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"Gorch Fock“: War das Schiff eine Gefahr für die Besatzung? | BR24

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Die Sanierungskosten stiegen von 10 auf 135 Millionen Euro: Über 40 Jahre lang ist die "Gorch Fock“ nicht gründlich untersucht worden. Verteidigungsministerium hat gravierende Fehler eingeräumt. War das Schiff zuletzt eine Gefahr für die Besetzung?

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"Gorch Fock“: War das Schiff eine Gefahr für die Besatzung?

Die Sanierungskosten stiegen von 10 auf 135 Millionen Euro: Über 40 Jahre lang ist die "Gorch Fock“ nicht gründlich untersucht worden. Verteidigungsministerium hat gravierende Fehler eingeräumt. War das Schiff zuletzt eine Gefahr für die Besetzung?

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Ein Segelschiff mit zerfetzen Segeln. Hält sich gerade noch so über Wasser. Droht jeden Moment unterzugehen. Ein Seelenverkäufer. So nannte man früher Schiffe, die sprichwörtlich dem Untergang geweiht sind. Heute nennt man das Sanierungsfall, wie etwa die "Gorch Fock“, das Segelschulschiff der Bundeswehr. Es liegt seit drei Jahren seeuntauglich in einem Dock in Bremerhaven.

Verteidigungsministerium räumt Fehler ein

Das Verteidigungsministerium hat nun erhebliche Fehler bei der Sanierung des Segelschulschiffs "Gorch Fock“ eingeräumt. Einem kritischen Prüfbericht des Bundesrechnungshofes mit Empfehlungen werde im Wesentlichen gefolgt, erklärte das Ministerium der Finanzkontrollbehörde in einem Schreiben, das dem ARD-Hauptstadtstudio vorliegt.

Die Versäumnisse lesen sich wie grobe Anfänger-Fehler. Für die Sanierung des 80 Meter langen Segelschiffes mit drei Masten wurden viel zu niedrige Kosten angesetzt. Zehn Millionen Euro im Jahr 2015. Jetzt, 2019, steht man schon bei 135 Millionen Euro.

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Das Segelschulschiff Gorch Fock war der Stolz der Marine und sollte es nach der Instandsetzung wieder sein. Doch inzwischen ist die Sanierung ein Fass ohne Boden und das Prästigeprojekt bekommt arge Kratzer.

Kritik kam vom Bundesrechnungshof

Der Bundesrechnungshof kritisierte auch, von Beginn an sei nicht einmal eine Wirtschaftlichkeitsuntersuchung durchgeführt worden. Niemand hat demnach die Frage gestellt, ob es sich überhaupt lohnt, das Schiff zu sanieren oder ob man sich das leisten. Auch gab es keine ausreichende Schadensaufnahme darüber, was eigentlich genau repariert werden muss.

Kritiker forderten einen kompletten Neubau des Ausbildungsschiffes. Doch selbst diese Frage wurde nicht ernsthaft in Erwägung gezogen. Die Bundeswehr hielt demnach aus rein traditionalistischen Gründen an dem Segelschiff fest. Man hat offenbar frei nach dem Motto gehandelt: Egal wie, das Schiff muss saniert werden – das ist der Stolz der Marine.

Diese Fehler hat das Ministerium nun eingeräumt und gelobt Besserung. Eine Fachaufsicht durch das Ministerium soll es geben, die die Wirtschaftlichkeit der Sanierungsmaßnahmen untersuchen soll. Die Oppositionsparteien im Bundestag, vor allem FDP und Grüne, wittern leere Versprechungen weil konkrete Ansagen fehlen.

Karsten Klein, Haushaltsexperte der FDP im Bundestag, sagt, die Amtszeit von Ministerin Ursula von der Leyen gehöre auf den Prüfstand: "Die Verteidigungsministerin muss jetzt endlich handeln, anstatt immer nur einzuräumen und anzukündigen", fordert der Abgeordnete aus Aschaffenburg

War die "Gorch Fock" eine Gefahr für die Besatzung?

Brisant ist: Der Bundesrechnungshof hat im Januar auch festgestellt, es habe Gefahr für Leib und Leben für die Matrosen auf der "Gorch Fock" bestanden. Dem hatte das Ministerium widersprochen. "Da geht es zum Beispiel um den Punkt der Gefährdung der Besatzung. Die bestand aus unserer Sicht zu keinem Zeitpunkt", sagt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums.

In einem internen Schreiben an Mitglieder des Haushaltsausschuss, das dem BR vorliegt, kontert der Bundesrechnungshof: "Nach unserem derzeitigen Kenntnisstand können wir die Einschätzung des Bundesverteidigungsministeriums, dass nach Abschluss der Instandsetzung 2012 die Sicherheit der Soldatinnen und Soldaten nicht mehr beeinträchtigt war, nicht nachvollziehen."

Hintergrund war eine Sanierung, die 2012 abgeschlossen war. Die aktuell laufende Reparatur läuft seit 2016. Dazwischen war die "Gorch Fock" aber im Einsatz.

Von der Leyen steckt im Dilemma

Diese Frage bringt die Ministerin, Ursula von der Leyen (CDU), in Bedrängnis. Sie ist schließlich seit fünf Jahren im Amt. Ihr Dilemma sieht so aus: Entweder sie wusste über alles Bescheid, dann hätte sie grobe Fehlentscheidungen geduldet. Das streiten Ministerium und Ministerin aber vehement ab. Von der Leyen habe von den Fehlern viel zu spät erfahren. Dann aber wird sich von der Leyen den Vorwurf gefallen lassen müssen, Ihren Laden nicht im Griff zu haben.

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