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Hilfe für IS-Familien: Bundesanwalt vermutet Terrorfinanzierung | BR24

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Es ist eine fragwürdige Hilfe: Die islamistische Szene sammelt Geld für deutsche IS-Familien, die in kurdischen Gefangenenlagern festsitzen. Eine BR-Recherche, für die sich die Bundesanwaltschaft interessiert Ein Fall von Terrorfinanzierung?

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Hilfe für IS-Familien: Bundesanwalt vermutet Terrorfinanzierung

Die islamistische Szene sammelt Geld für deutsche IS-Familien, die in kurdischen Gefangenenlagern festsitzen. Eine BR-Recherche, für die sich auch die Bundesanwaltschaft interessiert. Ein Fall von Terrorfinanzierung?

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Von
  • Joseph Röhmel

Seit Monaten sammelt die salafistisch-dschihadistische Szene in Deutschland via Internet Geld für IS-Familien, die in kurdischen Gefangenenlagern in Nordsyrien festsitzen. Lagerhäftlinge posten in sozialen Netzwerken Geldscheine und bedanken sich dafür auf Deutsch.

Geldspenden für IS-Familien im Visier der Sicherheitsbehörden

Das Geld aus Deutschland gelangt via Überweisung, PayPal und neuerdings auch über die Kryptowährung Bitcoin nach Syrien. Das teilt der nordrhein-westfälische Verfassungsschutz auf Anfrage von BR und Deutschlandfunk mit.

Die Bundesanwaltschaft ist nach unseren Recherchen alarmiert. Sie vermutet hinter dieser Art der Geldspenden Terrorfinanzierung. Dazu teilt sie mit: "Wir gehen in mehrere Fällen der Frage nach, ob zureichende tatsächliche Anhaltspunkte für den Tatbestand der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung im Ausland oder einer Terrorismusfinanzierung vorhanden sind."

IS-Frauen kehren nach Deutschland zurück

Unter den Gefangenen in den nordsyrischen Camps sind auch mehr als 100 Kinder und Frauen mit deutschem Pass. Zuletzt hat die Bundesregierung vereinzelt IS-Frauen mit deutscher Staatsbürgerschaft sowie deren Kinder zurückgeholt. Eine dieser Rückkehrerinnen wurde noch am Flughafen festgenommen. Sie soll ihrem Ehemann dabei unterstützt haben, eine Jesidin zu versklaven.

Vereinzelt mussten sich bereits sogenannte IS-Rückkehrerinnen wegen der mutmaßlichen Versklavung von Jesiden vor einem deutschen Gericht verantworten. Diese Verfahren zeigen, dass Frauen beim IS nicht nur Opfer waren, sondern auch Täterinnen.

Radikalisierte Kinder in Propagandavideos

IS-Anhängerinnen schrecken auch nicht davor zurück, ihre Kinder zu Propagandazwecken zu missbrauchen. Das belegen Videos, die in kurdischen Gefangenenlagern entstanden sind. Untermalt werden die Bilder von religiösen Gesängen.

In einem Video imitieren Kinder das Kopfabschneiden. So wie es IS-Kämpfer auch mit ihren Feinden gemacht und in Videos festgehalten haben.

Wie sollen IS-Rückkehrer integriert werden?

Auch beim Bundeskriminalamt sind solche Propagandavideos mit Kindern aufgefallen. Für den leitenden Kriminaldirektor Lars Rückheim von der Abteilung Terrorismus/Extremismus verdeutlichen die Videos ein Problem, das auf die Gesellschaft zukommt. Diese Kinder, die radikalisiert in Syrien aufgewachsen seien und jetzt in Camps leben, müssten nach ihrer Rückkehr integriert werden, sagt Rückheim.

Unter anderem deshalb schauen sich alle deutschen Sicherheitsbehörden im sogenannten Terrorismusabwehrzentrum die Fälle der Kinder und der Frauen ganz genau an. Gemeinsam wird überlegt, ob und wie staatliche geförderte Aussteigerprogramme bei einer Rückkehr von IS-Familien eine Rolle spielen können.

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IS-Rückkehrerinnen und ihre Kinder - ein Recherche-Thema im Funkstreifzug. Zum Jahresende ziehen wir Bilanz und fragen: Was haben unsere Recherchen bewirkt, bewegt und ausgelöst?