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12.04.2021, Indien, Haridwar: Gläubige nehmen anlässlich des Kumbh Mela ein traditionelles Bad im Ganges.

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    Hindu-Fest Kumbh Mela findet ohne Corona-Beschränkungen statt

    Trotz stark steigender Infektionszahlen in Indien findet derzeit das Hindu-Fest Kumbh Mela ohne Corona-Beschränkungen statt. Regierungschef Rawat setzt auf Gottvertrauen. Experten fürchten, das Gangesbad könne zum Superspreader-Event werden.

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    Von
    • BR24 Redaktion
    • Veronika Wawatschek

    Trotz hoher Corona-Infektionszahlen in Indien nehmen derzeit Hunderttausende Hindu-Pilger zum Fest Kumbh Mela ein rituelles Bad im Ganges. Mehr als 30 Millionen Gläubige sind zur größten und wichtigsten Feier des Hinduismus gekommen, wie indische Medien am Mittwoch berichteten.

    In den Sozialen Medien veröffentlichte Videos und Fotos zeigen, dass Corona-Regeln wie Abstandhalten und das Tragen von Masken beim Kumbh Mela - "Fest des Kruges" - in der Stadt Haridwar im Bundesstaat Uttarakhand nicht eingehalten werden.

    Zeitungsberichte gehen bei Infektionszahlen weit auseinander

    Von rund 50.000 innerhalb von zwei Tagen beim Kumbh-Mela-Fest in Haridwar genommenen Tests seien 1.002 positiv ausgefallen, erklärten Behördenvertreter am Mittwoch. Berichte über Infizierte bei dem Fest gehen indes teilweise weit auseinander. Während die "Hindustan Times" von mehr als 1.000 Neuinfektionen in 48 Stunden schreibt, meldet die "Times of India" an diesem Mittwoch mehr als 120 positiv getestete Pilger. Religiöse Führer hätten Corona-Maßnahmen wie Tests, Masken oder Abstandsregeln verweigert, so die Zeitung.

    Regierungschef: Gottvertrauen soll Angst vor dem Virus überwinden

    Gewöhnlich beginnt das nur alle zwölf Jahre stattfindende Fest Mitte Januar und dauert dreieinhalb Monate. Wegen Corona wurde das Kumbh Mela 2021 jedoch auf den Monat April beschränkt. Tirath Singh Rawat, Regierungschef von Uttarakhand, hatte bereits im März laut indischen Medien erklärt, Kumbh Mela solle unberührt von Pandemie-Maßnahmen gefeiert werden. "Niemand wird im Namen von Covid-19 von der Teilnahme abgehalten, weil wir sicher sind, dass das Vertrauen in das Göttliche die Angst vor dem Virus überwinden wird", so Rawat. Experten befürchten, das weltweit größte religiöse Fest könnte zu einem "Superspreader"-Ereignis werden.

    Fest für den "Nektar der Unsterblichkeit"

    Mit dem Kumbh Mela gedenken die Hindus der vier Tropfen Amrit - Nektar der Unsterblichkeit -, die der Legende nach bei einem Streit der Götter aus einem Krug auf vier Stellen in Indien geflossen waren, an denen sich heute die Städte Prayagraj, Haridwar, Ujjain und Nashik befinden. Diese Städte richten im Wechsel Kumbh Mela aus. Im hinduistischen Glauben manifestiert sich der Amrit im Wasser des Ganges. Ein Bad im Ganges während des Kumbh Mela befreit von allen Sünden.

    Mit 13,9 Millionen Corona-Infektionen seit Beginn der Pandemie hat Indien in dieser Woche Brasilien als Nummer Zwei der am stärksten betroffenen Länder der Welt verdrängt. In den vergangenen sieben Tagen lag die Zahl der Neuinfektionen im Schnitt bei 153.000. Angesichts der massiv steigenden Corona-Zahlen verhängte die indische Regierung am Sonntag einen Exportstopp des kontroversen Corona-Medikaments Remdesivir, von dem Indien rund vier Millionen Dosen pro Monat herstellen kann. Bereits Ende März informierte das Serum Institute of India (SII), der weltgrößte Impfstoffhersteller, die globale Covax-Initiative über eine "Lieferpause". Die Impfstoffplattform Covax beschafft und finanziert Impfstoffe für Entwicklungsländer. Das SII soll in diesem Jahr eine Milliarde Dosen des von Astrazeneca lizensierten Impfstoffs Covishield produzieren.

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