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Eine Luftaufnahme vom Februar 2016 das Ausmaß der Zerstörung: Eine gerodeter Urwald in Indonesien

Um Palmöl anzubauen, lassen Unternehmen riesige Urwaldflächen vernichten.

Bildrechte: picture alliance / Rony Muharrman/EPA/dpa | Rony Muharrman
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    Greenwashing: Weltrettung als profitables Geschäft

    Mit Siegeln, Zertifikaten und Werbe-Slogans geben sich Unternehmen ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image. Die Autorin und Journalistin Kathrin Hartmann hat Greenwashing-Methoden recherchiert und aufgedeckt.

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    Diana Isabel GeierDiana Isabel GeierElisabeth MöstElisabeth Möst
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    Der Klimawandel ist eines der größten Probleme weltweit. Den meisten Menschen ist bewusst, dass Fliegen, Autofahren und Konsum den CO2-Ausstoß anheizt. Das schlechte Gewissen der Verbraucher machen sich Unternehmen zu nutze. Mit Siegeln, Zertifikaten und Werbe-Slogans geben sie sich ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image. Was dahinter steckt, ist für die Konsumenten selten nachvollziehbar.

    Die Autorin und Journalistin Kathrin Hartmann hat Greenwashing-Methoden recherchiert und aufgedeckt. Sie weiß, dass die meisten grünen PR-Slogans nur leere Versprechen sind: "Die Unternehmen müssen nichts ändern und verdienen sogar noch mit diesem Zusatzeffekt, dass ihr Produkt angeblich umweltfreundlich ist." Siegel und Nachhaltigkeits-Versprechen seien eine lukrative Methode, um mehr für die Produkte verlangen zu können.

    In jedem zweiten Produkt steckt Palmöl

    "Bei all meinen Recherchen war für mich der größte Skandal, wie Palmöl angebaut wird und was da an Wäldern zerstört wird", sagt Hartmann. Das Problem: Palmöl steckt in Produkten, in denen man es gar nicht vermutet - von Kosmetik über Reinigungsmittel bis hin zu Lebensmitteln und Fertigprodukten. Dafür wird in großem Stil Regenwald vernichtet und abgebrannt.

    Kathrin Hartmann war vor Ort in Indonesien. Sie stand auf der verbrannten Erde, auf der nur noch ein paar Holzstummel liegen. Wo früher ein großer Urwald war, wächst heute kein Gras mehr. Ihre Recherchen und die Konfrontation der Verantwortlichen mit ihren Greenwashing-Kampagnen sind in dem Film "Die grüne Lüge" von 2018 zu sehen und im gleichnamigen Buch nachzulesen.

    Gibt es wirklich nachhaltiges Palmöl?

    Das RSPO-Siegel (Round Table for sustainable Palmoil) wurde von einem der größten Hersteller von Produkten mit Palmöl gegründet. Es wirbt mit nachhaltigem Palmöl. Doch Hartmann hat intensiv nach diesen Plantagen gesucht und in ganz Indonesien keine einzige gefunden. "Die gibt es einfach nicht", sagt die Autorin. Das Siegel bekommen Unternehmen bereits dann, wenn sie 500 Hektar Regenwald schützen – obwohl sie im Gegensatz 20.000 Hektar Regenwald für die Palmöl-Plantagen vernichten.

    Faire Mode oder Etikettenschwindel?

    Ist es denn überhaupt noch möglich, gut und nachhaltig einzukaufen? Was hat es mit den Versprechen von Bio-Baumwolle und nachhaltigen Rohstoffen auf sich? Kathrin Hartmann stellt fest: Selbst in einem T-Shirt mit dem Label "Biobaumwolle" stecken 39 Prozent recyceltes Polyester. Und auch recyceltes Polyester belastet die Umwelt– denn ein Hauptproblem entsteht dadurch, dass durch das Waschen von Kleidung mit Polyester Mikroplastik in die Gewässer gelangt. Ein weiteres Problem ist "Fast Fashion"– teilweise alle zwei Wochen bringen die großen Modeketten neue Kollektionen heraus. Natürlich sei Bio-Baumwolle besser als konventionelle, so Hartmann, doch in Massen hergestellt, getragen und wieder weggeworfen belaste auch das die Umwelt massiv. Studien belegen, dass die Textilindustrie jährlich mehr CO2 ausstößt als der weltweite Flug- und Schiffsverkehr zusammen.

    Nachhaltige Produkte aus dem Supermarkt

    Das Beispiel einer Fertig-Tomatensuppe aus dem Supermarkt. Sie hat drei Siegel: für nachhaltige Tomaten, eine Partnerschaft für Nachhaltigkeit und weil sie vegetarisch ist.

    Doch auch in diesem Suppenpulver steckt Palmöl. Woher die Tomaten kommen, kann man nicht nachvollziehen, vom Palmöl wird geschickt abgelenkt. Eine Packung Kekse wiederum trägt das RSPO-Siegel auf der Packung und erweckt den Eindruck eines nachhaltigen Produkts.

    Wie sieht es bei Thunfisch aus – mit Bio-Siegel? Auf der Packung steht: "klimaneutral", "fairtrade" und "handgeangelt" – doch natürlich ist die Vorstellung, ein Angler sitzt in seinem Boot und zieht einen Thunfisch auf gut Glück aus dem Wasser, falsch. Mit Ortungsgeräten werden Thunfischschwärme aufgespürt und dann in Massen gefischt.

    Auch das MSC-Siegel für nachhaltige Fischerei – von Unilever und dem WWF ins Leben gerufen - sei problematisch, sagt Hartmann. "Man kann nicht davon ausgehen, dass das wirklich nachhaltig ist. Das Siegel lässt sogar Fischerei-Methoden wie Grundschleppnetze zu." Die Überfischung sei mittlerweile ein so großes Problem, dass auch Siegel hier nicht mehr helfen würden.

    Die Verantwortung schieben Unternehmen auf den Einzelnen

    Eines der größten Probleme für Verbraucher: Die Produktionsketten sind kaum noch nachvollziehbar. Die Verantwortung und auch die Schuld werde dem einzelnen zugeschoben, sagt Kathrin Hartmann: "Niemand von uns geht in den Laden, fragt nach Produkten, für die der Regenwald zerstört wird, und keiner geht in den Laden und will ein T-Shirt, das Kinder genäht haben", sagt die Journalistin. Kathrin Hartmann ist fassungslos darüber, wie wenig die Unternehmen von der Politik zur Verantwortung gezogen werden und dass Methoden wie Greenwashing geduldet werden: "Die großen Konzerne sind letztlich weitgehend unreguliert von der Politik und uns wird gesagt, ja ihr müsst halt richtig einkaufen." Eine positive Entwicklung ist das Lieferkettengesetz, das Unternehmen verpflichtet, Umweltschutz, Menschen- und Kinderrechte in den globalen Lieferketten zu verbessern.

    Mehr zum Thema Greenwashing erfahren Sie in der Sendung „STATIONEN - Moderner Ablasshandel“ am 2. Februar um 19 Uhr im BR Fernsehen und in der BR Mediathek.

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