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Historikerin: "Alfred Herrhausen war ein Ausnahme-Bankier" | BR24

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Heute wäre Alfred Herrhausen 90 Jahre alt geworden. Friederike Sattler, Wirtschaftshistorikerin und Biografin Herrhausens, erläutert die Gründe, aus denen der Bankmanager 1989 Opfer eines Anschlags wurde.

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Historikerin: "Alfred Herrhausen war ein Ausnahme-Bankier"

Heute wäre Alfred Herrhausen 90 Jahre alt geworden. Friederike Sattler, Wirtschaftshistorikerin und Biografin Herrhausens, erläutert die Gründe, aus denen der Bankmanager 1989 Opfer eines Anschlags wurde.

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Von
  • Uwe Pagels

radioWelt: Was war denn Alfred Herrhausen für ein Typ?

Friederike Sattler: Herrhausen war ganz sicherlich ein Ausnahme-Bankier, der die Internationalisierung des Instituts, für das er tätig war, vorangetrieben hat, aber auch immer die gesellschaftlichen Folgen seines Handelns mitbedacht hat. Verantwortung als Unternehmer zu übernehmen, das war für ihn sehr charakteristisch. Er hat nicht nur strategisch gedacht, sondern vor allen Dingen auch politisch. Er hat sich mit den Zukunftsfragen der Gesellschaft beschäftigt, also sicherlich nicht das, was man von allen Bankvorständen in dieser Zeit erwarten konnte.

Also kein Technokrat, sondern vielleicht auch ein politisch denkender Mensch?

Ja, auf alle Fälle, man kann Herrhausen wirklich als Homo Politicus auffassen, der hat sich sehr für politische Fragen interessiert. Und er hat das, was er im Bankgeschäft getan hat, immer auch eingeordnet in die großen politischen Fragen der Zeit.

Herrhausen wurde in einer NS-Eliteschule in Feldafing am Starnberger See erzogen. Hat sich diese Erziehung auf sein Leben ausgewirkt?

Ja, ganz sicher. Er hat preußische Tugenden verinnerlicht in diesen zweieinhalb Jahren, die er in Feldafing zugebracht hat. Er hat ein sehr hohes Leistungs- und Eliteideal ausgeprägt in dieser Zeit. Aber was auch wichtig zu sehen ist, dass er nicht ideologisch im Sinne der NS-Rassenideologie geprägt wurde. Dafür war die Zeit viel zu kurz, die er dort verbracht hat.

Wie hat die Familie Herrhausen das Kriegsende erlebt und den Übergang in die Bundesrepublik?

Sie waren alle sehr erstaunt, als Herrhausen im Sommer 1945 - mit einem Lodenmantel bekleidet - wieder vor der Tür stand - und zu seiner großen Freude haben seine Eltern und seine Schwester den Krieg überlebt. Das war das Glück, das sie hatten. Aber Essen ist eine völlig zerstörte Stadt gewesen. Das hat Herrhausen in den nächsten Jahren mitgeprägt, die materielle Not.

1989 wurde Herrhausen vermutlich - es ist nie bewiesen worden - von der RAF durch einen Bombenanschlag in Bad Homburg im Taunus ermordet. Warum ausgerechnet Herrhausen?

Es ist wahrscheinlich müßig, nach persönlichen Gründen zu suchen. Herrhausen ist schlicht die Symbolfigur des rheinischen Kapitalismus, die auf die Liste der Terroristen geriet: Er ist der Chef der Deutschen Bank, die einen hohen Symbolgehalt hat - und damit ist er ins Visier geraten.

Die Täterschaft wurde nie richtig nachgewiesen, glauben Sie, es war die RAF?

Ja, das ist recht plausibel. Man hat kurz nach dem Attentat die Frage gestellt, ob es diese dritte Generation der RAF gegeben habe. Das ist inzwischen recht deutlich belegt. Es ist anzunehmen, dass sie für dieses Attentat logistische Unterstützung bekommen hat von international tätigen Linksterroristen.

Wie war denn seine Bedeutung für die Entwicklung der Deutschen Bank?

Herrhausen steht für den Aufbruch ins globale Bankgeschäft. Er hat eine klare Vorstellung davon entwickelt, wie eine globale Universalbank mit integriertem Investmentbanking aussehen müsste. Er hat die damit verbundenen Steuerungsprobleme gesehen und er hätte sich mit aller Kraft dafür eingesetzt, diese Probleme zu lösen. Das war seine größte Stärke. Er hat sich mit der Analyse der Problemlage beschäftigt und hat sich beharrlich dafür eingesetzt, tragfähige Lösungen zu finden.

Wenn er die Deutsche Bank heute sehen würde, was würde er sagen?

Das ist Spekulation - für Historiker immer ein schwieriges Feld - aber es wäre für ihn sicher nicht immer ein Vergnügen.