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Hass im Netz gegenüber Politikerinnen immer extremer | BR24

© Helmut Fohringer/dpa/APA

Laut einer Umfrage von report München nimmt der Hass im Netz vor allem gegenüber Politikerinnen immer extremere Formen an.

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    Hass im Netz gegenüber Politikerinnen immer extremer

    Der Hass im Netz nimmt vor allem gegenüber Politikerinnen stark zu. Zu diesem Ergebnis kommt eine exklusive Umfrage des ARD-Politmagazins report München unter allen weiblichen Bundestagsabgeordneten.

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    Katharina Schulze hat die bayerische Politik umgekrempelt. Seit Herbst 2018 gehören 38 Sitze im Landtag den Grünen – für Bayern ein Novum und als Spitzenkandidatin vor allem ihr Verdienst. Doch der Erfolg hat auch Schattenseiten. Schulze wird vor allem im Netz immer wieder massiv angefeindet.

    "Natürlich ist das nicht schön und es tut weh, wenn man in der Früh aufwacht, aufs Handy guckt und da steht, wie dumm und wie hässlich man sei und wie man vergewaltigt gehört", sagt Grünen-Politikerin Schulze. "Das macht natürlich was mit einem."

    Viele Politikerinnen haben mit Hatespeech zu kämpfen

    Zum Teil suchen sich die Hater, wie eine neue Studie zeigt, Opfer, die sie zum Beispiel im Wahlkampf gezielt mundtot machen wollen. Im Landtagswahlkampf 2018 traf das Katharina Schulze als Spitzenkandidatin ihrer Partei. International mobilisierten rechte Aktivisten im Netz gegen sie, riefen dazu auf, "Schmutz zu finden" und diesen massenhaft zu verbreiten.

    Doch Katharina Schulze ist bei Weitem nicht die einzige Politikerin, die mit Hatespeech zu kämpfen hat und immer wieder mit solchen Bedrohungen konfrontiert wird. Nach Recherchen des ARD-Politmagazins report München nimmt der Hass im Netz vor allem gegenüber Politikerinnen extreme Formen an.

    87 Prozent wurden bereits Opfer von Hass

    Eine exklusive Umfrage von report München unter allen weiblichen Bundestagsabgeordneten kommt zu schockierenden Ergebnissen: 87 Prozent wurden bereits Opfer von Hass und Bedrohung im Netz, einige gaben an, nahezu täglich damit konfrontiert zu sein.

    Für die Umfrage hatte report München alle 221 weiblichen Bundestagsabgeordneten angeschrieben, 77 haben geantwortet. Sie bilden einen Querschnitt der Parteien ab.

    In 57 Prozent der Fälle sind es sexistische Anfeindungen. Ein besonders krasses Beispiel schildert die Bundestagsabgeordnete Anke Domscheit-Berg: "Manche sind da sehr unterirdisch, da wird mir gewünscht, ein Neger möchte mich totficken, ich werde Fischfotze genannt, man sagt mir, wie hässlich ich bin und, dass mich noch nicht mal Muslime vergewaltigen würden. Man sieht, dass es hier sehr oft eine Überschneidung gibt zwischen sexistischen und rassistischen Bemerkungen." Anke Domscheit-Berg ist parteilose Abgeordnete in der Linksfraktion des Bundestages.

    Anzeigen sehr oft eingestellt

    38 Prozent der Befragten stellten Anzeige - bei zwei Dritteln der Klägerinnen wurden die Verfahren jedoch eingestellt, andere Verfahren liegen seit Jahren auf Eis. Für Maria Wersig, Präsidentin des Juristinnenbundes heißt das, dass Plattformen wie Facebook, die den Raum für solche Beleidigungen eröffnen, noch mehr in die Pflicht genommen werden müssen.

    "Es gibt Beleidigungen, die auch eine strafrechtliche Komponente haben und man kann sich auch auf zivilrechtlichem Wege wehren, man hat rechtliche Ansprüche gegen die Täter. Auf beiden Ebenen gibt es aber viel Bedarf an rechtlicher Verbesserung", so Wersig. "Das Thema wird vielleicht auch noch nicht so richtig ernst genommen in der Strafverfolgung."

    Politikerinnen denken teilweise ans Aufhören

    Elf Prozent der befragten weiblichen Abgeordneten gaben an, die Beleidigungen und Bedrohungen ließen sie an ihrem Beruf als Politikerin zweifeln. Katharina Schulze will sich jedoch nicht unterkriegen lassen. Sie will weitermachen – dem Hass zum Trotz.