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Hat die zweite Corona-Welle begonnen? Experte in "großer Sorge" | BR24

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Rollt in Deutschland eine zweite Infektionswelle an? Eine Einschätzung des Infektiologen am Münchner Klinikum rechts der Isar, Dr. Christoph Spinner.

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Hat die zweite Corona-Welle begonnen? Experte in "großer Sorge"

Deutschland meldet wieder deutlich steigende Corona-Infektionszahlen. Der Münchner Infektiologe Christoph Spinner ist deshalb in "großer Sorge". Es könne sich bereits um den Beginn einer "zweiten Welle" handeln, sagte er dem BR.

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In Anbetracht der deutschlandweit wieder steigenden Corona-Infektionszahlen warnt der Infektiologe Christoph Spinner vom Klinikum rechts der Isar in München, dass eine "zweite Welle" bereits begonnen haben könnte. Angesichts sich verdoppelnder Fallzahlen in den letzten Tagen blicke er "mit großer Sorge" auf das Infektionsgeschehen, sagte er in der "Rundschau" des BR Fernsehens.

"Das Problem: Es handelt sich nicht um einzelne größere Ausbrüche, wie zuletzt in fleischverarbeitenden Betrieben, sondern wir sehen jetzt viel schwerer nachvollziehbare Infektionsketten", sagte Spinner im BR. Prognosen seien bislang davon ausgegangenen, dass sich eine "zweite Welle" möglicherweise im September ausbreiten könne, dies sei jedoch nicht genau vorherzusagen. Das Infektionsgeschehen müsse bereits jetzt genau beobachtet werden, so der Infektiologe.

Experte: Corona-Lage nicht mit März vergleichbar

Nach Einschätzung des Mediziners ist die aktuelle Situation allerdings nicht mit der im März vergleichbar. Schließlich sei man besser vorbereitet. Es gebe bereits Regeln zum Tragen eines Mund-Nasenschutzes, Hygiene-und Abstandsregeln sowie weitere Maßnahmen, so Spinner. Gut sei auch, dass der Lockdown in Europa die Situation in Europa temporär wieder unter Kontrolle gebracht habe.

Ministerpräsident Kretschmer: Zweite Welle schon da

Auch Sachsens Ministerpräsident Kretschmer zeigte sich angesichts sich verdoppelnder Infektionszahlen besorgt. Der CDU-Politiker sagte der "Rheinischen Post": "Wir haben jeden Tag neue Infektionsherde, aus denen sehr hohe Zahlen werden könnten." Die allseits befürchtete zweite Infektionswelle finde bereits jeden Tag statt, sagte Kretschmar. Die Aufgabe bestehe darin, mit den Gesundheitsämtern diese Welle jeden Tag neu zu brechen. Das klappe nach Kretschmars Einschätzung erstaunlich gut. Deutschland könne durch sein föderales System viel präziser vorgehen als zentralistisch regierte Länder wie Frankreich oder Polen.

Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach warnte indes davor, dass eine zweite Corona-Welle nur schwer einzudämmen wäre. "Neuinfektionen werden in ganz Deutschland gleichmäßig verteilt sein", twittert er. "Wenn es zweite Welle gibt, und davon gehe ich selbst aus, wird es unmöglich sein, sie mit der Einzelkontaktverfolgung durch die Gesundheitsämter zu beherrschen."

Rund 800 Neuinfektionen, R-Wert über kritischer Marke

Am Freitag hatte das Robert-Koch-Institut (RKI) stark gestiegene Zahlen an Corona-Neuinfektionen in Deutschland gemeldet. Danach wurden an einem Tag 815 Personen neu angesteckt. Vor allem die Urlaubssaison mit Hunderttausenden Reisen ins Ausland wird als Gefahr für eine zweiten Welle angesehen. Das RKI gab am Samstag die Gesamtzahl der in Deutschland mit dem Coronavirus infizierten Menschen mit 204.964 an. Das entspricht einem Plus von 781 im Vergleich zum Freitag.

Die Reproduktionszahl, kurz R-Wert, liegt nach RKI-Schätzungen in Deutschland bei 1,24 (Stand: 25.7., 0:00 Uhr). Das bedeutet, dass ein Infizierter im Mittel etwas mehr als einen weiteren Menschen ansteckt. Der R-Wert bildet jeweils das Infektionsgeschehen etwa eineinhalb Wochen zuvor ab.

Von der Bundesregierung und dem Robert-Koch-Institut war zu Beginn der Corona-Lockerungen vereinbart worden, dass der R-Wert möglichst unter eins bleiben muss, damit man Infektionsketten am besten nachvollziehen kann.

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Die Zahl der Corona-Neuinfektionen steigt: Weltweit steckten sich innerhalb von 24 Stunden mehr als 284.000 Menschen an. In Deutschland meldet das Robert-Koch-Institut 781 neue Fälle.

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