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Geschleuste im Kofferraum

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Geschäftsmodell Menschenschmuggel

Immer mehr Schleuserbanden profitieren vom anhaltenden Flüchtlingsstrom. Gut organisierte Kriminelle verdienen damit mittlerweile ein Vermögen. Von Stefanie Gentner und Ernst Eisenbichler

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Schleuserdienste haben längst einen kommerziellen Charakter angenommen. Nach Drogenhandel sei Menschenschmuggel inzwischen das profitabelste Geschäft, behaupten die Italiener Andrea Di Nicola und Giampaolo Musumeci, Autoren des kürzlich erschienenen Buches "Bekenntnisse eines Menschenhändlers". 

International agierende Schleuserbanden haben Strukturen aufgebaut, um Flüchtlinge aus Bürgerkriegsgebieten wie Syrien oder verarmten Staaten in Afrika über den Land-, See- oder Luftweg zu transportieren. Die Kriminellen wissen: Für viele Flüchtlinge sind Schlepper die einzige Möglichkeit, der Armut, Verfolgung und Hoffnungslosigkeit zu entkommen. Allein schafft es kaum noch ein Flüchtling ins sichere Zielland.

Ruinöse Preise

Der Schlepperdienst ist nicht billig - schließlich ist ein solches Unternehmen illegal, aufwändig und in der Regel äußerst riskant. Umgerechnet rund 10.000 Euro kostet im Schnitt eine Flucht aus der Heimat nach Informationen der Internationalen Organisation für Migration (IOM). Um die horrenden Summen aufzubringen, müssen Menschen in den Herkunftsländern oft ihr gesamtes Hab und Gut verkaufen und unterwegs mit Vergewaltigung, Tod durch Ertrinken oder Ersticken in Containern rechnen.

Zusätzlich entstehen noch Aufpreise für Spezialverstecke in Autos, Lastwagen oder Bussen oder für gefälschte Pässe und Visa. 

Der Profit der Hintermänner

Viele Banden schlagen aus der Not ihrer "Kunden" kräftig Profit. Dabei verdienen die, welche die Schleusung direkt umsetzen - wie beispielsweise der Fahrer -, noch am wenigsten. Den Löwenanteil holen sich die Hintermänner. Längst sind die Schlepperbosse grenzübergreifend vernetzt.

"Fracht"-Verlust im Kalkül

Immer häufiger kommt es vor, dass Schlepperbanden zwar kassieren, aber es billigend in Kauf nehmen, dass die "Migrationsleistung" gar nicht erbracht wird. Sie lassen die Flüchtlinge in hilflosen Lagen zurück oder steuern sie in den möglichen Tod, etwa auf herrenlos treibenden Schiffen. Außerdem wird zunehmend das Phänomen beobachtet, dass Schleuser ihren Profit noch steigern, indem sie Flüchtlinge kidnappen und von deren Angehörige Lösegeld verlangen.

Buchung via Facebook

Eine gängige Methode, eine Flucht-Dienstleistung einzufädeln, bietet inzwischen das Internet. Schleuser posten zum Beispiel auf Facebook ihre Angebote inklusive Kontakttelefonnummer, Bootsfahrpläne, Wetteraussichten und Preise. In der Türkei, wo sich rund zwei Millionen geflohene Syrer aufhalten, öffnen immer mehr Vermittlungsbüros, in denen Flüchtlinge die per Facebook gebuchte "Reise" zahlen. 

Organisierte Kriminalität

Bis in die 1990er-Jahre war die Schlepperei in den meisten Staaten nicht unter Strafe gestellt. Erst dann kam es zu ersten Initiativen, um sie durch völkerrechtliche Verträge einheitlich zu kriminalisieren. Seitdem gilt Schlepperei als eine Art der organisierten Kriminalität. Von Stefanie Gentner und Ernst Eisenbichler.

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