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Gewalt in Bolivien: Ex-Präsident Morales fliegt nach Mexiko | BR24

© ABI/XinHua

Der bolivianische Präsident Evo Morales bei einer Pressekonferenz in El Alto.

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    Gewalt in Bolivien: Ex-Präsident Morales fliegt nach Mexiko

    Der zurückgetretene bolivianische Präsident Morales ist nach Mexiko geflogen. Dort erhielt er politisches Asyl. Die Lage in Bolivien bleibt weiter chaotisch. Das Militär kündigte "angemessene Gewalt" an.

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    Boliviens Ex-Präsident Evo Morales geht nach Mexiko ins Exil. Es schmerze ihn, Bolivien zu verlassen, erklärte Morales bei Twitter. Er werde aber mit "mehr Kraft und Energie" zurückkehren. Der mexikanische Außenminister Marcelo Ebrard bestätigte, dass Mexiko Morales politisches Asyl gewähre, weil seine "körperliche Unversehrtheit" in Bolivien bedroht sei. "Evo Morales ist in dem Flugzeug der mexikanischen Regierung, das geschickt wurde, um seinen sicheren Transport in unser Land gewährleisten", schrieb Ebrard auf Twitter.

    Mesa bittet um Hilfe der Polizei

    Nach dem Rücktritt des langjährigen bolivianischen Präsidenten Morales treiben marodierende Banden in dem südamerikanischen Land ihr Unwesen. Die sollen nun vom Militär aufgehalten werden. "Die Soldaten werden gemeinsam mit der Polizei Operationen durchführen, um Blutvergießen und Trauer zu verhindern", sagte der Kommandeur der Streitkräfte, Williams Kaliman. "Wir werden angemessene Gewalt anwenden gegen Vandalen-Gruppen, die Schrecken unter der Bevölkerung verbreiten."Aufgebrachte Anhänger des früheren Präsidenten plünderten nach Medienberichten Geschäfte, errichteten Barrikaden und legten Feuer. Im Regierungssitz La Paz und in El Alto wurden bei gewalttätigen Zusammenstößen mindestens 20 Menschen verletzt, wie die Zeitung "La Razón" berichtete.Der bei den jüngsten Wahlen unterlegene Präsidentschaftskandidat Carlos Mesa schrieb auf Twitter: "Viele Leute warnen mich, dass ein Mob zu meinem Haus zieht, um es zu zerstören. Ich bitte die Polizei, das zu unterbinden."

    Rücktritt auf Druck des Militärs

    Die erste Nacht nach seinem Rücktritt hatte Morales offenbar in einem einfachen Haus in seiner Hochburg Cochabamba verbracht. Er veröffentlichte auf Twitter ein Foto, das ihn auf einer Wolldecke auf dem Boden eines schmucklosen Zimmers zeigt. "Das erinnerte mich an meine Zeiten als Gewerkschaftsführer", schrieb er dazu.

    Auf Druck des Militärs war er am Sonntag nur drei Wochen nach seiner umstrittenen Wiederwahl zurückgetreten. Der Sozialist hatte sich nach der Abstimmung am 20. Oktober zum Sieger in der ersten Runde erklärt, obwohl die Opposition und internationale Beobachter erhebliche Zweifel anmeldeten. Seine Gegner warfen ihm Wahlbetrug vor.

    Der erste indigene Präsident des Landes hatte dem Armenhaus Südamerikas eine lange Zeit der politischen Stabilität und der wirtschaftlichen Entwicklung beschert. Er sorgte dafür, dass die satten Gewinne aus der Gas- und Lithium-Förderung größtenteils im Land blieben und auch der indigenen Bevölkerungsmehrheit zugute kamen. Um sich seinen Traum zu erfüllen und bis zur 200-Jahr-Feier der Unabhängigkeit 2025 im Amt zu bleiben, überspannte er den Bogen allerdings: Die Organisation Amerikanischer Staaten (OAS) hatte in einem vorläufigen Bericht Manipulationen bei der Präsidentenwahl festgestellt und eine Annullierung empfohlen.