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Hackerangriff: Die Betroffenen und die Reaktionen | BR24

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Hacker haben sensible Daten von Promis aus Politik, Wirtschaft und Medien abgegriffen und auf Twitter veröffentlicht. Das Ganze war im Dezember als Adventskalender angelegt: Jeden Tag ein neuer Datensatz. Wer dahinter steckt, ist noch unklar.

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Hackerangriff: Die Betroffenen und die Reaktionen

Nach Anrufen von Fremden bei Martin Schulz war klar: Berlin, wir haben ein Problem. Handynummern, Chat-Verläufe und Kreditkartendaten vieler Politiker sind auf Twitter gelandet. Bundesinnenminister Seehofer erklärte, es werde mit Hochdruck ermittelt.

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Ein großangelegter Datenklau hat Politiker in ganz Deutschland aufgeschreckt: Über ein Twitter-Konto veröffentlichte ein bisher Unbekannter persönliche Daten von Hunderten Personen des öffentlichen Lebens im Internet, darunter von Künstlern und Moderatoren.

Auch die Bundeskanzlerin ist betroffen

Auch die Bundeskanzlerin ist betroffen. Aus dem Kanzleramt selbst seien keine sensiblen Daten abgeflossen, erklärte die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz. Manche Informationen wurden wohl schon 2017 ins Netz gestellt, die meisten dann im Dezember 2018. Doch erst Donnerstagabend wurde ein größerer Kreis darauf aufmerksam: Das Kanzleramt erfuhr - wie auch die Bundestagsverwaltung - erst in der Nacht zum Freitag davon.

"Die Bundesregierung nimmt diesen Vorfall sehr ernst. Das Cyber-Abwehrzentrum hat sich heute bereits mit dem Vorgang befasst", sagte Regierungssprecherin Fietz. Bei den Politikern seien "alle Ebenen" betroffen: Abgeordnete aus dem Bundestag, dem Europaparlament und den Landtagen bis hin zu Kommunalpolitikern. Sie warnte, es könnten gefälschte Daten in das Material eingeschleust worden sein.

Seehofer: Es wird mit Hochdruck ermittelt

Das Bundeskriminalamt, der Verfassungsschutz und zahlreiche andere Behörden sind mit dem Fall beschäftigt, darunter auch Landesbehörden. Die Koordinierung liegt beim Nationalen Cyber-Abwehrzentrum. Auch der Generalbundesanwalt schaltete sich in die Prüfung ein.

Bundesinnenminister Horst Seehofer erklärte, es werde "mit Hochdruck daran gearbeitet, den Urheber der Veröffentlichung ausfindig zu machen". Nach einer ersten Analyse deute vieles darauf hin, dass Daten durch die missbräuchliche Nutzung von Zugangsdaten zu Clouddiensten, E-Mail-Accounts oder sozialen Netzwerken erlangt worden seien. Die Sicherheitsbehörden wollen laut Seehofer auf die Betroffenen zugehen, um sie zu informieren und über mögliche Schutzmaßnahmen zu beraten.

Justizministerin Katarina Barley (SPD) wertete die Attacke als "schwerwiegenden Angriff auf die Demokratie". Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) warnte im Interview mit dem Saarländischen Rundfunk davor, den Angriff zu unterschätzen: "Es geht nicht nur um die betroffenen Kolleginnen und Kollegen, sondern es geht um die Funktionsfähigkeit von Politik und die Vertraulichkeit politischer Vereinbarungen."

Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, nannte die Veröffentlichung der Daten einen "Anschlag auf die Demokratie". "Besonders verwerflich" finde er, dass auch Familienangehörige und Kinder betroffen seien, etwa über die Veröffentlichung von Chatverläufen. "Das geht überhaupt nicht."

Politiker aller Ebenen und Prominente

Zu den Opfern des Datenklaus gehören neben der Bundeskanzlerin auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, Alexander Dobrindt, Malu Dreyer, Daniel Günther, Stephan Weil, Ralf Stegner und Katharina Schulze. Auch prominente außerhalb der Politik sind betroffen: Til Schweiger und Jan Böhmermann etwa.

Mit Abstand die meisten Einträge gab es auf der CDU/CSU-Liste, auf der 410 Namen genannt wurden. Auf der SPD-Liste stehen 230 Politiker, bei den Grünen, den Linken und der FDP je einige Dutzend. Die AfD-Fraktion ist die einzige im Bundestag, zu der keine eigene Liste veröffentlicht wurde.

Telefonnummern, Kontodaten, private Chats

Unter den via Twitter veröffentlichten Daten finden sich in den meisten Fällen Telefonnummern, von denen manche jedoch öffentlich zugänglich oder veraltet sind. Häufig wurden Kopien von Personalausweisen und Mietverträgen veröffentlicht. In etwa einer Handvoll Fälle wurden private Chats und Sprachnachrichten veröffentlicht, etwa genauso oft Kontodaten.

Anrufe von Fremden bei Martin Schulz bringen die Sache ans Licht

Die Attacke wurde durch Anrufe von Unbekannten beim SPD-Politiker Martin Schulz bekannt, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet. Den Angaben zufolge hatte ein Mitarbeiter des ehemaligen SPD-Spitzenkandidaten am Donnerstag der Polizei in Aachen mitgeteilt, Schulz sei von Fremden auf einer nicht öffentlich zugänglichen Nummer angerufen worden. Daraufhin sei das Landeskriminalamt von Nordrhein-Westfalen aktiv geworden.

Strafanzeige gestellt

Grünen-Chef Robert Habeck sowie der Grünen-Bundestagsabgeordnete Konstantin von Notz haben wegen der Veröffentlichung von Daten Strafanzeige gegen Unbekannt gestellt. Habeck gilt neben dem ZDF-Moderator Jan Böhmermann als ein Hauptbetroffener des Angriffs. Auch die Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen-Fraktion, Britta Haßelmann, sagte, sie habe Strafanzeige erstattet. Die FDP leitete nach Angaben eines Fraktionssprechers ebenfalls juristische Schritte ein.

Am Freitag wurde der Twitter-Account gesperrt. Twitter verwies darauf, dass die unerlaubte Veröffentlichung privater Informationen gegen die Regeln des Dienstes verstößt.