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Tagelang Raketen, Sirenen, Bomben und immer wieder der Bunker: Die Kämpfe zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen werden härter. Aber wie geht es den Menschen? Ein Kibbuz-Bewohner und ein Arzt aus Gaza-Stadt berichten.

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Gewalt in Nahost: Zwei Männer – zwei Perspektiven

Tagelang Raketen, Sirenen, Bomben und immer wieder der Bunker: Die Kämpfe zwischen Israel und militanten Palästinensern im Gazastreifen werden härter. Aber wie geht es den Menschen? Ein Kibbuz-Bewohner und ein Arzt aus Gaza-Stadt berichten.

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Von
  • Benjamin Hammer

Videoanruf bei Alon Alsheich. Der Israeli lebt im Kibbuz Nir Am direkt an der Grenze zum Gazastreifen. Alon ist 44 Jahre alt und lebt hier mit seiner Frau und zwei Kindern. In den vergangenen Tagen wurde der Kibbuz sehr häufig mit Raketen beschossen. Wenn während unseres Interviews Raketenalarm ertönt, müssen wir sofort abbrechen.

"Wir haben maximal zwölf Sekunden Zeit, uns in Sicherheit zu bringen. Der nächste Bunker ist dort", sagt Alon und filmt das mit seiner Handykamera. "Wenn es jetzt Alarm gäbe, würde ich aber in den Kindergarten gehen." Aber so richtig sicher scheint der Kindergarten auch nicht zu sein. Alon läuft ein paar Meter und dreht seine Handykamera um. "Ich zeige es dir. Siehst du? "

"Alle haben Angst"

Ein Bild der Verwüstung. Spielzeug liegt quer verteilt auf dem Boden. Hier schlug eine Rakete ein. Da war der Kindergarten zum Glück längst geschlossen. Die Familie Alsheich verbringt die Nächte im Schutzraum. Wenn es ernst wird, hätten alle Angst, sagt Alon. Die Eltern, die Kinder und der Hund. Der Kibbuz Nir Am ist richtig schön. Die Sonne scheint an diesem Tag, große Sträucher blühen im Hintergrund sind Palmen zu sehen.

"Wir nennen das hier das 95-Prozent-Paradies. Im Moment sind wir bei den anderen fünf Prozent. Es ist wirklich sehr schön und ruhig und grün. Die aktuelle Lage ist ein großer Widerspruch. Es ist wirklich traurig. Ich hoffe, dass es eines Tages besser wird."

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Bildrechte: BR24 / Benjamin Hammer

Alon Alscheich, im Hintergrund Gaza.

"Die schlimmsten drei Tage meines Lebens"

Die Kontaktaufnahme mit Mahmoud Abu Khater gestaltet sich schwieriger als mit dem Israeli. Im Gazastreifen gibt es seit Tagen nur schlechtes Internet - eine Folge der kriegerischen Auseinandersetzung. Mahmoud Abu Khater ist 47 Jahre alt und Neurochirurg. Er studierte in Deutschland und arbeitet heute als Chefarzt im Shifa-Krankenhaus in Gaza-Stadt. Mit seiner Familie lebt er in einem Einfamilienhaus im Süden des Küstenstreifens. Die ersten Tage der jüngsten Eskalation wird er nie wieder vergessen. 800 Meter von seinem Haus entfernt schlugen Bomben ein.

"Es waren die schlimmsten drei Tage in meinem Leben. So etwas Schlimmes habe ich noch nie erlebt. Die Bombardierung - die Kinder haben Angst gehabt. Und das hinterlässt auf jeden Fall Spuren, die man nicht mehr beseitigen kann. Diese Angst ist begründet wegen der Raketenattacken der israelischen Soldaten. Die bombardieren ja viele Orte. Und das können die Kinder nicht ertragen. Sie weinen, sie machen in die Hose, wenn man das genau wissen will."

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Der Arzt Mahmoud Abu Khaker.

Botschaften aus verschiedenen Welten

Israel betont, zivile Opfer wann immer möglich zu vermeiden. Der Chefarzt verweist hingegen auf Ärztekollegen und ihre Familien, die in diesen Tagen getötet wurden.

Der Israeli Alsheich und der Palästinenser Abu Khater betonen, dass sie mit den Menschen auf der anderen Seite der Grenze kein Problem haben, dass es sie traurig macht, wenn Zivilisten der anderen Seite sterben. Als sie gefragt werden, welche Botschaft sie für die andere Seite haben, wird es interessant.

Der Israeli fordert die Menschen in Gaza auf, sich gegen die herrschende Hamas zu erheben, nicht gegen Israel.

Der Palästinenser Abu Khater fordert, dass die Israelis sich stärker für ein Ende der Ära des israelischen Premierministers einsetzen. "Netanjahu zieht das Volk in einen Krieg, der eigentlich nicht sein sollte."

"Die beiden Männer, die in diesen Tagen um die Sicherheit ihrer Familien bangen, leben in verschiedenen Welten. Sie wissen aber auch, dass sie nur ein paar Kilometer trennen. Beide wollen mit der anderen Seite in Frieden leben. Beide glauben, dass das noch möglich ist. Auch in diesem Punkt kommen die beiden Männer zur gleichen Einschätzung. Schon bald, glauben der Israeli und der Palästinenser, werde es zu einer Waffenruhe kommen.

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