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Großbritannien wählt: Wie funktioniert das Mehrheitswahlrecht? | BR24

© BR/Imke Köhler

Im Gegensatz zum deutschen Verhältniswahlrecht, gilt in Großbritannien das Mehrheitswahlrecht. Richtig spannend wird die Wahl zum britischen Unterhaus aber durch den Brexit. Nicht nur die Parteien, auch die Wähler gehen taktischer vor als sonst.

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Großbritannien wählt: Wie funktioniert das Mehrheitswahlrecht?

Im Gegensatz zum deutschen Verhältniswahlrecht, gilt in Großbritannien das Mehrheitswahlrecht. Richtig spannend wird die Wahl zum britischen Unterhaus aber durch den Brexit. Nicht nur die Parteien, auch die Wähler gehen taktischer vor als sonst.

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Im Vereinigten Königreich laufen die Wahlen nach dem Prinzip ab: "The winner takes it all" – allerdings haben die Briten für dieses Prinzip eine Umschreibung aus dem Pferderennsport gewählt und nennen es "First past the post".

Dieses Prinzip bedeutet, dass in den 650 Wahlkreisen jeweils der Kandidat mit den meisten Stimmen gewinnt und alle anderen Stimmen verloren gehen. Anders als im deutschen Verhältniswahlrecht gibt es keine Zweitstimme, die es Kandidaten erlauben würde, noch über die Liste ins Parlament zu kommen. Das britische Mehrheitswahlrecht begünstigt damit die beiden großen Parteien: die Conservative Party und Labour.

Brexit-Thema bringt Kräfteverhältnisse durcheinander

Was diese Wahl besonders macht, ist, dass die Parteien und wohl auch die Wähler wegen der umstrittenen Brexit-Thematik stark taktieren. So hatten zu Beginn des Wahlkampfs drei kleinere EU-freundliche Parteien verabredet, in 60 Wahlkreisen nicht gegeneinander anzutreten. Nur der jeweils aussichtsreichste Kandidat von ihnen sollte versuchen, die Stimmen der EU-Befürworter auf sich zu vereinigen. Gleichzeitig hat die Brexit-Partei ihre Kandidaten in jenen Wahlkreisen zurückgezogen, die bisher von den konservativen Tories gehalten wurden – auch hier mit dem Ziel, die Stimmen der Brexit-Anhänger nicht aufzuteilen, sondern den Konservativen möglichst den Sieg zu sichern.

Brexit macht Wähler taktischer

Zudem dürften viele Wähler taktisch vorgehen – und dabei möglicherweise einer anderen Partei als sonst die Stimme geben – je nach dem, wer die eigene Haltung zum Brexit vertritt und die besten Siegchancen hat. Die britische Parlamentswahl gewinnt die Partei, die die meisten Mandate erringt. Für eine absolute Mehrheit im Unterhaus braucht es mindestens 326 Sitze. Der Wahlsieger stellt auch den Premier. Allerdings wird er oder sie nicht vom Parlament gewählt, sondern von der Queen ernannt.