Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Hochschulverband: Lehrfreiheit gilt auch für Bernd Lucke | BR24

© Bayern 2 am Samstagvormittag

Der Präsident des Deutschen Hochschulverbands, Professor Bernhard Kempen, hat im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk (Bayern 2 am Samstagvormittag) zu einer ausgewogenen Debattenkultur an den Universitäten aufgerufen.

7
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Hochschulverband: Lehrfreiheit gilt auch für Bernd Lucke

Studierende haben gegen die Rückkehr des AfD-Gründers Bernd Lucke an die Universität Hamburg protestiert. Jetzt ruft der Präsident des Deutschen Hochschulverbands, Prof. Bernhard Kempen, zu einer ausgewogenen Debattenkultur an den Universitäten auf.

7
Per Mail sharen
Teilen

Als die AfD 2013 als marktradikale, eurokritische Partei gegründet wurde, war Bernd Lucke ganz vorne mit dabei. Zwei Jahre später hat er die Partei verlassen und sich von ihr distanziert. Dieses Semester wollte Lucke seine Professur an der Universität Hamburg wieder aufnehmen. Seine Vorlesungen konnte er aber bisher nicht ungestört halten: Die Studierendenvertretung der Uni und linke Aktivisten hatten zum Protest aufgerufen. Mit "Nazis raus"-Rufen haben sie die Veranstaltungen gestört.

Nun betont der Präsident des Deutschen Hochschulverbands: "Der Streit um Herrn Lucke, um dessen politische Positionen, der mag weitergehen - aber bitte so, dass der Lehrbetrieb weiter möglich ist."Kempen fügte an: "Ich bin immer noch zuversichtlich, dass auch die protestierenden Studierenden in Hamburg ein Einsehen haben, dass sie die Angebote, die Herr Lucke an die Studierenden gemacht hat, mit ihnen zu reden - endlich annehmen und dass wir dann wieder zur Normalität zurückkehren."

Protestieren ja, Vorlesung verhindern nein

Kempen kritisierte in dem Zusammenhang die Demonstranten, aber auch die Leitung der Hamburger Universität.

"Es ist das gute Recht der Studierenden, zu demonstrieren. Aber was sie nicht mehr tun dürfen, ist, die Debatte im Hörsaal zu verhindern. Da gibt es die Lehrfreiheit, die grundgesetzlich garantiert ist. Und es wäre Aufgabe der Politik und übrigens auch der Hochschulleitung gewesen, sich schützend vor dieses Grundrecht zu stellen." Bernhard Kempen, präsident des Deutschen Hochschulverbands

Lehre darf durchaus politisch sein

Der Verbandspräsident stellte klar: "Lehre darf sehr wohl politisch sein, aber sie darf nicht einseitig politisch sein. Der Hörsaal ist kein Ort, in dem Professorinnen und Professoren ihre eigenen politischen Anschauungen kundtun und dafür werben. Da würde das Neutralitätsgebot entgegenstehen. Sie müssen ausgewogen lehren. Aber ich hatte jetzt nicht den Eindruck, dass das bei Herrn Lucke infrage steht. Er war politisch aktiv. Aber er ist aus der Politik draußen und er kehrt an seine Universität zurück. Das ist sein gutes Recht. Und ich glaube, es wäre richtig gewesen, ihn seine Vorlesung halten zu lassen."