BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

Hass im Netz: Was tun gegen Hater? | BR24

© BR

Mobbing in der Whatsapp-Gruppe, rassistische Hetze in der Kommentarspalte: Jeder zwölfte Erwachsene ist schon mal von "Hatespeech" im Netz betroffen gewesen. Vor allem Kinder und Jugendliche leiden unter Beleidigungen und Hass.

14
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Hass im Netz: Was tun gegen Hater?

Mobbing in der Whatsapp-Gruppe, rassistische Hetze in der Kommentarspalte: Jeder zwölfte Erwachsene ist schon mal von "Hatespeech" im Netz betroffen gewesen. Vor allem Kinder und Jugendliche leiden unter Beleidigungen und Hass.

14
Per Mail sharen

Cybermobbing in der Whatsapp-Gruppe – und alle machen mit. Alle, bis auf Lukas Pohland. Er ist der einzige, der seiner betroffenen Mitschülerin hilft. Und wird damit selbst zum Mobbingopfer. "Am Anfang lief das noch komplett mit Klarnamen. Später bekamen wir dann anonyme SMS-Nachrichten. Es wurden auch Fotos auf Instagram von uns mit Beleidigungen gepostet", erinnert sich Lukas Pohland.

Projekttage in der Schule reichen nicht

Im Alter von 13 Jahren gründet er die "Cybermobbing-Hilfe", eine telefonische Beratungsstelle für Mobbingopfer. In der Sprechstunde mittwochnachmittags erhalten er und seine Mitstreiter in Spitzenzeiten bis zu 40 Anrufe pro Stunde.

Die Schulen würden das Problem "Cybermobbing" nicht ernst genug nehmen, kritisiert der heute 15-Jährige: "Mit einem Projekttag, den viele Schule anbieten, ist es nicht getan. Man muss das Thema weiter in den Unterricht einbinden. Sonst kommt das nicht in die Köpfe."

"Wärst Du doch im Mittelmeer ertrunken!"

Eine andere Erfahrung mit Hass im Netz hat Firas Alshater gemacht. Er ist vor dem Assad-Regime von Syrien nach Berlin geflüchtet, wo er als Autor und Video-Blogger arbeitet und beispielsweise den YouTube-Channel "Zukar" betreibt. In seinen Videos und Büchern macht er Comedy über seine neue Heimat – vom Pfandsystem bis zum Fahrkartenautomat. Unter seinen Videos erhält Firas auch rassistische Kommentare. "Es kamen schon Sprüche wie: 'Wärst Du doch im Mittelmeer ertrunken'", erzählt er. Trotz der Verletzung versucht Firas gelegentlich mit Humor zu kontern: "Auf so etwas antworte ich manchmal, dass ich gar nicht übers Mittelmeer, sondern mit dem Flugzeug nach Deutschland gekommen bin." Ansonsten löscht er die Kommentare direkt.

Immer Anzeige erstatten

Das empfiehlt auch die Journalistin Gilda Sahebi, die sich bei der Kampagne "No Hatespeech Movement“ engagiert: "Wenn Hate Speech im Internet stehen bleibt, bekommen viele Menschen die Bestätigung: 'Das steht da – ich kann das auch schreiben!'" Das sei fatal, denn: "Hass zieht immer mehr Hass an." Deshalb fordert Sahebi, dass Hasskommentare im Netz strafrechtlich genauso wie physische Gewalt verfolgt werden sollten. Damit es so weit kommt, müssten Straftaten erst einmal bei der Justiz ankommen: "Deshalb sollte jeder Hasskommentar angezeigt werden. Sonst bekommen die Hater das Gefühl, de facto im rechtsfreien Raum zu agieren", gibt Sahebi zu bedenken. Die Betroffenen sollten sich stets klarmachen: "Die Hater sind nicht die Mehrheit."

"Wie stoppen wir den Hass?" - darüber hat kürzlich auch die Münchner Runde im BR Fernsehen und auf BR24 u.a. mit Kabarettist Hannes Ringlstetter diskutiert. Und am Mittwoch, 04.03., um 20:15 Uhr haben die Bürger in "jetzt red i" im BR Fernsehen und auf BR24 das Wort zum Thema: Was tun gegen den Hass im Netz?

Angriff auf die Demokratie

Das bestätigt auch die Studie "Hass im Netz: Der schleichende Angriff auf die Demokratie", die von der NGO "Campact" in Auftrag gegeben und vom "Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft" in Jena ausgewertet wurde. Das zentrale Ergebnis der Studie: Die Hasskommentare beeinträchtigen die Meinungsvielfalt. Denn wer in den sozialen Medien Angst vor Hass und Hetze hat, postet seltener seine eigene Meinung. Über die Hälfte der Internetuser gibt an, sich wegen drohender Hasskommentare in Diskussionen im Netz nicht einbringen zu wollen. Das führt dazu, dass die Hater die Meinungshoheit gewinnen, obwohl sie die Mehrheit der Gesellschaft gar nicht abbilden. Somit entstehe eine verzerrte Wahrnehmung der Wirklichkeit, folgern die Autoren der Studie.

Jugendliche besonders stark betroffen

Die meisten Verfasser der Kommentare seien dem politisch rechten Spektrum zuzuordnen. Frauen und Migranten würden sich besonders zurückhalten, so die Studie. Vor allem die 18- bis 24-Jährigen sind von Hate Speech betroffen. Insgesamt trifft das auf jeden zwölften erwachsenen Internetuser zu.

Für Gilda, Firas und Lukas steht eines fest: Hass ist immer eine Form und Gewalt und kann eine schwere Belastung sein.

Hintergrundinformation: Der YouTuber Firas Alshater hat für seinen Channel "Zukar" mit Lukas Pohland (Cybermobbing-Hilfe) und Gilda Sahebi (No Hatespeech Movement) über das Thema "Hass im Netz" diskutiert. Angestoßen und produziert hat das Projekt die Münchner Runde des Bayerischen Rundfunks.