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Gleichberechtigung: Mehr Frauen in der deutschen Politik | BR24

© BR/Julia Müller

Im Vergleich zum Vorjahr hat sich die Gleichberechtigung in Deutschland nach einer Studie des Weltwirtschaftsforums verbessert.

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    Gleichberechtigung: Mehr Frauen in der deutschen Politik

    Deutschland hat Fortschritte bei der Gleichberechtigung gemacht - zu diesem Ergebnis kommt zumindest eine Studie des Weltwirtschaftsforums. Frauen würden sich demnach häufiger politisch engagieren. In anderen Bereichen besteht jedoch Nachholbedarf.

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    Das Weltwirtschaftsforum (WEF) hat Deutschland - zumindest in einigen Bereichen - Fortschritte bei der Gleichberechtigung bescheinigt. Die am Dienstag veröffentlichte Studie "Global Gender Gap Report 2020" kommt zu dem Ergebnis, dass im Vergleich zu vergangenen Jahren mehr Frauen in der Politik aktiv sind. Mittlerweile seien 40 Prozent der Ministerposten in Bund und Ländern mit Frauen besetzt, heißt es weiter. Jedoch seien nur 30,9 Prozent der Parlamentarier weiblich.

    Kritisch sieht die Studie die geringe Präsenz von Frauen im wirtschaftlichen Bereich. Sie kommt zu dem Schluss, dass vor allem bei Managementpositionen und Gehältern Handlungsbedarf bestehe. Notwendig sei beispielsweise eine schnelle Reduzierung der Gehalts- und Einkommenslücke, fordert das WEF. Auch eine längere Elternzeit für Väter würde zur Geschlechtergerechtigkeit beitragen.

    Island seit elf Jahren auf Platz 1

    Im weltweiten Ranking verbessert sich Deutschland im Vergleich zum Vorjahr und belegt den zehnten Platz. 2018 hatte die Bundesrepublik vier Ränge schlechter abgeschnitten. Vergleicht man diese Entwicklung jedoch mit 2006, als das erste Ranking stattfand, lässt sich eine deutliche Verschlechterung ausmachen: Damals lag Deutschland noch auf Platz 5.

    Auf Platz 1 liegt in diesem Jahr Island - und das bereits zum elften Mal. Das Land habe die Lücke zwischen Männern und Frauen inzwischen zu fast 88 Prozent geschlossen, urteilt das WEF. In Deutschland sind es nur 78,7 Prozent - jedoch sei sie hierzulande in den Bereichen Bildung und Gesundheit weitgehend erreicht. Dahinter folgen auf dem zweiten und dritten Platz Norwegen und Finnland.

    Frauen politisch besonders benachteiligt

    Das WEF hat für seinen jährlichen Bericht in 153 Staaten vier gesellschaftliche Bereiche verglichen: Wirtschaft - wie etwa Gehälter und Chancen auf Führungspositionen, Zugang zu Bildung, politische Beteiligungsmöglichkeiten und Gesundheit. Die Organisation betont, es gebe im Vergleich zum vergangenen Jahr Verbesserungen. Die größten Probleme bestünden aber weiter in der Politik, obwohl die Zahl der weiblichen Abgeordneten in vielen Ländern gestiegen sei. Insgesamt besetzen Frauen weltweit aber nur ein Viertel der 35.127 Parlamentssitze und nur ein gutes Fünftel (21 Prozent) der 3.343 Ministerämter.

    Ebenso bestehe Aufholbedarf bei Wirtschaft und Bildung, insbesondere am Arbeitsmarkt: Nur 55 Prozent der erwachsenen Frauen hätten global betrachtet einen Job, bei den Männern seien es 78 Prozent. Auch die Gehalts- und Einkommenslücke bleibe groß. Weltweit seien zehn Prozent der Mädchen und jungen Frauen im Alter von 15 bis 24 Jahren Analphabeten, vor allem in Entwicklungsländern.

    100 Jahre bis zur vollständigen Gleichberechtigung

    Fazit der Studie: Wenn sich die Entwicklung in diesem Tempo fortsetzt, wird es noch etwa 100 Jahre dauern, bis Männer und Frauen in allen Bereichen gleichgestellt sind. "Das ist ein Zeitrahmen, den wir in der globalisierten Welt einfach nicht akzeptieren können", so WEF-Gründer Klaus Schwab. "Am Vorabend der 2020er-Jahre muss es das Ziel globaler und nationaler Anführer sowie von Top-Managern sein, eine fairere und inklusivere Wirtschaft aufzubauen."

    Ohne die gleichberechtigte Einbeziehung der Frauen - "der Hälfte des weltweiten Talents" - könnten weder die Volkswirtschaften zum Wohle Aller wachsen noch die Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen erreicht werden, betont Schwab.