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Hochschulprüfungen in Zeiten von Corona: Funktioniert das? | BR24

© dpa-Bildfunk/Eric Lalmand

Student während Abschlussprüfung in Corona-Zeiten.

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    Hochschulprüfungen in Zeiten von Corona: Funktioniert das?

    Die Prüfungsphase naht – und die Corona-Pandemie stellt Hochschulen vor neue Herausforderungen. Vorlesungen und Seminare finden derzeit hauptsächlich online statt. Aber Prüfungen und Klausuren? Vor allem in Sachen Datenschutz ein Problem.

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    Die bayerischen Hochschulen suchen nach Lösungen für die Prüfungsphase. Die herkömmlichen Präsenzprüfungen und -klausuren dürfen zwar auch in diesem Sommersemester durchgeführt werden, jedoch nur unter Einhaltung der geltenden Abstands- und Hygieneregeln. An vielen Einrichtungen werden die Räumlichkeiten knapp: die Hochschulen erwägen, Prüfungen virtuell stattfinden zu lassen.

    Logistische Herausforderungen bei Präsenzprüfungen

    Weil auch während einer Klausur der Mindestabstand von mindestens 1,5 Metern zwischen den Studierenden eingehalten werden muss, stehen die Hochschulen vor organisatorischen und logistischen Herausforderungen: So hat das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Studierende zum Nachschreiben ausgefallener Klausuren kürzlich in eine große Messehalle gelotst. An der Technischen Universität München werden derzeit große Zelte aufgebaut, damit der Ansturm von Prüflingen ab Mitte Juli bewältigt werden kann. "Besonders bei den großen Klausuren mit über einhundert Leuten müssen wir uns überlegen, ob wir zeitgleich genug Räumlichkeiten aufbringen können und wie wir alle Studierenden mit genügend Abstand in diese Räumlichkeiten führen", sagt auch Oliver Jahrhaus, Vizepräsident der Ludwig-Maximilians-Universität in München. An Lösungen für solche Probleme arbeiten viele Unis derzeit mit Hochdruck. Ein Alternative scheint das Verlagern von Klausuren ins Netz zu sein.

    Online-Klausuren verletzen Datenschutz

    Das Problem: Jede Art von Klausuraufsicht, die online stattfindet, greift in die Datenschutzrechte der Prüflinge ein. Denn nicht nur die Identität des Prüflings muss digital erfasst werden. In vielen Fällen wird bei einer solchen Online-Aufsicht zunächst das Zimmer per Webcam abgefilmt. Mit diversen elektronischen Systemen kann zudem kontrolliert werden, welche Bewegungen der Prüfling auf seinem PC ausführt, ob er zum Beispiel während der Prüfung Dokumente nutzt oder im Internet surft. All das seien massive Eingriffe in die Grundrechte des Studierenden, so die Einschätzung des bayerischen Landesdatenschutzbeauftragten Thomas Petri. Er empfiehlt den Unis daher, von solchen beaufsichtigten Online-Klausuren abzusehen.

    "Open-Book-Klausur" als Ausweg aus dem Datenschutz-Dilemma

    Aufgrund der schwierigen Rechtslage haben bislang selbst große Fernuniversitäten wie die Fernuni Hagen kaum Online-Klausuren angeboten. Prüfungen fanden in Präsenz statt, über das Bundesgebiet verteilt in Prüfungszentren oder angemieteten Räumlichkeiten. Was an der Fernuni allerdings schon länger Usus ist: sogenannte "Open-Book-Klausuren", bei denen der Prüfling nicht überwacht wird. Der Studierende darf während der Prüfung Bücher, die Vorlesungsfolien oder das Internet benutzen. "Es geht bei solchen Prüfungen meist nicht um auswendig gelerntes Wissen, sondern darum, bestimmte Kompetenzen abzufragen", erklärt Sebastian Kubis, Prorektor der Fernuni Hagen. Zudem stelle sich immer wieder heraus, dass ein gewisser Lernaufwand auch für solche Klausuren nötig sei. "Sie können in der kurzen Prüfungszeit nicht erst damit anfangen, ein Buch zu lesen", so Kubis.

    Unterschiedliche Herangehensweisen an den Universitäten

    Mit solchen "Open-Book-Klausuren" experimentieren derzeit auch die beiden großen Münchener Universitäten. Der Vizepräsident der Technischen Universität, Gerhard Müller, ist aber bereits jetzt der Ansicht, dass diese Prüfungsart für das Fächerspektrum der TUM nicht ausreicht. Er möchte zum Semesterende auch kontrollierbare Online-Klausuren, sogenannte beaufsichtigte schriftliche Fernprüfungen, an seiner Universität anbieten – gegen die Bedenken des Landesdatenschutzbeauftragten. "Ich sehe in dieser Art der Online-Klausuren große Möglichkeiten, auch für die Zukunft", so Müller. "Studierende könnten dann zum Beispiel problemlos aus dem Ausland an Prüfungen teilnehmen." An einer verbindlichen Rechtsgrundlage für diese Prüfungen mangelt es bislang. Müller möchte sich aber an die Auflagen des Landesdatenschutzbeauftragte halten. "Wenn solche Prüfungen, die einen massiven Eingriff in die Grundrechte der Prüflinge bedeuten, stattfinden, dann muss die Einwilligung in diesen Grundrechtseingriff freiwillig sein", erklärt Thomas Petri. Seine Vorgabe: Die TUM muss zeitgleich zur Online-Klausur auch eine Präsenz-Klausur anbieten. So habe jeder Studierende die Auswahl, an welcher Prüfungsform er teilnehme.

    LMU verzichtet auf Online-Klausuren

    Die Ludwig-Maximilans-Universität sieht von dieser Art der beaufsichtigen Fernprüfung ab. Sie möchte auch so durch die von Corona beeinflusste Prüfungszeit kommen: Mit einer Kombination aus Open-Book-Klausuren, Hausarbeiten und Präsenzprüfungen. Ein einfacher Weg sei das nicht, sagt Vizepräsident Oliver Jahrhaus: "Wir haben etwa 500 Studiengangskoordinatoren, die zusammen mit den Fachvertretern an Prüfungskonzepten arbeiten. Und das ist auch mit Frustrationen verbunden. Aber wir möchten, dass die Studierenden auch dieses Semester regulär zu Ende studieren können mit einem Nachweis, der zählt."

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