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Hat die CDU noch Chancen bei jungen Wählern? | BR24

© dpa-Bildfunk/Sebastian Gollnow

Wahlzettel

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    Hat die CDU noch Chancen bei jungen Wählern?

    Die CDU könnte bei der Bundestagswahl ziemlich alt aussehen. Denn immer mehr junge Wählerinnen und Wähler setzen ihr Kreuz woanders. Dabei zeigen Studien: Häufig überschneiden sich die Wertvorstellungen von Jugendlichen und klassischen Unionswählern.

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    Von
    • Sophie von der Tann

    Mai 2019, kurz vor der Europawahl geht ein Video auf YouTube online. Der Titel: "Die Zerstörung der CDU". Fast eine Stunde rechnet YouTuber Rezo mit der Partei ab. Das Video wird millionenfach geklickt. Die CDU antwortet mit einem Schreiben im PDF-Format. Seitdem habe sich die Kommunikationsarbeit der CDU aber deutlich verbessert, sagt Diana Kinnert, 29 Jahre alt, CDU-Mitglied und Digitalunternehmerin.

    Mehr Politik für junge Menschen

    Sie spricht von einem Erweckungsmoment. Neue Router und Online-Redakteure allein würden aber nicht reichen. Viele CDUler hätten zu ihr gesagt, eigentlich würden die Jungen uns doch alle wählen, wir brauchen nur einen Hashtag. "Da maskiert man eigentlich, dass man zum Beispiel in Klimafragen eine ganz andere Politik machen müsste", sagt Kinnert. Erst an zweiter Stelle komme der Kommunikationsstil.

    Nachholbedarf in Sachen Diversität

    Dafür braucht es ihrer Meinung nach aber auch eine größere Vielfalt bei den Mitgliedern. Zum Beispiel Menschen wie sie - mit Migrationshintergrund, queer, jung und weiblich. Auch Tilmann Kuban, Vorsitzender der Jungen Union, sieht noch Nachholbedarf. Er weist darauf hin, dass der Frauenanteil im Bundesvorstand unter ihm aber deutlich gestiegen ist – von 23 auf 41 Prozent. Aber die Diversität, von der Diana Kinnert spricht, zeigt sich im Bundesvorstand der Jungen Union noch nicht. In der CDU liegt der Frauenanteil gerade mal bei 27 Prozent.

    Es gebe aber viele Unionspolitiker, mit denen sich junge Wähler und Wählerinnen identifizieren könnten, sagt Kuban und verweist auf Jens Spahn, den saarländischen Ministerpräsidenten Tobias Hans oder Digitalstaatsministerin Dorothee Bär. Und was ist mit Philipp Amthor, ehemals konservativer Vorzeigepolitiker, dann wegen des Lobbyismusskandals in Verruf gekommen? Der habe ohne Frage einen Fehler gemacht, räumt Kuban ein. Aber er ist überzeugt, dass Amthor in den nächsten Jahren eine wesentliche Rolle für die CDU spielen wird: "Er ist ein junger, sehr kluger Kopf und deshalb bin ich mir sehr sicher, dass wir auf ihn nicht verzichten werden."

    CDU beliebter bei älteren Wählern

    Der CDU dürfte helfen, dass Amthor gerade auch bei älteren Wählern beliebt ist. Denn bei ihnen schneidet die Union grundsätzlich besser ab, erklärt Wahlforscher Nico Siegel von Infratest Dimap: "Aber natürlich ist es so, dass der Union überdurchschnittlich viele ältere Wähler wegsterben, ohne dass sie das bei den jüngeren Wählerinnen und Wählern kompensieren kann." Und damit habe die CDU ein ähnliches Problem wie die SPD, so Siegel.

    Bei der Bundestagswahl 2017 war die CDU zwar noch stärkste Kraft bei den unter 25-Jährigen, bei der Europawahl 2019 und bei den letzten Wahlen in Hessen und Hamburg haben die Grünen sie aber abgelöst. Laut Wahlforscher Siegel ziehen gerade bei jungen, westdeutschen Städtern grüne Themen.

    Viele Jugendliche identifizieren sich mit konservativen Werten

    Allerdings weist Andrea Römmele, Politikwissenschaftlerin an der Berliner Hertie-School, darauf hin: Viele junge Menschen identifizieren sich mit sogenannten konservativen Werten, wie die Shell-Studie zeige. Zum Beispiel geben junge Menschen zwischen 12 und 25 Jahren an, dass Tugenden wie Respekt vor Gesetz und Ordnung für sie wichtig seien. Auch Fleiß, Ehrgeiz und das Streben nach Sicherheit. Das seien ganz klar Werte, die auch klassische Unionswähler aufzeigen würden, so Römmele.

    Die junge CDUlerin Diana Kinnert ist überzeugt: Konservativ sein ist nicht out. Ganz im Gegenteil: "In einer Umgebung, die sich rasant verändert, wo Organe aus dem 3-D-Drucker kommen, wo künstliche Intelligenz einen Cyberwar anfangen kann, wo wir sehen, was in den USA, China oder Russland los ist, müssen wir selbstvergewissernd schauen: Was sind unsere Werte und wie können wir sie bewahren."

    Junge Union für Merz, Junge Wähler für Röttgen

    Von diesen Werten müsse man aber konkrete Politik ableiten, sagt Kinnert. Doch wer soll dafür in der CDU künftig die Führung übernehmen? Die Mitglieder der Jungen Union plädieren für Friedrich Merz. Im letzten ARD-Deutschlandtrend lag bei den unter 40-jährigen Norbert Röttgen vorne, nicht weit dahinter Friedrich Merz und Armin Laschet. Dass Röttgen Favorit ist, mag auch an seiner modernen und kreativen Social-Media-Präsenz liegen. Als Kanzlerkandidaten wünschen sich die meisten jungen Wähler und Wählerinnen aber den CSU-Chef Markus Söder. Wer auch immer neuer CDU-Vorsitzender wird, es wird kein junger – Norbert Röttgen als jüngster ist 55 Jahre alt.

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