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Paul Nolte, Historiker FU Berlin: "Ich meine, wir sollten mit diesem hohen Gut der Demonstrationsfreiheit wirklich sehr sorgfältig umgehen. Wir sollten alles tun, um diese Grundrechte, um die Demonstrationsfreiheit, möglichst aufrechtzuerhalten."

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Historiker Nolte: Demonstrationsfreiheit aufrechterhalten

Der Historiker Paul Nolte sieht in den Anti-Corona-Demonstrationen eine neue Form des Protests: Sie zeigten "das Grummeln im Volk", eine intellektuellen Führer gebe es nicht. Im BR macht sich Nolte zugleich dafür stark, die Demos weiter zu erlauben.

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Von
  • Astrid Himberger

Der Historiker der Freien Universität Berlin, Paul Nolte, sieht in den Anti-Corona Protesten eine neuere Art des Protests. Das hat er im Gespräch mit "Bayern 2 am Samstagvormittag" deutlich gemacht. Es sei nicht mehr so wie bei der Friedensbwegung, wo es intellektuelle Anführer gegeben habe.

Heute habe man "dieses Phänomen von einem Grummeln im Volk, dem die intellektuelle, die akademische, die gedankliche Führung abhanden gekommen ist. Und das verweist ja zunächst mal auf ein Problem, auf eine Realität, auf eine Spaltung der Gesellschaft". Und genau das sei ja auch der Vorwurf dieser Protestler. Insofern müsse man gerade diese Hilflosigkeit, etwas zu artikulieren, auch ernst nehmen.

Misstrauen in der Bevölkerung

Bei den Demonstranten herrscht nach Ansicht Noltes "ein tiefes Misstrauen gegenüber allem, was sich da in der Welt vollzieht". Und diese Skepsis beziehe sich nicht nur auf den politischen Bereich, sondern auch auf den unpolitischen. Als Beispiele nannte der renommierte Historiker die Themen Impfen und Ernährung.

"Wir müssen ja auch im Blick behalten, die sich da äußern, dass es denen ja auch um die Einschränkung von Grundrechten geht. Wir sollten alles tun, um diese Grundrechte, um die Demonstrationsfreiheit möglichst aufrechtzuerhalten, gerade am Reichstag und im politischen Zentrum Berlins." Paul Nolte, Historiker an der FU Berlin

Gegen weitere Expertenräte

Von dem Vorschlag, einen sogenannten "Pandemierat" einzusetzen, wie es die Grünen gefordert haben, hält Nolte nichts. "Gegenüber solchen Vorschlägen bin ich sehr skeptisch. Wir brauchen keine neuen Expertenräte; die Experten, die Mediziner, spielen ja schon eine große Rolle. Wir brauchen eine Transparenz der demokratischen Politik. Wir brauchen die Entscheidungen des Parlaments und der demokratisch gewählten Politikerinnen und Politiker."

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