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Heil plant Mindestanspruch auf 24 Tage Homeoffice im Jahr | BR24

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Der Bundesarbeitsminister strebt einen Rechtsanspruch auf 24 Tage Homeoffice im Jahr für Arbeitnehmer an. Der Entwurf sieht vor, dass ein Arbeitgeber mobile Arbeit nur dann ablehnen darf, wenn es dafür organisatorische oder betriebliche Gründe gibt.

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Heil plant Mindestanspruch auf 24 Tage Homeoffice im Jahr

Bundesarbeitsminister Heil will Arbeitnehmern einen Rechtsanspruch auf mindestens 24 Tage Homeoffice im Jahr gewähren. Arbeitnehmervertretern und Grünen gehen die Vorschläge nicht weit genug, Union und Wirtschaft zeigen sich skeptisch.

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Mindestens 24 Tage Homeoffice im Jahr sollen Arbeitnehmer künftig in Anspruch nehmen können, so der Plan von Bundesarbeitsminister Heil (SPD). Die Corona-Krise habe gezeigt, "dass viel mehr mobiles Arbeiten möglich ist als wir dachten", so Heil in der Bild-Zeitung. Den geplanten Rechtsanspruch auf Homeoffice sollten Arbeitnehmer überall dort geltend machen können, wo es möglich ist, so Heil weiter.

Nach Absprache auch mehr Heimarbeit möglich

Die 24 Tage möchte Heil nach eigenen Angaben als Untergrenze verstanden wissen: Arbeitnehmer und Arbeitgeber könnten sich darüber hinaus individuell in Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen auf mehr Heimarbeit verständigen. Heil zufolge sollen alle Beschäftigten das Recht bekommen, mit ihrem Chef über mobiles Arbeiten zu verhandeln.

Wenn beide Elternteile einen Beruf ausübten, in dem mobiles Arbeiten machbar sei, könne nach seinem Vorschlag jede Woche abwechselnd ein Elternteil einen Tag von zuhause arbeiten. Das erleichtere das Familienleben enorm, sagte Heil.

Homeoffice nicht immer machbar

Zugleich verwies der Minister auf die Grenzen der mobilen Arbeit. Wörtlich sagte er: "Natürlich kann ein Bäcker nicht von zuhause aus Brötchen backen. Deshalb kann ein Arbeitgeber den Wunsch nach mobiler Arbeit ablehnen, wenn er dafür nachvollziehbare organisatorische oder betriebliche Gründe hat." Für Arbeitgeber sei es mit dem Gesetz aber nicht mehr möglich, mobiles Arbeiten aus Prinzip abzulehnen.

Union kritisiert Heils Vorstoß

Heils Pläne stoßen aber beim Koalitionspartner auf Widerstand. Einen echten Rechtsanspruch könne es nicht geben, so der Arbeits- und Sozialexperte der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Peter Weiß.

Weiß warnte davor, dass sonst die Arbeitnehmerschaft in zwei Teile aufgeteilt werde - jene, die ihre Arbeit zuhause verrichten können, und jene, bei denen das nicht geht. Allerdings sollte es künftig selbstverständlich werden, dass Arbeitgeber Wünsche nach Homeoffice ernsthaft prüfen.

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt sagte dem Münchner Merkur, wichtiger als ein Recht auf Homeoffice sei mehr Flexibilität. "Wir wollen deshalb weg vom 8-Stunden-Tag hin zur Flexi-Woche mit einer Wochenhöchstarbeitszeit."

Wirtschaft zeigt sich skeptisch

Kritik kommt auch aus der Wirtschaft. Wo es möglich ist, böten die Arbeitgeber schon heute die Möglichkeit an, von zu Hause zu arbeiten, sagte Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer der Deutschen Presse-Agentur. "24 Tage Homeoffice - rechtlich verbrieft - gehen an dieser Realität vorbei und sind völlig aus der Luft gegriffen." Mittelstandspräsident Mario Ohoven sagte, Homeoffice habe sich in der Krise zwar bewährt. Aber in der Zeit danach dürfe die Erholung der Wirtschaft nicht durch steigende Arbeitskosten und zusätzliche Bürokratie gefährdet werden. Deshalb sage man Nein zu einem generellen Recht auf Homeoffice. Nötig sei vielmehr eine freiwillige Übereinkunft.

DGB und Grüne fordern weitergehenden Anspruch

Der DGB-Vorsitzende Rainer Hoffmann kritisierte den von Heil geplanten Rechtsanspruch auf 24 Tage als eindeutig zu wenig. Prinzipiell sei es aber gut, dass Heil jetzt Nägel mit Köpfen mache, um selbstbestimmtes mobiles Arbeiten zu fördern und gleichzeitig den Schutz der Beschäftigten zu verbessern, so Hoffmann weiter.

Auch die Grünen-Arbeitsmarktexpertin Beate Müller-Gemmeke forderte einen weitergehenden Anspruch. Es müsse möglich sein, dass Arbeitnehmer ein oder zwei Tage in der Woche von zu Hause arbeiten können - und zwar regelmäßig, damit sich alle verbindlich darauf einstellen können.

Linke warnt vor Überstundenfalle

Die Linke warnte mit Blick auf Heils Vorschlag vor neuen Belastungen für Arbeitnehmer. Es brauche hier klare Regeln zum Schutz der Beschäftigten, damit Homeoffice nicht zur Überstundenfalle werde, so die Linken-Arbeitsexpertin Jessica Tatti. Der Betrieb müsse als sozialer Ort erhalten bleiben.

Gegen eine Überlastung von Arbeitnehmern will Heil aber nach eigenen Angaben Vorsorge in dem Gesetz treffen. Das geplante Gesetz schreibe vor, dass die Arbeitszeit im Homeoffice digital dokumentiert werden muss. Arbeit von zu Hause dürfe nicht dazu führen, dass einen die Arbeit gar nicht mehr loslässt. Auch im Homeoffice müsse irgendwann Feierabend sein, so Heil.

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