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Asylbewerber nicht ausreichend vor Coronavirus geschützt | BR24

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In Bayern leben rund 7.000 Asylbewerber in sogenannten Ankerzentren auf engstem Raum zusammen. Flüchtlingshilfsorganisationen warnen seit Tagen, dass die Männer, Frauen und Kinder nicht ausreichend vor Ansteckung mit dem Corona-Virus geschützt sind.

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Asylbewerber nicht ausreichend vor Coronavirus geschützt

In Bayern leben rund 7.000 Asylbewerber in sogenannten Ankerzentren auf engstem Raum zusammen. Flüchtlingshilfsorganisationen warnen seit Tagen, dass die Männer, Frauen und Kinder nicht ausreichend vor Ansteckung mit dem Corona-Virus geschützt sind.

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Von
  • Ina Krauß

Alle neu ankommenden Flüchtlinge werden auf Covid-19 getestet. 1.800 dieser verdachtsunabhängigen Tests wurden seit Ende Februar durchgeführt. Sechs Asylbewerber waren mit dem neuartigen Corona-Virus infiziert und wurden in Quarantäne genommen. Der stellvertretende Sprecher des Bayerischen Innenminsteriums Martin Scholtysik meint, dass auf die Gesamtmenge der Tests das sehr wenig ist. Das zeige, dass niemand befürchten müsse, dass Asylbewerber das Corona-Virus unbemerkt nach Bayern eintragen könnten und ebenso unbegründet sei auch die Befürchtung, dass die Ankereinrichtungen Örtlichkeiten seien, wo sich der Virus unbemerkt verbreiten könnte.

Flüchtlingsorganisationen warnen vor Enge in Ankerzentren

Auch wenn die neu ankommenden Flüchtlinge getestet werden, so sehen Flüchtlingshilfsorganisationen die Enge mit großer Sorge. In einem offenen Brief wandte sich etwa die Bamberger Pfarrerin Mirjam Elsel im Namen mehrerer Helfergruppen an den bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder und andere verantwortliche Stellen. In den Ankerzentren gebe es kaum Vorsichtsmaßnahmen. Die Bewohner lebten in den Unterkünften auf engstem Raum und in Mehrbettzimmern. Das Innenministerium hat nun versichert, die Belegung würde je nach örtlichen Möglichkeiten entzerrt. Dennoch können die Asylbewerber soziale Kontakte kaum vermeiden, berichtet Pfarrerin Elsel. Da sie sich selbst kein Essen zubereiten dürfen, sind die rund 1.000 Ankerzentrums-Bewohner in Bamberg zum Beispiel auf die Kantine angewiesen. Immerhin gebe es nun die Möglichkeit, dass die Menschen dort das Essen auf ihre Zimmer mitnehmen könnten. Doch das Wichtigste sei, die Menschen dort zu informieren. Die Verunsicherung der Bewohnerinnen und Bewohner der Ankerzentren sei groß, beobachtet Pfarrerin Miriam Elsel.

Ausgangsbeschränkungen verschärfen die Lage

Die Ausgangsbeschränkungen treffen die Flüchtlinge noch einmal besonders hart.

"Wir haben einen privaten Rückzugsraum, eine Wohnung wo man es einigermaßen gemütlich hat, und für Kinder zum Beispiel ein paar Spielsachen da sind, mit denen man sich beschäftigen kann, die Menschen dort haben nichts." Pfarrerin Miriam Elsel

Unter Umständen würden die nur in ihrem Zimmern sitzen. Da sei ein Bett und ein Spint, mehr sei da nicht. Viele Asylbewerber seien durch ihre Vorgeschichte von Flucht und Verfolgung psychisch stark vorbelastet. Zudem zählten viele zu den Risikogruppen, weil sie Vorerkrankungen hätten. Die Arztpraxis im Ankerzentrum sei auf Notversorgung heruntergefahren worden. Die Flüchtlinge hätten nun große Angst, vergessen zu werden. Zumal Hilfsorganisationen ihre Beratungsangebote aufgrund der Corona-Pandemie einschränken mussten und nicht mehr in die Ankerzentren reindürfen.

Hilfsorganisationen wenden sich an die Politik

Inzwischen appelliert auch die bundesweite Flüchtlingshilfsorganisation Pro Asyl gemeinsam mit 24 anderen Menschenrechtsorganisationen die Gesundheitsversorgung von Asylbewerbern sicherzustellen und die Lager aufzulösen, um die Ansteckungsgefahr zu minimieren. Stephan Dünnwald vom Bayerischen Flüchtlingsrat fordert schnelles und einheitliches Handeln. Es wäre an der Zeit Maßnahmen zu treffen, die auch die Flüchtlinge angemessen schützen. In die Appelle der Solidarität und des Zusammenstehens müsse man einfach alle, die hier lebten, mit einbeziehen.

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