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Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern spitzt sich weiter zu. Militante Palästinenser feuerten Hunderte Raketen auf Tel Aviv. Mehrere Menschen kamen ums Leben. Israel beschoss etwa 500 Ziele im Gazastreifen.

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Gewalt in Nahost: Eine neue Eskalationsstufe

Der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern spitzt sich weiter zu. Militante Palästinenser feuerten Hunderte Raketen auf Tel Aviv. Mehrere Menschen kamen ums Leben. Israel beschoss etwa 500 Ziele im Gazastreifen.

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Von
  • Tim Aßmann

Gegen drei Uhr morgens Ortszeit heulten die Sirenen erneut in Tel Aviv. Laute Explosionen waren zu hören, als Geschosse des Luftabwehrsystems Raketen in der Luft trafen. In kurzer Zeit feuerten palästinensische Extremisten aus dem Gazastreifen mehrere Raketensalven Richtung Israel ab - offenbar um die Luftabwehr durch eine Vielzahl von Zielen zu überfordern.

"200 Raketen in kurzer Zeit"

Man habe insgesamt in kurzer Zeit rund 200 Raketen auf den Großraum Tel Aviv und das südisraelische Beersheba abgefeuert, teilte die Hamas mit, die den Gaza-Streifen kontrolliert. Auf israelischer Seite gab es Todesopfer. In Lod nahe Tel Aviv wurden eine Frau und ein sieben Jahre alter Junge durch einen Raketeneinschlag getötet.

Der Beschuss von Tel Aviv begann gestern Abend gegen 20 Uhr deutscher Zeit. Im Vorort Risheon Letzion wurde ein Haus direkt getroffen. Eine Bewohnerin starb. Dieser Einwohner berichtete im israelischen Fernsehen von dem Einschlag:

"Genau in den Sekunden, in denen ich den Alarm hörte, spürte ich, dass es in meiner Nähe einschlagen wird und genau so war es. Autos sind explodiert und Leute schrien. Als ich den Ort erreichte sah ich kreischende Menschen und so viel Feuer. Das stellt sich keiner vor. Totales Chaos, ich habe die Frau, die gestorben ist gekannt, eine Nachbarin, die mir nahestand."
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Bildrechte: pa / dpa / Osama Baba

Im Gaza-Streifen werden Raketen abgefeuert

"Vereint vor einem unterlegenem Feind"

Mit dem Beschuss des Großraums Tel Aviv ist eine neue Eskalationsstufe erreicht. Israels Regierungschef Netanyahu wandte sich am Abend in einer Erklärung an die Bevölkerung und betonte, die Hamas werde für den Beschuss zahlen.

Israel stünde vereint "vor einem unterlegenen Feind", so der Premierminister. "Wir alle trauern um die Toten, wir alle beten für eine Genesung der Verletzten, wir alle stehen hinter der Armee und den Sicherheitskräften." Diese Militärkampagne werde Zeit brauchen, fügte er hinzu. "Entschieden, vereint und mit voller Stärke werden wir den Bürgern Israels die Sicherheit zurückbringen."

Israels Armee setzte ihre Angriffe auf Ziele im Gazastreifen fort. Generalstabschef Aviv Kochavi zog am Abend eine Art Zwischenbilanz. Mehr als 500 Ziele seien angegriffen worden, darunter Waffenlager und Produktionsstätten. "Wir töteten Dutzende Terroristen, unter ihnen auch Funktionäre und wir zerstörten Gebäude und Infrastruktur", so Kochavi. Das Luftabwehrsystem sei erfolgreich in der Raketenabwehr, "auch wenn der Schutz nicht immer hermetisch ist".

Mehr als 30 Tote auf palästinensischer Seite

Palästinensische Medien berichteten von schweren israelischen Angriffen in allen Teilen des Gazastreifens. Bis zum späten Abend meldeten die palästinensischen Gesundheitsbehörden 30 Tote durch die Angriffe, darunter auch Zivilisten.

In der Nacht soll es weitere Todesopfer gegeben haben. Am frühen Abend war ein 13-stöckiges Gebäude in Gaza-Stadt Ziel eines israelischen Luftangriffs und fiel danach in sich zusammen. In dem Haus waren Büros der Hamas-Führung. Die israelische Armee hatte vor dem Angriff gewarnt und zum Verlassen des Gebäudes aufgerufen.

Kurz darauf begann dann der palästinensische Raketenbeschuss auf Tel Aviv, den die Hamas als Reaktion auf den Angriff auf ihr Gebäude bezeichnete. Hamas-Anführer Ismail Haniye gab erneut Israel die Schuld an der Eskalation. Man sei mit möglichen Vermittlern im Kontakt betonte Haniye. Es habe ernste Gespräche "mit den Brüdern in Ägypten und den Vereinten Nationen" gegeben. "Wir haben allen gesagt, dass Israel das Feuer entfacht hat - in Jerusalem und der Al-Aksa-Moschee. Deshalb ist Israel verantwortlich für die Konsequenzen."

Im palästinensischen Westjordanland und erneut auch in Israel selbst gab es wieder schwere Ausschreitungen. Über die Stadt Lod wurde der Ausnahmezustand verhängt, nachdem es zu Zusammenstößen zwischen arabischen Einwohnern und der israelischen Polizei gekommen war.

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Aufräumarbeiten nach einem Raketeneinschlag in Holon bei Tel Aviv

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