Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Hardware-Nachrüstung für Diesel-PKW: Der nächste "Gipfel" | BR24

Audio nicht mehr verfügbar

Dieses Audio konnte leider nicht geladen werden, da es nicht mehr verfügbar ist.

Weitere Information zur Verweildauer

© BR24

Wie geht es weiter in Sachen Hardwarenachrüstung von älteren Diesel-PKW? Über diese Frage will Bundesverkehrsminister Scheuer heute erneut in einem Spitzengespräch beraten. Geladen: Konzernchefs und der Präsident des Automobilindustrieverbandes VDA.

4
Per Mail sharen
Teilen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Hardware-Nachrüstung für Diesel-PKW: Der nächste "Gipfel"

Wie geht es weiter in Sachen Hardwarenachrüstung von älteren Diesel-PKW? Über diese Frage will Bundesverkehrsminister Scheuer heute erneut in einem Spitzengespräch beraten. Geladen: Konzernchefs und der Präsident des Automobilindustrieverbandes VDA.

4
Per Mail sharen
Teilen

Bloß keine hohen Erwartungen wecken – im Vorfeld des heutigen Treffens versuchen das Bundesverkehrsministerium und die Branche, die Bedeutung des Gesprächs herunterzuspielen. Es gehe um einen internen Gedankenaustausch rund um den Themenkomplex Hardwarenachrüstung für ältere Diesel-Fahrzeuge, betonte eine Sprecherin vor wenigen Tagen. Da war gerade durchgesickert, dass sich Andreas Scheuer mit Vorständen von BMW, Daimler und Volkswagen verabredet hatte. Auch der Präsident des Automobilindustrieverbandes VDA, Bernhard Mattes, wird dabei sein.

Scheuer: Erwarte, dass Konzerne mitmachen

Im Vorfeld dieses Treffens appellierte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer an die Branche: "Ich erwarte von den Automobilherstellern, dass sie mitmachen – und zwar zügig", so der CSU-Politiker im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Scheuer hat diesen Appell ausdrücklich nicht nur an BMW, Daimler und Volkswagen gerichtet, sondern explizit auch an die ausländischen Automobilkonzerne. Es geht nicht zuletzt auch um die Frage, wer für die Kosten einer möglichen Hardware-Nachrüstung aufkommt.

Bislang haben sich lediglich VW und Daimler dazu bereiterklärt, unter Umständen 80 Prozent der Summe von geschätzt 3.000 Euro pro Euro 5-Diesel zu übernehmen. BMW-Chef Harald Krüger lehnt eine Beteiligung seines Unternehmens an Nachrüstkosten nach wie vor kategorisch ab. Noch gestern sagte er in München, andere Länder setzten konsequent auf eine Erneuerung der Flotten oder fördern E-Mobilität. Das sei deutlich effizienter und schneller wirksam als eine Umrüstung von Hardware, so Krüger.

Automobilindustrie dämpft die Erwartungen

Bundesverkehrsminister Scheuer hält dagegen. Er will die Hersteller stärker in die Pflicht nehmen: „Es gibt noch Nachverhandlungspotential. Die Hersteller müssen klarmachen, wie sie diese Krise mit uns zusammen und mit den Diesel-Besitzern in die richtige Richtung lenken“, betont der Minister. Großes Entgegenkommen der Branche kann Andreas Scheuer aber wohl nicht erwarten. Ein hochrangiger Konzernvertreter, der namentlich nicht genannt werden will, sagte dem BR, er erwarte bei dem heutigen Treffen keine großartigen Veränderungen beim Thema Hardwarenachrüstung, da sich die Entscheidungsgrundlagen nicht verändert hätten. So könne die Bundesregierung die Unternehmen lediglich bitten, rechtlich zwingen könne sie sie zu nichts. Deswegen erwartet der Insider auch keinerlei Bewegung bei den ausländischen Automobilherstellern.

Unmut bei Nachrüstern steigt

Bei den Herstellern von Diesel-Nachrüstsätzen wird angesichts dieser Lage der Unmut größer. Sie ärgern sich zudem über eine im Bundesverkehrsministerium erarbeitete Richtlinie, in der es um die Nachrüstung von Handwerker- und Lieferfahrzeugen geht. Die Große Koalition hatte sich in ihrem am 2. Oktober vorgestellten Diesel-Konzept darauf geeinigt, in Städten mit einer besonders hohen Schadstoffbelastung die Kosten für eine Hardwarenachrüstung von "gewerblichen genutzten Fahrzeugen von 2,8 bis 7,5 Tonnen" zu 80 Prozent finanziell zu fördern.

Der Entwurf der vor diesem Hintergrund erarbeiteten Richtlinie, der BR Recherche vorliegt, legt unter anderem fest, dass die Hersteller der Nachrüst-Systeme „für jede Schadstoffklasse mindestens ein im Feld befindliches nachgerüstetes Fahrzeug jährlich ab dem Zeitpunkt der Genehmigungserteilung über einen Zeitraum von fünf Jahren im Betrieb durch einen Technischen Dienst vermessen“ müssen. Die Kosten liegen nach Expertenmeinung bei insgesamt bis zu 150.000 Euro. Zudem soll laut Richtlinie die Abgasnachbehandlungen bei Temperaturen bis -7 Grad funktionieren. Das sind nach Einschätzung der Nachrüster Kriterien, die selbst die Autoindustrie bei Neuwagen nicht erfüllen müsse.

"Nachrüstung wirtschaftlich nicht darstellbar"

"Wenn diese Richtlinie so durchkommt, werden wir kein Nachrüstsystem anbieten. Darin sind Forderungen enthalten, die nicht erfüllbar sind. Die Bundesregierung versucht gerade, mit technischen Forderungen die Hardwarenachrüstung kaputtzumachen", sagt Henning Middelmann, Geschäftsführer der Twintec Baumot Group in Königswinter. "Eine Nachrüstung von leichten Nutzfahrzeugen auf Grundlage dieses Entwurfes macht alleine aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten überhaupt keinen Sinn", findet auch Martin Pley von der Dr. Pley SCR Technology GmbH in Bamberg.

In der kommenden Woche soll es um die Richtlinie für eventuelle Hardwarenachrüstungen für Diesel-PKW gehen. Unter Federführung des TÜV Nord in Essen sollen erste Gespräche dazu stattfinden. Die Dr. Pley GmbH hat vor wenigen Wochen beim Kraftfahrtbundesamt eine Allgemeine Betriebserlaubnis für ein NOx-Minderungssystem beantragt, das beim Volvo XC 60 Diesel zum Einsatz kommen könnte. Diesen Antrag bearbeitet die Flensburger Behörde momentan.

Sendung

B5 Hintergrund

Autor
  • Arne Meyer-Fünffinger
Schlagwörter