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"Hier sind keine Viren": Weißrussland ignoriert die Pandemie | BR24

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In der ehemaligen Sowjetrepublik geht der Alltag wie gewohnt weiter. Schließlich sei die weltweite Corona-Besorgnis nur eine "Massenpsychose", meint Präsident Alexander Lukaschenko. Viele Bürger Weißrusslands sehen das allerdings anders.

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"Hier sind keine Viren": Weißrussland ignoriert die Pandemie

In der ehemaligen Sowjetrepublik geht der Alltag wie gewohnt weiter. Schließlich sei die weltweite Corona-Besorgnis nur eine "Massenpsychose", meint Präsident Alexander Lukaschenko. Viele Bürger Weißrusslands sehen das allerdings anders.

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Bei seinem jüngsten öffentlichen Auftritt trug der weißrussische Präsident Schutzkleidung, aber nicht gegen das Coronavirus. Alexander Lukaschenko verspottete die weltweite Besorgnis über die Pandemie als "Massenpsychose". Seinen Helm und seine Knieschützer trug er für ein Eishockey-Spiel – in einer Halle voller Zuschauer.

"Hier sind keine Viren. Sehen Sie welche herumfliegen? Ich sehe sie auch nicht." Alexander Lukaschenko, Präsident von Weißrussland

Das sagte der autoritäre Machthaber, selbst begeisterter Eishockey-Spieler, in die Kamera. Und er fügte hinzu: "Es ist besser, im Stehen zu sterben, als auf Knien zu leben."

Weißrusslands Regierung spielt die Gefahr durch die weltweit grassierende Corona-Pandemie demonstrativ herunter. Während die Nachbarn im Kampf gegen das Virus strenge Beschränkungen verhängt haben und der Hauptverbündete Russland seine Grenzen geschlossen hat, geht der Alltag in Minsk und Umgebung einfach weiter: Schulen, Geschäfte und Fabriken bleiben geöffnet, Sportveranstaltungen finden in vollen Arenen statt.

Behörden versichern: Situation "unter Kontrolle"

Die Situation sei "unter Kontrolle", so die weißrussischen Behörden. Man habe genügend Beatmungsgeräte und setze außerdem verstärkt auf Tests und die Isolierung von Infizierten und deren Kontaktpersonen. Bislang gab es 36.000 Tests. 9,5 Millionen Einwohner hat die ehemalige Sowjetrepublik. 1.500 Menschen stehen Behördenangaben zufolge unter Beobachtung. Die ersten vier Todesfälle durch Covid-19 mussten die Behörden inzwischen einräumen.

Viele Bürger nehmen Pandemie ernster als die Regierung

Die weißrussische Bevölkerung scheint die Sorglosigkeit ihres Präsidenten allerdings nicht zu teilen. Zwar sind bislang nur wenige Menschen auf den Straßen der weißrussischen Hauptstadt Minsk mit Atemschutzmasken zu sehen, doch kursieren im Netz Aufrufe von Ärzten an die Bürger, die Ansteckungsgefahr durch "Social Distancing" zu minimieren. Fußballfans appellieren an die Profispieler, die Meisterschaft zu stoppen.

Weißrussland ist das einzige Land in Europa, in dem noch Profi-Fußballspiele vor Fans im Stadion stattfinden. Die Folgen eines möglichen Lockdowns für die Wirtschaft scheinen Lukaschenko mehr Sorgen zu bereiten als die Krankheit selbst. Mehr Menschen würden an Arbeitslosigkeit und Hunger sterben als am Coronavirus, sagte der Präsident. Er selbst habe sich noch keinem Test auf Covid-19 unterzogen.

Mit Material von AP

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