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Heinz-Christian Strache: Rückzug eines Skandalpolitikers | BR24

© ARD/Srdjan Govedarica

Er war Neonazi und Zögling von Jörg Haider: Nach einem kometenhaften Aufstieg 2015 in der FPÖ zieht sich Österreichs Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache nun aus der Politik zurück. Ein Porträt.

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Heinz-Christian Strache: Rückzug eines Skandalpolitikers

Er war Neonazi und Zögling von Jörg Haider: Nach einem kometenhaften Aufstieg 2015 in der FPÖ zieht sich Österreichs Ex-Vizekanzler Heinz-Christian Strache nun aus der Politik zurück. Ein Porträt.

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"Skandale, Bestechung, Korruption und Verrat, das sind die Eckpfeiler in diesem Staat. So sehen das die Herrschaften im Parlament, es wird Zeit, dass jemand dagegen anrennt", textete Heinz-Christian Strache in einem Wahlkampfvideo aus dem Jahr 2006 in Rapper-Manier. Und er ist dagegen angerannt. Seine Botschaft damals: Hier tritt einer an, der sich traut, die Dinge beim Namen zu nennen. Und tatsächlich - Leise Töne sind Straches Sache nicht.

"Was ist ein Minarett, das ist eben für einen Islamisten ein Siegeszeichen über die Ungläubigen, ein Siegeszeichen über den Westen, ein Siegeszeichen gegenüber dem Abendland, ein Siegeszeichen gegen die Demokratie, ein Siegeszeichen gegenüber der Freiheit." Heinz-Christian Strache

Heinz-Christian Strache, den alle "HC" nennen, kommt 1969 im Zentrum Wiens auf die Welt. Er wächst vaterlos auf, ist zeitweise auf einem Internat, besucht dann die Handelsschule und schließt eine Lehre als Zahntechniker ab.

Strache war in seiner Jugend Neonazi, er nennt es "Jugendsünde"

In dieser Zeit gleitet er ins rechtsextreme Milieu ab, wird Mitglied einer deutsch-nationalen Verbindung. Rechtsextremismusforscher Berhard Weidinger vom renommierten Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands hat Straches Werdegang verfolgt.

"Strache hat eine Vergangenheit, eine Jugend im Neonazismus verbracht. Das ist auch so eindeutig belegt und wird auch so von ihm nicht mehr bestritten." Rechtsextremismusforscher Berhard Weidinger

Straches rechtsextreme Vergangenheit holt ihn immer wieder ein: 2007 tauchen Fotos auf, die ihn bei paramilitärischen Übungen mit deutschen Neonazis zeigen. Auch Verbindungen zur verbotenen deutschen Wiking-Jugend und der NPD sind ihm in dieser Zeit nachzuweisen. Strache distanziert sich von diesen Kontakten, erklärt sie zur Jugendsünde, er sei ein "junger, dummer, vielleicht auch blöder Bub" gewesen.

"Ich kann Ihnen versichern: Ich habe, was meine demokratische Gesinnung und Einstellung betrifft, eine klare Haltung. Ich bin ein aufrechter Demokrat. Ich habe nichts mit einer NS-Ideologie zu tun." Heinz-Christian Strache

Nachwuchshoffnung und Zögling von Jörg Haider

Strache tritt mit 21 Jahren in die FPÖ ein, gilt in der Partei lange Zeit als Nachwuchshoffnung. Sein Mentor ist Jörg Haider, der Vater des österreichischen Rechtspopulismus. 2005 kommt Straches große Stunde, mit 36 Jahren übernimmt er nach dem Parteiaustritt Haiders die Führung der FPÖ und bringt die damals zerstrittene Partei wieder auf Kurs. Sein Erfolgsrezept: klare Feindbilder und das ständige Spiel mit der Provokation. 2015, als die Themen Migration und Flüchtlinge den öffentlichen Diskurs beherrschen, erlebt Strache mit seiner FPÖ einen Höhenflug.

2017 ist sein Jahr: Strache wird Vizekanzler und Sportminister

Im Dezember 2017 geht sein politischer Traum in Erfüllung: die Regierungsbeteiligung der FPÖ. Strache selbst wird Vizekanzler und Sportminister. Seine Erfolgswelle endet im Mai 2019, als das sogenannte Ibiza-Video veröffentlicht wird.

Strache hatte sich im Juli 2017 auf Ibiza mit einer mutmaßlichen russischen Multimillionärin getroffen. Sie bot ihm angeblich Wahlkampfhilfe an, er versprach im Gegenzug staatliche Aufträge. Der Rest ist Geschichte: Strache legte Parteivorsitz und und Vizekanzlerschaft nieder, die Regierung mit der ÖVP von Sebastian Kurz platzte. Endgültig toxisch für die FPÖ wird Strache jedoch mit der sogenannten Spesenaffäre, die kurz vor der Nationalratswahl 2019 öffentlich wird.

Ibiza-Video und Spesenaffäre - inzwischen ermittelt der Staatsanwalt

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Strache wegen Untreue und verdächtigt ihn, private Ausgaben über die Partei abgerechnet zu haben. Aus FPÖ-Sicht ist diese Affäre einer der Gründe für ihr schlechtes Abschneiden bei der Wahl. Die Basis ist entsprechend sauer und es mehren sich Hinweise, dass der Parteivorstand eine Suspendierung oder sogar einen Parteiausschluss Straches beschließen könnte.

Einer Entscheidung der FPÖ-Gremien kommt Strache zuvor und erklärt bei einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz seinen Rückzug ins Private. Er werde die Mitgliedschaft in der rechten FPÖ ruhen lassen, jegliche politische Aktivität einstellen und keine politischen Ämter mehr anstreben.

"Ich stelle fest, dass wir einen wunderschönen Spätsommertag haben und stelle fest, dass jedes Ende mit einem neuen Anfang beginnt. Dieser Anfang ist für mich natürlich ein neuer. Aber ich freue mich drauf." Heinz-Christian Strache

Alles im Leben habe einen Sinn, so bewertet Strache seinen Rückzug und setzt noch hinterher, diesen Sinn müsse man vielleicht "da oder dort erst später erfassen und kennenlernen".