| BR24

 
 

Bild

Stimmzettel für die Landtagswahl in Hessen
© dpa-Bildfunk
© dpa-Bildfunk

Stimmzettel für die Landtagswahl in Hessen

Fragt man die Hessen, wie es sich lebt in ihrem Bundesland, sagt die überwiegende Mehrheit (80 Prozent): Staat und Verwaltung in Hessen funktionieren insgesamt gut. So haben es die Wahlforscher von Infratest dimap herausgefunden, die kurz vor der Landtagswahl über 1000 Menschen in Hessen repräsentativ befragt haben.

Hessen geht es gut, sagen die Hessen

Die wirtschaftliche Lage sehen sogar 85 Prozent der Hessen positiv. Die Zustimmung kommt aus allen Parteilagern, wobei Anhänger der Grünen (94 Prozent) nahezu rundum zufrieden sind. Aber auch drei Viertel der Wähler der Linken und der AfD beurteilen die Wirtschaftslage in Hessen als gut oder sehr gut. Zum Vergleich: Vor der Neuwahl nach der gescheiterten Regierungsbildung 2009 war gerade mal ein Drittel der Wähler der Meinung, dass es Hessen gut geht.

Die schwarz-grüne Landesregierung hat gute Werte

Die Regierung unter Ministerpräsident Volker Bouffier hat in der Bevölkerung ein recht gutes Ansehen. 60 Prozent sind mit der Arbeit von Schwarz-Grün zufrieden. Im Vergleich zu anderen Bundesländern ist das ein ordentlicher Wert. Vor zwei Wochen in Bayern war nicht einmal jeder Zweite einverstanden mit der Arbeit von Ministerpräsident Markus Söder.

Grüner Spitzenkandidat beliebter als CDU-Ministerpräsident

Der hessische Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir von den Grünen erreicht bei der Frage nach der Zufriedenheit mit den Spitzenkandidaten die höchsten Werte. 65 Prozent finden Al-Wazir gut, vor fünf Jahren waren es nur 44 Prozent. CDU-Ministerpräsident Volker Bouffier kommt auf 57 Prozent, auch er hat im Vergleich zur letzten Landtagswahl aufgeholt. Die Bevölkerung goutiert offenbar die geräuschlose Zusammenarbeit der einst verfeindeten Lager in Hessen.

Den Spitzenkandidaten der SPD, Thorsten Schäfer-Gümbel, können sich immerhin 43 Prozent der Befragten als Ministerpräsidenten vorstellen. Damit liegt er zwar hinter Volker Bouffier und Tarek Al-Wazir, aber auch er hat auf der Skala der Politikerzufriedenheit aufgeholt, wenn auch nur gering. Die SPD in Hessen hat am meisten mit der schlechten Stimmung auf Bundesebene zu kämpfen.

Kein Rückenwind aus Berlin

Wie bereits bei der Landtagswahl in Bayern steht auch der Wahlkampf der hessischen CDU und SPD unter dem Einfluss der schlechten Beurteilung der Bundesregierung. Nicht einmal ein Drittel (30 Prozent) der Hessen ist mit der Arbeit der Großen Koalition in Berlin zufrieden. Vier von fünf Befragten (79 Prozent) sagen: „Die Bundesregierung nimmt zu viel Rücksicht auf die Interessen der Industrie.“ Der Dieselkompromiss hat möglicherweise zu diesem schlechten Wert beigetragen. Denn nur ein Zehntel (11 Prozent) ist damit zufrieden, wie die Bundesregierung in Sachen Nachrüstung und Umtausch älterer Dieselautos agiert.

Ohnehin haben viele Bürger den Glauben daran verloren, dass Politik für die Menschen da ist. Acht von zehn Befragten (79 Prozent) sagten vor der Hessen-Wahl, die Politiker kümmerten sich mehr um sich selbst als um die Probleme der Menschen.