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Bildrechte: REUTERS

Seit Tagen warten zahlreiche Lastwagen in Südostengland auf die Ausreise nach Frankreich. Nun stehen die Grenzen wieder offen - aber nur bei negativem Corona-Test. Doch noch immer geht es nicht voran.

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Großbritannien: Corona-Chaos in Dover

Tausende Lkw und Transporter sind in Südengland gestrandet. Nur mit einem negativen Corona-Test dürfen die Fahrer ihren Weg nach Frankreich fortsetzen. Vielen droht ein Weihnachtsfest im Stau.

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Von
  • Imke Köhler

Für die Lkw-Fahrer soll es mehrere Covid-Teststationen geben, eine davon auf dem ehemaligen Flugplatz Manston, wo in den letzten Tagen schon Lastwagen parken mussten. Auch jetzt, wo Frankreich die Grenze in Calais wieder geöffnet hat, werden sich die Gestrandeten auf der anderen Seite des Ärmelkanals in Geduld üben müssen. Der Rückstau lässt sich nicht sofort auflösen.

Während die Regierung von 4.000 Lastern spricht, die in Dover und Umgebung festsitzen, spricht die Road Haulage Association (RHA), der Handelsverband für den Straßentransport, von 8.000 bis 10.000 Fahrzeugen - da könnten dann auch die Transporter mit eingerechnet sein.

Schwierige Hatz nach dem Test

Zunächst einmal ist nun die Frage, wie schnell die Lkw-Fahrer und Kuriere einen Test bekommen können. Unter ihnen ist ein deutscher DHL-Bote, der mit diesem Versuch bisher gescheitert ist. Er ist nur von einem Ort zum anderen geschickt worden.

"Ich hoffe, einen Test zu kriegen. Die Leute vom Covid-Testcenter in Manston haben mir gesagt, ich müsste nach Margate gehen, und da hat man mir gesagt, ich müsste nach Manston zurück. Ich weiß wirklich nicht, was ich tun soll." Deutscher DHL-Bote in Südengland

Der Mann hatte eine Lieferung nach Liverpool gebracht und kam dann nicht mehr auf den Kontinent zurück. Er wäre Weihnachten gern zu Hause, aber die Situation sei katastrophal, meint er.

Isolation im Führerhaus

Grundsätzlich soll für diejenigen, die einen Covid-Schnelltest gemacht haben, nach 30 Minuten ein Ergebnis vorliegen, das die Lkw-Fahrer dann auf dem Handy erhalten. Wenn das Ergebnis negativ sei, könnten sie in Richtung Calais starten - wenn nicht, müssten sie auf der Insel bleiben, erklärt Robert Jenrick, der britische Minister für Wohnungswesen und Kommunalverwaltung.

"Wenn sie positiv getestet werden, wird ihnen ein Labortest angeboten, und dann werden sie sich wahrscheinlich in ihrem Führerhaus selbst isolieren, bis sie das Ergebnis bekommen", sagt Jenrick. Bei einem erneuten positiven Test müssten sie in der Nähe in einem Hotel in Quarantäne gehen: "Wir haben in der Nacht das erste Hotel dafür beschafft, das zumindest für die nächsten Tage genug Kapazität bieten sollte."

Nur ein Vorgeschmack auf Januar?

Dass Großbritannien noch mehr solcher Szenen sehen wird, wenn in acht Tagen die Brexit-Übergangsphase zu Ende geht, will Jenrick nicht stehen lassen. Es gebe keinen Grund, warum so etwas in der Zukunft passieren sollte, so der Minister. Es sei im Interesse aller Seiten, Grenzen offen zu halten. Jenrick verwies stattdessen darauf, dass der aktuelle Fall die gute Vorbereitung Großbritanniens zeige:

"Die Tatsache, dass wir in der Lage waren, sehr schnell auf eine sehr ungewöhnliche Situation zu reagieren, legt nahe, dass die Vorbereitungen, die für das Ende der Übergangsphase getroffen wurden, richtig waren und sich als weitgehend effektiv erwiesen haben." Robert Jenrick, britischer Minister für Wohnungswesen und Kommunalverwaltung

Zu einer komplett anderen Einschätzung kommt Duncan Buchanan von der RHA. Er meinte mit Blick auf den Jahreswechsel, dies sei der Beginn einer sehr, sehr ernsten Unterbrechung der Lieferkette - in einer Form, wie sie die Briten wohl noch nie erlebt hätten.

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