Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt
Zurück zur Startseite
Deutschland & Welt

Grüne im ARD-Deutschlandtrend erstmals vor CDU/CSU | BR24

© BR24

Sonntagsfrage des ARD-DeutschlandTrends

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Grüne im ARD-Deutschlandtrend erstmals vor CDU/CSU

Das deutsche Parteiensystem ist im Umbruch. Die SPD bewegt sich in Richtung 10 Prozent, und die Union fällt hinter die Grünen zurück. Für eine Parteivorsitzende sind die neuesten Umfragezahlen von Infratest dimap eine schallende Ohrfeige.

Per Mail sharen

Als sich 2011 die Atom-Katastrophe in Fukushima ereignete, waren die Grünen schon einmal auf dem Weg, stärkste Kraft zu werden. Damals verteidigte die schwächelnde Union ihre Führung noch knapp – und der Höhenflug der Grünen verpuffte bald wieder. Doch diesmal haben es die Grünen im ARD-Deutschlandtrend tatsächlich auf den Platz an der Sonne geschafft.

26 Prozent würden Grüne wählen

In der Sonntagsfrage von Infratest dimap kommen sie auf 26 Prozent. Das sind sechs Prozentpunkte mehr als vor einem Monat. Die Union verliert dagegen drei Punkte und kommt nur noch auf 25 Prozent.

Doppelt so stark sind die Verluste der SPD, die nur noch auf 12 Prozent (-6) kommt. Stärker als die Sozialdemokraten ist die AfD mit 13 Prozent (+1). Die FDP verharrt bei acht Prozent, die Linke kommt auf sieben (-2).

Habeck und Baerbock beliebter – aber weiter wenig bekannt

Die Stärke der Grünen hat offensichtlich auch mit deren Parteichefs zu tun – aber doch nur am Rande. Zwar sind mit Robert Habeck 36 Prozent der Deutschen zufrieden (+6) und mit Annalena Baerbock 26 Prozent (+8), aber rund die Hälfte der Deutschen kennt die Grünen-Vorsitzenden gar nicht, traut sich über deren Arbeit kein Urteil zu.

Entscheidend für den Höhenflug der Grünen dürfte deshalb eine andere Frage sein, die Infratest dimap gestellt hat: "Welche Partei hat die besten Antworten auf die Fragen der Zukunft?" 27 Prozent sagen, das seien die Grünen. Zum Vergleich: Die SPD erreicht bei dieser Frage nur zwei Prozent, die Union immerhin zwölf.

Unzufriedenheit mit Kramp-Karrenbauer wächst

Auch das dürfte für CDU und CSU aber ein Alarmsignal sein. Dazu kommt, dass die Zufriedenheit der Wahlberechtigten mit der CDU-Vorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer zweistellig geschrumpft ist. Nur noch 24 Prozent (-12) der Deutschen sind zufrieden oder sehr zufrieden mit ihrer Arbeit.

Die Kanzlerschaft traut Kramp-Karrenbauer nur eine Minderheit zu. Nur 13 Prozent der Wahlberechtigten (und auch nur 27 Prozent der Unionswähler) finden, die CDU-Chefin wäre eine gute Bundeskanzlerin.

Merkel bleibt am beliebtesten

Die Amtsinhaberin Angela Merkel dagegen erfreut sich weiter verhältnismäßig großer Beliebtheit. Zwei Drittel der Wahlberechtigten (67 Prozent) sagen, Merkel sorge dafür, es Deutschland in einer unruhigen Welt gut gehe, und etwas mehr als die Hälfte (53 Prozent) zeigt sich mit Merkel Arbeit zufrieden oder sehr zufrieden. Dieser Wert war schon mal deutlich besser. Andererseits ist Merkel auch damit noch die beliebteste Politikerin im ARD-Deutschlandtrend.

Das ist umso bemerkenswerter, als die Unzufriedenheit der Deutschen mit Merkels Bundesregierung noch einmal gewachsen ist: Fast drei Viertel der Wahlberechtigten (72 Prozent) sind weniger oder gar nicht zufrieden.

Mehrheit findet Nahles-Rücktritt richtig

Die Unzufriedenheit mit der Regierung ist auch einer der Gründe für die Verluste der SPD. Würde am Sonntag ein neuer Bundestag gewählt, liefe sie Gefahr, nur noch viertstärkste Kraft zu werden. Daran ändert auch der Rücktritt von Andrea Nahles als Partei- und Fraktionschefin nichts, den zwei Drittel (65 Prozent) der Wahlberechtigten richtig finden.

Das Personalproblem der SPD ist nämlich weitaus größer. Vier von fünf Deutschen (82 Prozent) sind der Meinung, der SPD mangele es an gutem Führungspersonal. Dazu kommt, dass sich ein seit langem bestehendes Kernproblem der SPD verschärft hat: 72 Prozent der Wahlberechtigten (+10 im Vergleich zur Umfrage vor der Europawahl) sagen, sie wüssten nicht, wofür die SPD inhaltlich steht.

Deutsche wollen die Grundrente – grundsätzlich

Mit der Idee, eine Grundrente nach mindestens 35 Beitragsjahren einzuführen, scheint die SPD aber taktisch richtig zu liegen. Vier von fünf Wahlberechtigten (82 Prozent) finden, diese Pläne gingen in die richtige Richtung.

Knackpunkt ist allerdings die Frage, ob es die Grundrente, wie von der SPD verlangt, ohne eine Bedürftigkeitsprüfung geben soll. Von denjenigen, die die Grundrente prinzipiell für eine gute Idee halten, ist knapp die Hälfte (47 Prozent) wie CDU und CSU für eine Bedürftigkeitsprüfung, die andere Hälfte ist wie die SPD dagegen.

© BR

BR-Reporter Daniel Pokraka