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Globale Reisewarnung endet: Das ändert sich für Urlauber | BR24

© pa/dpa/Andres Gutierrez

Strand auf den Kanaren, Las Palmas, September 2020

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Globale Reisewarnung endet: Das ändert sich für Urlauber

Die generelle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes ist seit heute aufgehoben. Damit gelten wieder länderspezifische Reisehinweise. Für Urlauber hat das Vor- und Nachteile. Die Reisebranche hofft auf zusätzliche Vereinbarungen für beliebte Ziele.

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Die pandemiebedingte weltweite Reisewarnung des Auswärtigen Amtes gilt nicht mehr. Damit können auch viele Länder außerhalb der EU wieder bereist werden - seit Juni hatte die Warnung für knapp 160 Länder weltweit gegolten.

Reisewarnung gilt nur noch für Risikogebiete

Die pauschale Warnung wird ab sofort wieder durch spezifische Hinweise zu Ländern und Regionen ersetzt: seit heute gilt deshalb laut Auswärtigem Amt automatisch eine Reisewarnung für alle offiziell deklarierten Corona-Risikogebiete. Dabei stimmt sich die Behörde künftig eng mit dem Robert-Koch-Institut (RKI), dem Bundesinnen- und dem Bundesgesundheitsministerium ab. Ausgangspunkt der gemeinsamen Bewertung sind aktuelle Zahlen und Einschätzungen der Covid-19-Risiken für das jeweilige Land.

Das ändert sich für Reisende

Der Wegfall der generellen Reisewarnung hat rechtliche Folgen. Das gilt vor allem für Stornierungsbedingungen für gebuchte Pauschalreisen: Bis dato bekamen Pauschalurlauber, die kurzfristig die Reise in ein Risikogebiet doch nicht antraten, ihre Kosten erstattet, indem sie sich auf die pauschale Reisewarnung des Auswärtigen Amtes beriefen.

Möglich war dies durch einen Passus im Bürgerlichen Gesetzbuch: Laut Paragraph 651h zum "Rücktritt vor Reisebeginn" ist es möglich, die Stornierungskosten vor Reiseantritt erstattet zu bekommen, wenn am Reiseziel "oder in dessen unmittelbarer Nähe unvermeidbare, außergewöhnliche Umstände auftreten, die die Durchführung der Pauschalreise (…) erheblich beeinträchtigen". In der Praxis legen die Gerichte die Reisewarnungen dementsprechend aus.

Stornorecht nur noch für offizielle Risikogebiete

Das Stornorecht gilt nun nicht mehr für Länder, die unter die globale Warnung fielen. Beispiel Georgien: Das Land verzeichnet laut offiziellen Zahlen nur wenig Corona-Infizierte, für das Robert-Koch-Institut ist es kein Risikogebiet. Dennoch galt für die Republik im Südkaukasus die generelle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes. Wer eine Pauschalreise nach Georgien gebucht hat, kann künftig also nicht mehr ohne weiteres kostenlos stornieren.

Durch die Neuregelung besteht das Stornorecht für Pauschalreisende nur noch für Länder, die spezifisch als Risikogebiet ausgezeichnet werden. Nur ein vermeintlicher Nachteil für Reisende, findet André Schulze-Wethmar, Jurist beim Europäischen Verbraucherzentrum Deutschland: "Die Neuregelung ist gut für die Rechtssicherheit, da die Reisewarnungen nun stärker auf das aktuelle Infektionsgeschehen im jeweiligen Land eingehen." Auch Verbraucher wüssten somit genauer, in welches Land eine Reise trotz der Corona-Krise sicherer sei.

Reiseveranstalter begrüßen Wegfall der pauschalen Reisewarnung

Eindeutig von Vorteil sei der Wegfall der pauschalen Reisewarnung für die Reiseveranstalter, sagt Schulze-Wethmar. Ob die Reiselust durch die Neuregelung gesteigert wird, das ist derweil nicht klar. Denn: Je geringer die Aussichten auf Reisekostenerstattungen bei möglichen Ausfällen sind, desto vorsichtiger agierten die Bürger, so der Experte für Verbraucherfragen.

Ein Blick auf die Liste des RKI zeigt: Mehr als 130 Länder werden von Deutschland als Risikogebiete eingestuft, darunter auch Länder oder Regionen innerhalb Europas. Die Pflicht zu einem Corona-Test bei Reiserückkehr und Unsicherheiten vor Ort trüben die Laune vieler Reisefans weiterhin. Grundsätzlich rät das Auswärtige Amt zu Vorsicht bei Reisen. Manches Land lässt derzeit weiter keine ausländischen Touristen einreisen, etwa Thailand. Ein offizielles Reiseverbot seitens des deutschen Staates gibt es indes nicht, betonen die Reiseexperten.

Wunsch der Reisebranche: Vereinbarungen für Ägypten und die Kanaren

Kritisch sehen die Reiseveranstalter jedoch, dass die Warnungen der Behörden immer noch sehr generell ausfallen. Wie zum Beispiel für die Kanarischen Inseln: Die Inselgruppe gilt seit dem 2. September, wie der Rest Spaniens, als Risikogebiet, obwohl die Inseln Teneriffa, Fuerteventura, Lanzarote deutlich weniger als 50 positive Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner innerhalb einer Woche haben. "Diese Inseln werden einzeln angeflogen, hier wäre eine differenzierte Sicht wünschenswert", sagt Ralph Schiller, Vertriebschef der FTI Touristik GmbH und. Lokal statt regional und national, so der Wunsch des Vorstands im Deutschen Reiseverband.

Außerdem hoffen die Anbieter, dass zusätzliche Regelungen für beliebte Reiseziele im Winter gefunden werden: "Wenn wir die Möglichkeit hätten, als Tour-Operator mit der Bundesregierung für bestimmte Zielgebiete insbesondere jetzt im Winter - dazu zähle ich die Kanaren und Ägypten - ein ähnliches Konzept zu stricken wie bei der Türkei, wo wir im Zielgebiet testen und wo es sich bewährt hat, wäre das wünschenswert."

Einzelne Reiseanbieter wie der Veranstalter Tui haben indessen angekündigt, ungeachtet der Reisewarnung ab dem 3. Oktober wieder Reisen auf die Kanaren anzubieten.

Neue Bestimmungen zur Quarantäne

Ab dem 1. Oktober soll außerdem die Quarantäne frühestens nach fünf Tagen mit einem erneuten Negativtest aufgehoben werden können. Das hatten Bund und Länder bereits am 27. August beschlossen.

Reiserückkehrer aus Risikogebieten sollen zudem künftig selbst die Lohnfortzahlung übernehmen, wenn sie in Quarantäne müssen. Dabei gehe es um "vermeidbare Reisen in ein bei Reiseantritt ausgewiesenes Risikogebiet", erklärte ein Sprecher des Bundesgesundheitsministeriums. Ein Inkrafttreten der entsprechenden Verordnung ist demnach für Mitte Oktober geplant.

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