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Sinapah Mountain im Glacier National Park (Montana, USA)
© pa/dpa/Don Johnston

Autoren

Martin Ganslmeier
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Sinapah Mountain im Glacier National Park (Montana, USA)

Der Glacier-National-Park liegt in einer der schönsten Gebirgslandschaften Amerikas: in den Rocky Mountains im Grenzgebiet zwischen Montana und der kanadischen Provinz Alberta: hohe Gipfel, eiskalte Gebirgsbäche und vor allem spektakuläre Gletscher. 150 von ihnen konnten die Touristen noch Ende des 19. Jahrhunderts bewundern. Heute sind es nur noch 25 Gletscher.

Auch die werden bald geschmolzen sein, befürchtet Michael Jamison, Gletscher-Experte beim Verband zum Schutz der Nationalparks. Besonders sichtbar sei dies beim Grinnell-Gletscher:

"Es war früher sehr schwer, auf den Grinnell-Gletscher hochzuklettern. Man brauchte eine Spezialausrüstung, um die Eiswand hochzukommen. Jetzt kannst du in Sandalen über die Zunge des Gletschers steigen. Das alles ist zu meinen Lebzeiten passiert." Jamison, Gletscher-Experte beim Verband zum Schutz der Nationalparks

Noch vor 15 Jahren war die eisige Zunge des Grinnell-Gletschers acht Meter hoch, jetzt ist sie kein Sicherheitsrisiko mehr. Für das Schmelzen gebe es mehrere Gründe, sagt Jamison. Mildere Winter in Montana sorgen für mehr Regen als Neuschnee. Die Sommermonate sind heißer und trockener als früher. Die Anzahl der Tage mit Temperaturen über 32 Grad Celsius hat sich in den vergangenen hundert Jahren verdreifacht. Die Folgen: eine dünnere Schneedecke, frühere Schneeschmelzen, und immer häufiger brechen große Gletscherstücke in kleinere Teile.

"Apokalypse-Tourismus" boomt

Obwohl die Folgen des Klimawandels im Nordwesten Montanas längst spürbar sind, reden die Menschen in den Kleinstädten rund um den Nationalpark nicht gerne darüber. Fast 70 Prozent der Wähler hier haben Donald Trump gewählt. Viele teilen Trumps Einschätzung, dass das Klima vielleicht wärmer werde, dies aber nicht von den Menschen verursacht sei.

Die regionale Tourismus-Branche leidet bislang noch nicht unter den negativen Folgen verschwindender Gletscher. Im Gegenteil, meint der Klima-Experte Steve Thompson: mit schmelzenden Gletschern sei es wie mit aussterbenden Tieren. "Viele der Besucher kommen gerade, weil die Gletscher schmelzen. Sie wollen die Gletscher sehen, bevor sie verschwunden sind. Einige nennen das den 'Tourismus der letzten Gelegenheit' oder auch 'Apokalypse-Tourismus' - nach dem Motto: 'Lasst uns die Gletscher im Nationalpark besichtigen, bevor sie weg sind.'"

Wie schnell die noch vorhandenen Gletscher schmelzen, kann man im Glacier-National-Park an mehreren Stellen beobachten. Auf Informationstafeln sind alte Fotos abgebildet, die exakt an derselben Stelle aufgenommen wurden. Wo früher die Touristen auf Giganten aus Schnee und Eis blickten, sieht man heute nur noch Fels und Geröll.

Um das Jahr 2030 herum, schätzt Klimaexperte Steve Thompson, werden auch die letzten 25 Gletscher verschwunden sein. Dann erinnert nur noch der Name "Glacier National Park" daran, dass es hier 7.000 Jahre lang Gletscher gab.