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Naftali Bennett, Vorsitzender der ultrarechten Jamina-Partei, vielleicht bald der zweitjüngste Premierminister in der israelischen Geschichte.

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    Hardliner am Ziel? Bennett will Israels Premier werden

    Derzeit klingt er versöhnlich, aber bisher fiel Naftali Bennett vor allem als Hardliner auf. Nun könnte er Israels Premier werden - und damit seinen Ex-Chef Benjamin Netanjahu verdrängen. Porträt eines Mannes, der kurz vor seinem großen Ziel steht.

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    Von
    • Tim Aßmann

    Der Mann im dunklen Anzug wirkte ruhig, souverän, staatsmännisch. Naftali Bennett schaute vor gut einer Woche in die Kamera und versicherte den Israelis: Ich bin bereit, Verantwortung zu übernehmen. Er werde all seine Kraft dafür einsetzen, gemeinsam mit seinem Freund Jair Lapid eine Einheitsregierung zu bilden, betonte Bennett. "Damit wir den Staat gemeinsam aus dieser Endlosschleife befreien und Israel wieder auf den richtigen Weg bringen können."

    Als Versöhner, das Wohl des Landes fest im Blick, so präsentiert sich Bennett zur Zeit. Der Vorsitzende der nationalreligiösen Jamina-Partei, die bei den Wahlen im März nur sechs Prozent der Stimmen holte, vermeidet momentan radikale Töne. Bennet kam in Haifa als Sohn jüdischer Einwanderer aus den USA zur Welt. Nach einem Jurastudium baute er ein IT-Startup auf, ging in die USA, verkaufte das Unternehmen äußerst profitabel und hätte sich zur Ruhe setzen können.

    Erst Netanjahu-Mitarbeiter, dann eigene Partei

    Stattdessen entschied sich Bennett für die Politik und die Likud-Partei von Benjamin Netanjahu. Er war dessen Stabschef während Netanjahus Zeit als Oppositionsführer. Dann trennten sich die Wege. Bennett arbeitete für eine Regionalverwaltung jüdischer Siedler im Westjordanland und gründete die Partei Jüdisches Heim, mit der er 2013 ins Parlament einzog.

    Der tief religiöse Bennett legte sich das Image eines rechten Hardliners zu. Er selbst lebt mit Frau und mittlerweile vier Kindern nahe Tel Aviv und nicht in einer Siedlung im Westjordanland, das er nur Judäa und Samaria nennt. Politisch wurde er gleichwohl zum Interessenvertreter der Siedler. Bennett ist gegen einen palästinensischen Staat und für eine Annexion weiter Teile der besetzten Gebiete. 2014 sagte er, ein Volk könne in seinem Land kein Besatzer sein. "Ein Volk ist kein Besatzer eines Landes, dessen Stätten in den Geschichten der Bibel genannt werden", erklärte Bennett.

    Gegen einen palästinensischen Staat, für Annexionen

    In derselben Rede im Jahr 2014 lehnte Bennett Friedensverhandlungen mit den Palästinensern kategorisch ab. "Verhandlungen haben nur zu Terror geführt. Das vergangene Jahr war das Ruhigste seit dem Jom-Kippur-Krieg, denn es gab keine politischen Gespräche. Und obwohl es diesen Prozess nicht gab, wurde kein einziges Opfer des Terrors in Jerusalem und in Judäa und Samaria verzeichnet."

    "Ich bedaure, nicht mehr getötet zu haben"

    Während seiner Armeezeit diente Bennett in einer angesehenen Eliteeinheit. Als ihm vorgeworfen wurde, er habe sich damit gebrüstet, viele Araber getötet zu haben, entgegnete Bennett in einer Rede im Parlament 2015: "Das habe ich nie gesagt. Ich sagte, dass ich im Rahmen meines Wehrdienstes viele Terroristen getötet habe, dass dies eine gute Sache war und dass ich bedauere, nicht mehr getötet zu haben. Denn jeder, der die Hand gegen den Staat Israel erhebt, muss sterben."

    Kein Zögern vor Militäroperation "wenn es notwendig ist"

    Bennett war mehrmals Minister in Netanjahu-Regierungen, aber die beiden Männer entfernten sich zunehmend voneinander, obwohl sie ideologisch viel verbindet. Naftali Bennett betont immer wieder, dass er politisch weiter zum rechten Lager gehört. "Wir sind von unseren Werten nicht abgekommen", so Bennett. "Freunde, das wird keine Regierung, die Siedlungen räumt oder Gebiete hergibt. Diese Regierung wird auch nicht zögern in eine Militäroperation zu ziehen, wenn es notwendig ist."

    Wenn Bennett und seine Koalitionspartner den Machtwechsel schaffen, hätte er erreicht, was er schon lange will: Er wäre Premierminister - mit 49 Jahren der zweitjüngste in der israelischen Geschichte.

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