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Grüne Doppelspitze: Harmonie mit Habeck und Baerbock | BR24

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Die Grünen halten in diesen Tagen wieder ihren Parteitag ab. Dabei geht es auch um den Parteivorsitz. Die Wiederwahl der derzeitigen Amtsinhaber Baerbock und Habeck gilt aber als sicher. Angela Tesch mit einem Portrait über die grüne Doppelspitze.

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Grüne Doppelspitze: Harmonie mit Habeck und Baerbock

Sie sind sich mit wenigen Worten einig: Annalena Baerbock und Robert Habeck sind eine Zufallskombination und gelten doch als Erfolgsteam. Nun sind die Grünen-Chefs auf dem Bundesparteitag in Bielefeld mit Spitzenergebnissen wiedergewählt worden.

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Es sind viele Treppen zu steigen bis ins gemeinsame Büro von Annalena Baerbock und Robert Habeck in der Bundeszentrale der Grünen, hinter dem neuen Hochhaus der Berliner Charité. Habeck steht in einem weißlackierten Türrahmen, der früher die zwei Büros der - bei den Grünen üblichen - Doppelspitze trennte und betreibt zunächst ein bisschen Ahnen-Pflege: "Diese wunderschöne Lampe mit den vielen Glasfarben hing hier schon. Und die Legende sagt, die hängt hier, seit Claudia Roth in dem Büro gesessen hat, die war ja auch mal Bundesvorsitzende."

Der Grüne grinst. Die Claudia-Roth-Gedächtnis-Lampe ist ein Erinnerungsstück aus einer anderen Zeit. Mit einem anderen Führungsstil. Baerbock und Habeck seien sich ohne viele Worte einig geworden, die Partei gemeinsam zu führen, nicht schlecht über den anderen zu reden und das Büro gemeinsam zu nutzen.

"Die Wände mussten nicht eingerissen werden, aber die Tür haben wir ausgehängt, die zwischen den beiden Vorsitzenden-Büros war, und den einen Schreibtisch haben wir ins andere Büro rübergeschoben, also ganz bildlich, so war es. Und jetzt stehen die da nebeneinander und wenn wir mal das Glück haben, hier gemeinsam zu arbeiten, dann ist es wie in einer WG." Robert Habeck, Bundesparteivorsitzender Bündnis 90/Die Grünen

Von einer Zufallskombination hin zum Erfolgsteam

Der regelmäßige Austausch scheint zu funktionieren, kaum eine Parteispitze wirkt so harmonisch, wie die der Grünen. Dabei sind Baerbock und Habeck eher zufällig ein Team geworden. Beim Parteitag im Januar 2018 hat die heute 38-jährige Annalena Baerbock nicht nur ihre Gegenkandidatin aus dem Feld geschlagen.

Die Bundestagsabgeordnete aus Brandenburg, die zu dem Zeitpunkt kaum jemand außerhalb der Partei kennt, macht da auch klar: "Wir wählen hier nicht nur die Frau an Roberts Seite, sondern wir wählen heute die neue Bundesvorsitzende von Bündnis90/Die Grünen."

Robert Habeck ist zu der Zeit Umweltminister in Schleswig-Holstein, wo er eine erfolgreiche Jamaika-Koalition mitverhandelt hat. Von den Grünen wird er fast wie ein Heilsbringer gefeiert. Er will gern der Mann an Annalenas Seite sein, sagt Habeck und daran scheint sich bis heute nichts geändert zu haben. Sie würden ähnlich ticken, sagt Baerbock gern. Habeck bewundert an ihr vor allem: "Ihren Mut, mit großer Konsequenz vorgetragen. Das hat unsere Zusammenarbeit vom ersten Tag an ausgezeichnet."

Inhalte statt K-Fragen

Das Duo aus 2 Realos - auch das ungewöhnlich beim grünen Hang zum Flügelproporz - übernimmt nach gescheiterten Koalitionsverhandlungen mit Union, SPD und FDP die Parteispitze. Merkels Flüchtlingspolitik hat das Land gespalten, die neue, alte GroKo kommt schleppend in Gang.

Baerbock und Habeck wollen die Grünen inhaltlich neu ausrichten, zu einer offenen und offensiven Bewegungspartei machen. Es spielt ihnen in die Karten, dass sich die Deutschen plötzlich wieder Sorgen machen um die Umwelt und das Klima. Mit ihrem Kernthema erreichen sie in Umfragen stabile Werte über 20 Prozent und lassen gelegentlich sogar die CDU hinter sich.

"Wir sind soweit gekommen, weil wir uns diese Machtfragen möglichst von der Backe gehalten haben. Wir haben nicht über Personen, wir haben nicht über Koalitionen geredet. Wir haben versucht, uns auf die Wirklichkeit zu konzentrieren. Von Flüchtlingsfragen über Klima- oder Artenschutz oder jetzt zu den großen Themen Wirtschaft oder Wohnen." Robert Habeck, Bundesparteivorsitzender Bündnis 90/Die Grünen

Positiver Ausblick auf die Zukunft

Neues Denken von Gemeinnützigkeit beim Wohnen, eine Marktwirtschaft, die neue Regeln braucht - verbunden mit den Herausforderungen des Klimaschutzes: Das Duo Baerbock/Habeck will beim Parteitag in Bielefeld keine grüne Kuscheligkeit aufkommen lassen. Habeck rechnet nicht mit vorzeitigen Neuwahlen im Bund, für 2021 wollen die Grünen vorbereitet sein: "Selbstverständlich wollen wir regieren. Wir haben es schon viel zu lange nicht getan und jetzt muss es gelingen."

Und Annalena Baerbock, deren rote Stiefeletten unterm Schreibtisch stehen, also ob sie gleich wiederkommt? Die Schnellsprecherin und leidenschaftliche Politik-Erklärerin lehnt sich entspannt zurück mit Blick auf die nächsten zwei Jahre. Die Grünen regieren in neun Bundesländern mit, auch in Brandenburg und Sachsen zeichnet sich der Gang in die Regierung ab: "Ja, deswegen gehe ich mit einer durchaus positiven Bilanz in diese Zweit-Runde unserer Amtszeit. Gerne auch gemeinsam mit Robert Habeck."

Die Grünen haben inzwischen 94.000 Mitglieder. Das sind fast doppelt so viele wie in der Zeit, als Claudia Roth noch unterm Leuchter saß.

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Annalena Baerbock und Robert Habeck bleiben zwei weitere Jahren Parteivorsitzende der Grünen. Mit 97,1 Prozent der Delegiertenstimmen auf dem Bundesparteitag in Bielefeld erzielte Baerbock ein Rekord-Ergebnis. Habeck kam auf 90,4 Prozent.