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Gipfel-Festung Biarritz: Security-Check statt Strand ’n‘ Surf | BR24

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Biarritz – das Surferparadies am Atlantik – lebt vom Tourismus. Doch jetzt sind Strand, Flughafen und Bahnhof gesperrt. Tausende Polizisten sollen Proteste gegen den G7-Gipfel im Zaum halten. Für Anwohner und Geschäftsleute nicht gerade ein Traum.

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Gipfel-Festung Biarritz: Security-Check statt Strand ’n‘ Surf

Biarritz – das Surferparadies am Atlantik – lebt vom Tourismus. Doch jetzt sind Strand, Flughafen und Bahnhof gesperrt. Tausende Polizisten sollen Proteste gegen den G7-Gipfel im Zaum halten. Für Anwohner und Geschäftsleute nicht gerade ein Traum.

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Eigentlich hat der G7-Gipfel noch gar nicht richtig angefangen, doch Franck hat die Nase längst gestrichen voll:

"Man steht morgens auf und da sind Polizisten. Man geht abends ins Bett – Polizisten, überall, absolut überall. Man fühlt sich wie ein Gefangener. Das ist wirklich ein ekelhaftes Gefühl!" Franck, Taxifahrer

Routiniert lenkt der Taxifahrer seinen Wagen durch den dichten Verkehr rund um Biarritz. Noch könne er ja Leute in die Stadt bringen. Mit dem Gipfelstart sei das vorbei – und er quasi arbeitslos, schimpft der "Biarrot", wie die Einwohner von Biarritz heißen.

Was Franck etwas schmunzeln lässt, "ist, dass die G7-Leute die Region als Geisel nehmen, um dann über Ungleichheit zu reden." Doch, sagt Franck, "sie sind davon ja gar nicht betroffen und haben keine Ahnung, was das ist." Es tut ihm leid für den Bürgermeister von Biarritz, "aber alle, die ich treffe, denken genau so wie ich. Die Leute hier finden den G7-Gipfel eher schlecht."

Hamburg als abschreckendes Beispiel

Tatsächlich kann Franck kaum eine Ecke passieren, ohne an einem Polizeiposten vorbei zu kommen. Über 13.000 Einsatzkräfte hat das Innenministerium in Biarritz und der Region zusammengezogen. Die Angst vor Anschlägen oder gewaltsamen Protesten wie beim G20-Gipfel in Hamburg ist groß. Dabei hatte Michel Veunac, der Bürgermeister von Biarritz und Gefolgsmann von Präsident Emmanuel Macron, immer wieder betont, welche Ehre es für seine Stadt sei, den großen Gipfel zu begrüßen. Und die Auswirkungen auf seine Bürger klein geredet:

"Die Sicherheitszonen machen in Biarritz nur etwa ein Viertel der Stadt aus. Der Rest der Stadt wird aktiv und offen bleiben. Wir sind also keineswegs in einer Situation der 'Bunkerisierung' der Stadt." Michel Veunac, Bürgermeister von Biarritz

Die Touristen planen schon die Flucht

Doch nicht nur den Einwohnern von Biarritz kommt das anders vor: "Wir wollten zum Hotel du Palais, aber das war aus Sicherheitsgründen geschlossen. Diese Polizeipräsenz – das konnten wir schlicht nicht glauben - überall", erzählt Margaret, die mit ihrem Mann Henry aus New York gekommen ist. Die beiden genießen den Spaziergang durch die mondäne Innenstadt von Biarritz, in der sich Surfshops, teure Kleidungsläden, Feinkostgeschäfte und Restaurants aneinander reihen. Vom Atlantik-Strand klingt das Wellenrauschen bis hierher. Wunderschön, findet Margaret. Und trotzdem hat sie die Flucht schon geplant:

"Wir hoffen, aus der Stadt rauszukommen – wenn wir können." Margaret, Touristin aus Amerika

Optimisten hoffen auf den Werbe-Effekt

Mitten in der Hochsaison ist die Stadt schon jetzt, kurz vor dem Gipfel, leerer als sonst, versichern Alteingesessene. Doch anders, als etwa Franck, der Taxifahrer, glauben machen will, gibt es auch Zweckoptimisten. Zum Beispiel Serge Isteque, den Sprecher der Händlervereinigung von Biarritz:

"Fast 5.000 Journalisten werden kommen. Und Ihr werdet während dieser Tage die Botschafter von Biarritz und dem Baskenland sein, die das Bild, die Geräusche, das Licht der Stadt transportieren!" Serge Isteque, Sprecher der Händlervereinigung von Biarritz

Gegen die Sicherheitsvorkehrungen hat Serge daher weniger einzuwenden:

"Es ist wichtig, dass das alles gut abläuft. Und wir Händler sind in der großen Mehrheit mobilisiert, dass es gut läuft." Serge Isteque, Sprecher der Händlervereinigung von Biarritz

Und dann müssten die Teilnehmer des Gipfels und die Journalisten ja schließlich auch Souvenirs und Geschenke aus Biarritz mitbringen, findet Serge. Und schon wieder klingt das irgendwie ein bisschen beschwörend.