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Gesundheitsminister Spahn fordert Werbeverbot für Schönheits-OPs | BR24

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Werbung für Schönheits-Operationen setze Jugendliche unter Druck, ihr Aussehen operativ zu verändern. Darum fordert der Gesundheitsminister Spahn ein Werbe-Verbot. Was hält die Spezialistin für plastische Chirurgie Dr. Constance Neuhann-Lorenz davon?

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Gesundheitsminister Spahn fordert Werbeverbot für Schönheits-OPs

Werbung für Schönheits-Operationen setze Jugendliche unter Druck, ihr Aussehen operativ zu verändern, meint Gesundheitsminister Spahn und fordert ein Werbe-Verbot. Was hält die Spezialistin für plastische Chirurgie Dr. Constance Neuhann-Lorenz davon?

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Ein erweitertes Werbeverbot soll Jugendliche nach Plänen von Gesundheitsminister Jens Spahn stärker vor unnötigen Schönheitsoperationen bewahren. Spahn kritisiere derlei Werbung zurecht, sagt die Spezialistin für plastische Chirurgie Dr. Constance Neuhann-Lorenz im Interview mit der Bayern 2 radioWelt. Doch sei ein solches Gesetz kaum durchsetzbar.

Bayern 2-radioWelt: "Du bist ok, genau so wie du bist" – Dieses Signal sollte unsere Gesellschaft an junge Menschen senden. Das meint Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Dem widerspricht in seinen Augen die Werbung für Schönheitsoperationen. Hat Bundesgesundheitsminister Spahn Recht mit seinem Vorstoß, die Werbung für Operationen verbieten zu lassen?

Dr. Constanze Neuhann-Lorenz: Absolut! Aber so sehr ich es begrüße, so zahnlos ist ein solches Gesetz. Wir haben schon vor zehn, zwanzig Jahren immer wieder versucht, im Rahmen von Thementagen in den Medien auf das Problem der Werbung hinzuweisen. Insbesondere mit Vorher- Nachher-Bildern, die ja verboten sind. Wir sind aber nie wirklich auf offene Ohren gestoßen. Denn es ist ein großer Markt, besonders die minimal invasiven Eingriffe wie Unterspritzungen oder Botulinum-Einspritzungen. Und selbst wenn es gelingt, ein Werbeverbot europäisch abzustimmen, wird es zahnlos bleiben, weil die Verbreitung über das Internet aus Ländern, in denen es kein Werbeverbot gibt, nicht zu unterbinden ist.

Müsste man dann nach ihrer Meinung noch weitergehen und bestimmte Operationen ganz verbieten?

Im Grunde ist es wünschenswert, dass junge Leute nicht dazu angehalten werden, sich in dieser Weise so massiv zu verändern, aber die gesamte plastische oder ästhetische Chirurgie für junge Leute zu verbieten macht keinen Sinn. Denken sie nur an abstehende Ohren, die vorzugsweise in sehr jungem Alter operiert werden sollten, oder Brustoperationen zur Angleichung, die gemacht werden sollten, um den Betroffenen schwere psychische Schäden zu ersparen.

Was entgegnen Sie denn einer jungen Frau, die in Ihre Praxis kommt, um sich die Lippen aufspritzen zu lassen?

Da würde ich sagen: Das machen wir auf keinen Fall unter 18 und Sie können auch ohne solche Eingriffe genauso erfolgreich im Leben sein. Junge Menschen brauchen keine Botulinum-Einspritzungen unter den Augen oder Hyaluronsäure in den Lippen, um wirklich attraktiv zu sein.

Sie haben eingangs gesagt, ein Verbot von Werbung wird nichts bringen. Was würden sie denn Jens Spahn raten, wenn er sie fragen würde?

Man müsste viele Programme auflegen, um das Selbstbewusstsein junger Menschen außerhalb des geschönten Erscheinungsbildes auf Instagram etc. zu stärken und andere Methoden zur Verbesserung des Selbstbewusstseins aufzeigen. Außerdem sollte man auf die Gefahren hinweisen und vor allem darauf, dass man nur zu ausgebildeten Ärzten gehen darf.