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Blätter mit roten Handabdrücken und Gedanken von Kindern zum Thema Kindersoldaten hängen an einer Leine
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Blätter mit roten Handabdrücken und Gedanken von Kindern zum Thema Kindersoldaten hängen an einer Leine

Zehntausende Kinder werden Hilfsorganisationen zufolge weltweit trotz einer Ächtung nach wie vor in den bewaffneten Kampf geschickt. Schätzungen gingen von bis zu 250.000 Kindersoldaten in mindestens 19 Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas aus, teilte das Deutsche Bündnis Kindersoldaten am Montag mit. Anlass ist der Weltaktionstag gegen den Einsatz von Kindersoldaten an diesem Dienstag. Zu dem Bündnis gehören etwa die Hilfsorganisationen Unicef Deutschland und Terre des Hommes sowie die katholische Friedensbewegung Pax Christi.

50 Armeen rekrutieren Kinder

Rund 50 Armeen und bewaffnete Gruppen rekrutierten nachweislich Kinder, hieß es. Etwa 65.000 Kindersoldaten konnten in den vergangenen zehn Jahren aber auch befreit werden. Kinder dürften auf keinen Fall in den Kriegen der Erwachsenen eingesetzt werden, sagte der Geschäftsführer des UN-Kinderhilfswerks Unicef in Deutschland, Christian Schneider. "Alle Konfliktparteien und Regierungen, die Einfluss auf diese haben, müssen sich dazu verpflichten, den Einsatz von Kindersoldaten weltweit endlich zu beenden. "Von Afghanistan bis zur Zentralafrikanischen Republik würden Mädchen und Jungen von Streitkräften und bewaffneten Gruppen rekrutiert, erklärte Unicef.

Viele Kindersoldaten werden sexuell missbraucht

Dabei würden Kinder zum Kämpfen, aber auch als Späher oder zum Überbringen von Nachrichten und für Hilfstätigkeiten wie Kochen eingesetzt. Manche Mädchen würden mit Kämpfern zwangsverheiratet, und Mädchen ebenso wie Jungen sexuell missbraucht. Die Erlebnisse seien traumatisch. In extremen Fällen würden Kinder gezwungen, als "lebende Schutzschilde" zu agieren oder sich auf belebten Plätzen selbst in die Luft zu sprengen.

Linksfraktion kritisiert Rekrutierung von Minderjährigen in Deutschland

Das Bündnis kritisierte auch die Rekrutierung von Minderjährigen in Deutschland, Großbritannien und den USA. Die drei Länder schwächten damit aufgrund ihrer Vorbildfunktion internationale Standards, sagte der Sprecher des Bündnisses, der Kinderrechtsexperte von Terre des Hommes, Ralf Willinger. So würden andere Länder zur Rechtfertigung auf die drei genannten Länder verweisen. Drei von vier Staaten verzichteten auf minderjährige Soldaten. Der kinderpolitische Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Norbert Müller, sagte: "Eine Viertelmillion Kindersoldaten weltweit sind eine Viertelmillion zu viel." Die Bundesregierung müsse ihre Verantwortung ernst nehmen und die Rekrutierung Minderjähriger bei der Bundeswehr endlich beenden, fordert er. Seine Fraktion will am Donnerstag einen entsprechenden Antrag im Parlament stellen.

Rote Hände als Zeichen gegen Einsatz von Kindersoldaten

Bei dem Aktionstag namens "Red Hand Day" setzen Kinder und Jugendliche weltweit mit roten Handabdrücken ein Zeichen gegen den Einsatz von Kindersoldaten. Auch die Kinderkommission des Bundestages beteiligt sich. Abgeordnete und Beschäftigte geben ihre Abdrücke ab. Anschließend werden diese an die Vereinten Nationen weitergeleitet. Am 12. Februar 2002 trat das Verbot des Einsatzes von Kindern als Soldaten in Kraft - als Zusatzprotokoll zur UN-Kinderrechtskonvention. Bislang sind 168 Staaten beigetreten.