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Griechischer Außenminister in Ankara: Versuch einer Annäherung

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Griechischer Außenminister in Ankara: Versuch einer Annäherung

Der griechische Außenminister Dendias trifft heute seinen türkischen Amtskollegen Cavusoglu in Ankara. Nachdem im vergangenen Sommer der Streit zwischen den Ländern um Erdgasvorkommen beinahe eskaliert wäre, stehen die Zeichen nun auf Annäherung.

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Von
  • Verena Schälter

Es ist etwas mehr als ein Jahr her: Der griechische Ministerpräsident Kyriakos Mitsotakis ist zu Gast bei der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Eigentlich geht es um die Folgen der Finanzkrise, um Reformen und um die EU. Gegen Ende der Veranstaltung fragt einer der Diskussionsteilnehmer, warum Griechenland mit mehr als zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts so viel für Verteidigung ausgebe. "Weil unglücklicherweise unser Nachbar die Türkei ist - und nicht Dänemark", antwortete Mitsotakis. Daher brauche Griechenland eine starke Abschreckung, so der Ministerpräsident weiter.

Streit um Erdgas-Vorkommen

Griechenland fühlt sich schon lange von der Türkei bedroht, Ursachen dafür gibt es mehrere: So erheben beide Länder Anspruch auf dieselben Seegebiete und damit auch auf Erdgas-Vorkommen, die unter dem Meeresboden vermutet werden. Im vergangen August standen sich deshalb sogar griechische und türkische Kriegsschiffe gegenüber. Innerhalb der griechischen Bevölkerung gibt es Ängste, dass – sollte der Konflikt eskalieren – die türkische Marine griechische Inseln angreifen oder besetzen könnte.

Treffen in Ankara

Doch nun sieht es seit einigen Monaten so aus, als würden sich beide Seiten wieder annähern: Der griechische Außenminister Nikos Dendias trifft seinen türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu in Ankara – an sich eine positive Entwicklung, findet Constantinos Filis vom Institut für Internationale Beziehungen in Athen. "Das ist ein gutes Zeichen. Gleichzeitig sehen wir aber, dass die Türkei weiter in derselben Gangart gegen Griechenland agiert. Und dies trägt natürlich nicht dazu bei, eine positive Atmosphäre zu schaffen", so Filis.

Türkische Jets in griechischem Luftraum

Immer wieder komme es zu Vorfällen, die von griechischer Seite klar als Provokation aufgefasst würden. Erst Anfang April sind türkische Jets unbefugt in den griechischen Luftraum eingedrungen und haben einige bewohnte Inseln in der Ostägäis überflogen. Laut griechischem Verteidigungsministerium hat es in den vergangenen Wochen Dutzende solcher Vorfälle gegeben.

Türkei beschuldigt Griechenland

Provokationen finden aber auch auf medialer Ebene statt: Vergangene Woche hat Fahrettin Altun, Kommunikationschef des türkischen Präsidenten, Recep Tayyip Erdogan, ein offizielles Video der Regierung auf Twitter veröffentlicht: Darin wird vor allem Griechenland beschuldigt, Anhänger der PKK und der Gülen-Bewegung zu unterstützten – in den Augen der türkischen Regierung sind das Terroristen. Regierungssprecher Altun schreibt zu dem Video: Es sei Zeit, die Straflosigkeit Griechenlands zu beenden.

Politikexperte: "Propaganda-Spiel"

Für Politikexperte Filis sind solche Videos vor allem Ablenkungsmanöver. Die Türkei versuche schon seit einiger Zeit, das Propaganda-Spiel zu spielen und das Spiel der öffentlichen Diplomatie, so Filis: "Die Türkei fühlt sich in die Enge getrieben, weil sie glaubt, dass Griechenland im östlichen Mittelmeer eine Anti-Türkei-Front errichtet, zusammen mit Ägypten, Israel und anderen Staaten. Aber das stimmt nicht. Und je ausgegrenzter sich die Türkei vorkommt, desto mehr versucht sie die Realität zu verzerren und Griechenland für alles verantwortlich zu machen, was in der Türkei schiefläuft."

Er glaubt deshalb nicht, dass es bei dem Treffen in Ankara einen großen Durchbruch geben wird. Für Filis wäre es bereits ein Erfolg, wenn beide Seiten sich darauf einigen könnten, die offiziellen Gespräche fortzusetzen.

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