werden. Im Fachhandel gibt es professionelle Barriere- und Hochwasserschutzsysteme. Alternativen sind selbstgebaute Konstruktionen aus Sandsäcken, Metall- und wasserfesten Sperrholzplatten, Schalbrettern und Silikon – Material, das es in fast jedem Baumarkt gibt und deshalb schnell und relativ günstig verfügbar ist.

    Wenn Sie einen Sandsackdamm bauen wollen, greifen Sie am besten zu gefüllten Sandsäcken aus Jute oder Kunststoff. Die sind zwar etwas teurer, aber das Befüllen kostet zusätzlich wertvolle Zeit. Beim Abfüllen mit Sand gilt es zu beachten, dass die Säcke maximal zu zwei Dritteln des möglichen Füllvolumens gefüllt werden dürfen. Die Sandsäcke werden eingeklappt oder zugebunden. Sollen Säcke langfristig gelagert werden, müssen sie unbedingt trocken bleiben.

    Für einen Sandsackdamm werden nach einer Formel des THW pro Quadratmeter etwa acht Sandsäcke benötigt, wenn diese mit 20 Kilogramm gefüllt sind.

    Die gefüllten Säcke sollten niemals geworfen, sondern ganz dicht aufeinander gelegt werden, leicht versetzt, wie bei einer Ziegelmauer. Die Verschlusslaschen sollten sich auf der vom Wasser abgewandten Seite befinden. Versuchen Sie vor allem auch die Schlitze an den Kanten zu schließen, damit der Damm dicht hält.

    Denken Sie auch an Ihre Fahrzeuge

    Autos und andere Fahrzeuge sollten bei Hochwassergefahr nicht in Gewässernähe oder in einer Bodenmulde stehen. Auch Fahrräder und lose Geräte im Garten sollten in Sicherheit gebracht werden. Aber Achtung: Tiefgaragen können bei Hochwasser zu tödlichen Fallen werden! Fahren Sie auch niemals durch überflutete Straßen. Wasser im Motorraum verursacht große Schäden. Ein Katalysator mit einer Betriebstemperatur von 700 Grad Celsius zerspringt bei plötzlicher Abkühlung durch Wasser. Wenn Sie bis über die Räder im Wasser stehen, lassen Sie Ihr Fahrzeug abschleppen.

    Retten Sie Leben – schützen Sie sich selbst

    Wenn wirklich der Katastrophenfall eintritt: Helfen Sie anderen, aber bringen Sie sich dabei nicht selbst in Gefahr. Kinder und Hilfsbedürftige sollten, wenn möglich, schon vorher aus dem Überschwemmungsgebiet in Sicherheit gebracht werden. Uferbereiche und überflutete Gebiete gilt es zu meiden. Bootfahren in den Fluten ist lebensgefährlich! Den Anweisungen und Absperrungen der Einsatzkräfte ist Folge zu leisten – und diese sollten bei ihrer Arbeit nicht behindert werden, schon gar nicht durch "Gaffer" und für Videoaufnahmen.

    Wie geht es nach dem Hochwasser weiter?

    Sobald das Wasser weicht, geht es an die Bestandsaufnahme. Die Schäden sollten noch vor dem Aufräumen für die Versicherung dokumentiert und fotografiert werden. Gefahrenquellen müssen beseitigt und so abgesichert werden, dass kein weiterer Schaden entsteht. Weiterhin ist Vorsicht geboten: Sind Gas und Strom wirklich abgestellt? Ist die Zuleitung vom Heizöltank geschlossen? Besteht womöglich Einsturzgefahr?

    Ist der Keller vollgelaufen, kann es sich dabei um relativ sauberes Grundwasser oder stark verschmutztes Oberflächenwasser handeln. Falls die Feuerwehr oder das THW die betroffenen Räume nicht schon ausgepumpt hat, hilft eine Tauchpumpe vom Werkzeugverleih oder aus dem Baumarkt weiter. Mit dem Abpumpen sollten Sie aber erst beginnen, wenn der Grundwasserspiegel ausreichend gesunken ist, ansonsten könnte die Bodenwanne des Hauses beschädigt werden. Aktuelle Informationen gibt es bei der Gemeinde.

    Schlamm muss mit Schaufeln und Besen aus dem Haus befördert werden. Der Rest kann mit einem Wasserschlauch weggespült werden, besser nicht mit dem Hochdruckreiniger. Um Oberflächen gründlich zu säubern, eignen sich Seifenlauge und Haushaltsreiniger. Die gereinigten Flächen sollten komplett austrocknen, damit sich keine Keime und Schimmel bilden. Luftbewegung ist dafür der beste Weg – also offene Fenster und Türen. Trockenlüfter können geliehen oder gemietet werden und sollten auf 20 - 22 Grad eingestellt werden, da zu hohe Temperaturen zu Rissen im Putz führen können.

    Kleine Einrichtungsgegenstände, Kleidung und Nahrungsmittel, die in Kontakt mit dem Hochwasser gekommen sind, sollten in Müllsäcke gepackt und nicht über den Hausmüll entsorgt werden. Bei einem größeren Schaden könnte ein eigener Müllcontainer sinnvoll sein. Schmeißen Sie aber nichts weg, bevor es nicht von der Versicherung freigegeben wurde.

    Fachleute sollten die Elektrik, Heizöltanks und unter Umständen auch die Baustatik überprüfen. Wenn Schadstoffe wie Farben, Lacke, Pflanzenschutzmittel, Benzin oder Öl freigesetzt wurden, hilft die Feuerwehr.

    Mögliches Problem: Trinkwasserversorgung

    Bei Überflutungen können neben Dünge- und Pflanzenschutzmitteln auch Schadstoffe aus Industrie- und Kläranlagen oder privaten Heizöltanks ins Wasser geraten. Ist das Trinkwasser verschmutzt, gibt das Gesundheitsamt eine offizielle Warnung heraus. Meistens gilt dann ein "Abkochgebot". Wasser aus der Leitung sollte dann einmal sprudelnd aufgekocht werden, bevor es verwendet wird – etwa zum Trinken, Kochen oder Waschen roher Lebensmittel. Auch zum Zähneputzen sollte abgekochtes oder abgepacktes Wasser verwendet werden. Für die sonstige Körperpflege, zum Putzen oder für die Waschmaschine reicht das Wasser aus der Leitung. Auch Haustiere sind in der Regel bezüglich der Trinkwasserqualität unempfindlich.

    Wurden bei dem Hochwasser die Pumpen der Wasserversorgung überflutet, müssen diese ausgeschaltet werden, damit es nicht zu Kurzschlüssen kommt. Dann kann das Wasser zeitweise komplett ausfallen. Deshalb lohnt sich immer ein Notfallvorrat abgepackter Getränke im Haus.

    Wer kommt für die Schäden auf?

    Hausratsversicherungen schließen in der Regel Schäden durch Überschwemmungen aus. Zur finanziellen Absicherung ist eine spezielle Zusatzversicherung nötig: die Elementarschadenversicherung. Die deckt bewegliche Sachen ab: Möbel, Teppiche oder technische Geräte etwa. Wird die Elementarschadenversicherung zusammen mit einer Wohngebäudeversicherung abgeschlossen, übernimmt sie nach einem Hochwasser die Kosten für Reparatur- und Sanierungsarbeiten am Haus oder an Nebengebäuden. Mehr als die Versicherungssumme wird allerdings nicht ausgezahlt – auch nicht bei einem Totalschaden.

    Bei Schäden an Autos durch Starkregen oder Überschwemmungen zahlt die Teilkaskoversicherung.

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