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Heinz Felfe: Biographie über den größten Verräter des BND | BR24

© dpa / colourbox; Bearbeitung: BR

Symbolbild: Heinz Felfe zwischen KGB und BND

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    Heinz Felfe: Biographie über den größten Verräter des BND

    Er wurde 1961 zum größten Skandal des Bundesnachrichtendienstes: Der ehemalige Nationalsozialist Felfe arbeitete als Doppelagent beim KGB und schickte tausende Dokumente nach Moskau. Seine Geschichte wurde nie vollständig aufgearbeitet – bis jetzt.

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    München, 6. November 1961. Ein Mann wird von der Polizei abgeführt, sein Gesicht versteckt er hinter vorgehaltenen Dokumenten. Es hilft nichts: Heinz Felfe ist enttarnt. Ein russischer Doppelagent im Bundesnachrichtendienst, mitten im Kalten Krieg. Ein Schock: Felfe hatte tausende von geheimen Dokumenten nach Moskau geschickt.

    Warum begeht Felfe Geheimnis- und Landesverrat?

    Für Bodo Hechelhammer lange eine ungelöste Frage. Er war selbst BND-Agent. Heute arbeitet er für den Auslandsgeheimdienst als Chefhistoriker. Acht Jahre lang hat er sich mit Felfe befasst und jetzt die erste umfassende Biographie zu ihm vorgelegt: "Spion ohne Grenzen." Und dabei auch herausgefunden, wie weitgreifend Felfes Verrat war. Seinen Recherchen zufolge hat der Doppelagent auch das Leben anderer aufs Spiel gesetzt, indem er Quellen verraten habe.

    Warum hat Felfe das getan? Hechelhammer beschreibt ihn in seinem Buch als jemanden, der nach dem Krieg in keinem der beiden Systeme Fuß fassen konnte. Beim sowjetischen Geheimdienst landete er vor allem deshalb, weil er die Miete zahlte. Dort erhielt er den Auftrag, sich bei der Vorläuferorganisation des BND zu bewerben - erfolgreich.

    Das NS-Erbe im Bundesnachrichtendienst

    Nur: Warum wurde dort nie jemand misstrauisch? Die Antwort auf diese Frage sagt viel aus, über die damals junge Bundesrepublik. 15 Jahre zuvor war Felfe in die SS eingetreten, wurde zum Agenten ausgebildet. Für seinen Chef Reinhard Gehlen, einen ehemaligen Generalmajor der Wehrmacht, war das Grund genug, ihm zu trauen. Ihn nicht in Frage zu stellen.

    KGB hofft auf den großen Skandal

    Enttarnt wird er durch eine Reise in die USA. 1956 wird eine Gruppe BND-Mitarbeiter vom CIA eingeladen. Sie lernen neue Spionagetechniken und amerikanische Agenten kennen. Felfe fotografiert fleißig und meldet alle Klarnamen nach Moskau weiter. Das wird ihm später zum Verhängnis, hat Bodo Hechelhammer recherchiert: Jahre später läuft ein polnischer Offizier zu den Amerikanern über und erzählt, dass auf der USA-Reise ein Doppelagent dabei war. So wird Felfe enttarnt.

    Was Heinz Felfe nicht ahnte: Der KGB wusste, dass man ihm auf der Spur war, hat ihn aber nicht gewarnt. Die Russen wollten, dass er auffliegt, hat Bodo Hechelhammer herausgefunden:

    "Dann ist es nämlich ein großer Imageschaden, ein öffentlicher Skandal und der schadet einem Nachrichtendienst dann noch mal richtig." Bodo Hechelhammer , Autor

    Felfe muss ins Gefängnis

    Jahrelang wird sich der deutsche Geheimdienst von diesem Schlag nicht erholen. Felfe wurde zu 14 Jahren Gefängnis verurteilt. Ein paar sitzt er ab, dann wird er gegen DDR-Häftlinge ausgetauscht. Er geht nach Ost-Berlin, wird dort mit Hilfe der Stasi und des KGB Professor für Kriminalistik. Er stirbt als 90jähriger. Bodo Hechelhammer erzählt diese Geschichte in seinem Buch "Spion ohne Grenzen".