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Kläger vor BGH-Urteil: "Menschen in Würde sterben lassen" | BR24

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Der Bundesgerichtshof fällt heute ein richtungsweisendes Urteil: Heinz Sening wirft Ärzten vor, den unabwendbaren Tod seines Vaters um mehr als zwei Jahre hinausgezögert zu haben - und es geht ihm dabei um viel mehr als nur um Schmerzensgeld.

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Kläger vor BGH-Urteil: "Menschen in Würde sterben lassen"

Der BGH fällt heute ein richtungsweisendes Urteil: Heinz Sening wirft Ärzten vor, den unabwendbaren Tod seines Vaters hinausgezögert zu haben. Im Interview mit Bayern 2-radioWelt erklärt er, warum es ihm um viel mehr als nur um Schmerzensgeld gehe.

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Bayern 2-radioWelt: Warum ist es Ihnen so wichtig, ein Grundsatzurteil zu erreichen. Geht es ums Geld?

Heinz Sening, Kläger: Ja, das habe ich immer wieder gehört, dass der Sohn nur klagt, wegen des Geldes, er wolle seine Erbschaft vergrößern. Aber um Geld geht es eigentlich nicht. Es geht darum, dass man Menschen in Würde sterben lassen darf. Das ist das Ziel, das ich hier verfolge.

Bayern 2-radioWelt: Kann man sagen, dass Sie versuchen, medizinische Standards für Sterbehilfe zu setzen?

Heinz Sening: Auf das läuft es wahrscheinlich hinaus, denn diese Standards sind im Falle meines Vaters nach Rechtslage eindeutig verletzt worden.

Bayern 2-radioWelt: Wobei ja Ihr Vater keine Patientenverfügung hatte. Kann man dann einem Arzt wirklich vorwerfen, dass er sich rechtswidrig verhalten hat, weil er sich für den Erhalt des Lebens entschieden hat?

Heinz Sening: Die Regelung ist so, dass der Arzt an den Betreuer hätte herantreten müssen und sagen: Wir haben den Herrn Sening jetzt schon drei Jahre lang! Der Zustand wurde ja immer schlechter, das war ja absehbar. Der Betreuer hätte den Wunsch des Vaters herausfinden sollen. Er hätte mich kontaktieren müssen, aber das ist einfach nicht passiert!

Bayern 2-radioWelt: Wäre der Wunsch Ihres Vaters noch herauszufinden gewesen?

Heinz Sening: Ja, den wusste ich schon. Mein Vater wollte mit Sicherheit nicht so sein Leben beenden, wie er es beenden musste.

Bayern 2-radioWelt: Sie sagen, dass es einen Betreuer gab für Ihren Vater, weil Sie selber nicht an Ort und Stelle waren. Hätte der Betreuer dann nicht selber tätig werden müssen?

Heinz Sening: Nach dem Tod meines Vaters konnte ich die Gerichtsakte einsehen, da sind mir ganz zweifelhafte Dokumente in die Finger gekommen. Eigentlich wollte ich den Betreuer anklagen, aber mein Anwalt hat das Ganze umgedreht, denn der Arzt habe die Hauptverantwortung.

Bayern 2-radioWelt: Nehmen wir doch einmal den umgekehrten Fall: Jemand schreibt eine Patientenverfügung. Er schreibt da rein, er möchte bis zum Schluss lebensverlängernde Maßnahmen haben. Jetzt sagen aber die Ärzte, sie sehen darin medizinisch keinen Sinn mehr. Wie muss man denn dann entscheiden? Muss man dann das tun, was der Patient will? Leben verlängern bis zum Ende?

Heinz Sening: Ja, so wäre es heute geregelt. Die Mediziner würden bis zum bitteren Ende weiter behandeln, künstlich beatmen, künstlich ernähren. Das Grundsatzurteil, das wir anstreben, würde aber in diesem Fall bedeuten, dass die Behandlung trotzdem abgebrochen würde.