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Boris Johnson, Premierminister von Großbritannien

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    Großbritannien: Johnson gibt den Weg aus dem Lockdown bekannt

    Nach einer erfolgreich angelaufenen Impfkampagne und sinkenden Infektionszahlen will der Premierminister bekannt geben, wie das Land die Anti-Corona-Maßnahmen lockern will. Die Erwartungen sind hoch.

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    Von
    • Imke Köhler

    England befindet sich seit dem 5. Januar im Lockdown, dem dritten seit Beginn der Pandemie. Die Zahl der Corona-Fälle war im Dezember stark gestiegen, über den Jahreswechsel hinweg wurden täglich über 50.000 Neuinfektionen registriert, Anfang Januar sogar über 60.000. Diese Entwicklung wurde neben den Zusammenkünften an Weihnachten vor allem der damals neu entdeckten, deutlich infektiöseren "britischen" Coronavirus-Variante ("Kent"-Variante) zugeschrieben. Die Krankenhäuser mussten so viele Corona-Patienten aufnehmen, dass eine Überforderung des Gesundheitssystems absehbar war.

    Großer Druck auf Englands Kliniken Anfang Januar

    Zum Teil sahen sich die Kliniken gezwungen, die Kapazitäten ihrer Intensivstationen im laufenden Betrieb zu erweitern, trotzdem mussten viele Patienten mitunter stundenlang im Krankenwagen warten, weil keine freien Betten zur Verfügung standen. Wie groß der Druck auf Englands Kliniken zu Jahresbeginn war, zeigt sich im Rückblick: Fast ein Drittel aller Covid-Patienten, die seit Beginn der Pandemie ins Krankenhaus mussten, wurden im Januar eingeliefert. Mitte Januar belief sich die Zahl der stationär behandelten Covid-Patienten auf rund 39.000, das waren fast doppelt so viele wie auf dem Höhepunkt der ersten Infektionswelle im Frühjahr letzten Jahres. Inzwischen hat sich die Zahl halbiert und liegt bei knapp unter 20.000.

    Tägliche Neuinfektionen stark gesunken

    Die täglichen Neuinfektionen sind ebenfalls stark gesunken auf knapp unter 10.000. Aus den vielen Zahlen, die im Zuge der Pandemie erhoben werden, stachen in den letzten Wochen zwei heraus: die Zahl der Corona-Toten und die Zahl der Corona-Geimpften. Die Zahl der Corona-Toten überstieg bereits Ende Januar die Hunderttausendermarke, international zählt Großbritannien damit zu den Ländern, die die meisten Opfer zu beklagen haben. Aktuell wird die Zahl für das Königreich mit über 120.000 angegeben. Dabei werden jene Patienten gezählt, bei denen innerhalb der letzten vier Wochen vor ihrem Tod ein positiver Corona-Test vorlag.

    Gute Fortschritte beim Impfprogramm

    Die zweite bedeutende Zahl ist die der Geimpften. Großbritannien hatte bereits am 8. Dezember mit den Impfungen gegen Covid-19 begonnen, zunächst mit dem Impfstoff von Pfizer/Biontech, dann auch mit Oxford/Astrazeneca, der in Großbritannien - anders als in Deutschland - für alle Altersklassen zugelassen ist. Inzwischen hat, wie Gesundheitsminister Matt Hancock gestern bekannt gab, einer von drei Erwachsenen im Königreich zumindest eine erste Impfdosis erhalten. Bis Mitte April soll allen über 50-Jährigen eine Covid-Impfung angeboten werden, bis Ende Juli allen über 18-Jährigen. Damit würde das Impfprogramm deutlich schneller vorangetrieben als bisher geplant, ursprünglich sollten alle Erwachsenen bis September eine Einladung zur Impfung erhalten.

    Wer träumt vom Sommerurlaub?

    Mit dieser Ankündigung der Regierung steigen wieder die Hoffnungen auf einen Sommerurlaub. Das Kabinett hatte in den letzten Wochen bei diesem Thema keine einheitliche Linie verfolgt. Erst hatte Gesundheitsminister Matt Hancock einen "großartigen britischen Sommer" in Aussicht gestellt und mitgeteilt, dass er selbst schon seinen Urlaub in Cornwall gebucht habe, dann riet Verkehrsminister Grant Shapps von jedweden Urlaubsplanungen für den Sommer ab - auch im eigenen Land, dafür sei es schlichtweg noch zu früh. Einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts YouGov zufolge wollen 39 Prozent der Briten nicht in den Urlaub fahren, solange sie noch nicht geimpft sind, und 27 Prozent wollen - auch wenn sie geimpft sind - nur Urlaub im eigenen Land machen.

    Johnsons Roadmap für Englands Weg aus dem Lockdown

    Nach wilden Spekulationen der letzten Tage will Boris Johnson heute bekannt geben, wie Englands Weg aus dem Lockdown aussehen soll. (Die anderen Nationen - Wales, Schottland und Nordirland - legen ihre Exit-Strategie selbst fest). Heute Vormittag wird zunächst das Kabinett die sogenannte "Roadmap" beschließen, am Nachmittag wird Johnson dann das Unterhaus informieren und sich am Abend im Fernsehen an die Nation wenden. Britischen Medienberichten zufolge wird der Weg zurück zur Normalität am 8. März zunächst mit der Öffnung der Schulen beginnen, wobei Kritiker bezweifeln, dass die Rückkehr aller Schüler zur gleichen Zeit angesichts der Corona-Schutzmaßnahmen sinnvoll ist. Weitere Lockerungen könnten sich bis in den Sommer hineinziehen. Johnson scheint eher vorsichtig und langsam lockern zu wollen, was in der Wirtschaft aber auch in seiner eigenen Partei auf Kritik stoßen dürfte. Die "Covid Recovery Group" etwa, eine Gruppierung konservativer Abgeordneter, fordert, die gesetzlichen Lockdown-Vorschriften bereits Ende April aufzuheben. Hintergrund ist, dass nach jetziger Planung die höchsten neun Risikogruppen der Bevölkerung bis Mitte April geimpft sein sollen.

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