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Gerüchteküche 2018: Lügen und verzerrte Wahrheiten | BR24

© Christian Ohde/picture alliance/chromorange

Fakten, gefühlte Wahrheiten und Lügen im Jahr 2018 (Symbolbild)

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    Gerüchteküche 2018: Lügen und verzerrte Wahrheiten

    Die meisten Falschbehauptungen, auf die wir gestoßen sind, drehen sich auch in diesem Jahr um die Themen Migration und Asyl. In Bayern stand auch die Landtagswahl im Fokus unserer Faktenprüfer.

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    Auch wenn die Zahl der Asylsuchenden in Deutschland zurückgeht, halten sich Falschmeldungen rund um das Thema Migration hartnäckig. So etwa das Narrativ, Zuwanderer seien krimineller als Deutsche. Dass die Wahrheit komplexer ist und die Zahlen und Statistiken eingeordnet werden müssen, haben wir in unseren Artikeln "Ist Bayern unsicherer geworden durch Zuwanderung?" und "Nein, Kriminalität in Bayern explodiert nicht durch Flüchtlinge" erklärt. Wann die Polizei die Nationalität von Tatverdächtigen nennt, haben wir hier aufgeschrieben.

    Auch den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump beschäftigte die Zuwanderung in Deutschland so sehr, dass er darüber twittern musste. Er behauptete, dass die Kriminalität in Deutschland wegen Zuwanderern um zehn Prozent gestiegen sei. Die Kollegen vom MDR und die Faktenchecker vom Recherchezentrum Correctiv haben gezeigt, warum diese Aussage falsch ist. Und dass die Zahl registrierter Straftaten in Deutschland die niedrigste seit dem Jahr 1992 ist. Wie sich die Kriminalität in Deutschland ohne Zuwanderung entwickelt hätte, bleibt eine hypothetische Frage.

    Von Münster bis Straßburg: Fakes boomen bei "Breaking News"

    Besonders in unübersichtlichen Lagen wie bei Angriffen oder Anschlägen haben Fakes Hochkonjunktur. Da die Polizei erst ermitteln und Journalisten auf bestätigte Informationen warten müssen, ehe sie berichten, haben Gerüchte leichtes Spiel. Wie selbst Politiker solche Ereignisse instrumentalisieren, um ihre fremdenfeindlichen Botschaften zu äußern, haben die Kollegen vom ARD-Faktenfinder der Tagesschau beispielhaft an der Auto-Attacke in Münster vom April gezeigt. Nach dem Anschlag in Straßburg im Dezember lieferten Verschwörungstheoretiker angebliche "Beweise" dafür, dass die französische Regierung dahinter steckt.

    Diskussionen um PAG, private Seenotretter und Bamf-"Skandal"

    Als im Mai Zehntausende wegen des Polizeiaufgabengesetzes in Bayern auf die Straße gingen, verteidigte Innenminister Joachim Herrmann die Neuerung und sah sich einer Desinformationskampagne ausgesetzt. Unser Faktencheck hat die widersprüchlichen Behauptungen zum PAG eingeordnet.

    Sollen private Helfer im Mittelmeer Geflüchtete aus Seenot retten? Ob man diese Frage überhaupt zur Disposition stellen dürfe, diskutierten viele, spätestens als die Wochenzeitung "Die Zeit" in einem stark kritisierten Text Vor- und Nachteile von privater Seenotrettung abwägte. Wir haben Untersuchungen durchforstet und Migrationsforscher gefragt, ob Seenotrettung die Zahl Geflüchteter tatsächlich erhöht.

    Im Frühjahr war das bestimmende Thema der "Skandal" um das Bremer Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf). Welche der Vorwürfe am Ende übrigblieben, hat sich der ARD-Faktenfinder angeschaut.

    Satiremeldung mit Folgen

    Im Sommer blickten die Deutschen gebannt auf den Asylstreit zwischen CDU und CSU, die große Koalition stand auf dem Spiel. In dieser angespannten Stimmung meldete die Nachrichtenagentur Reuters, Bundesinnenminister und CSU-Chef Horst Seehofer wolle das Bündnis mit der CDU aufkündigen. Reuters und andere Medien wie Focus Online, Bild und NTV waren allerdings einem Fake aufgesessen. Ein Redakteur des Satiremagazins Titanic hatte seinen Twitter-Account verändert und die Meldung im Namen eines fiktiven Kanals, angeblich des Hessischen Rundfunks, veröffentlicht.

    "Hetzjagdszenen" in Chemnitz und Maaßens Abgang

    Über Wochen stand in diesem Jahr die Stadt Chemnitz im Fokus der Öffentlichkeit. Nachdem ein Mann am Rande des Stadtfestes am 26. August getötet wurde, kam es zu Protesten von rechten und rechtsextremen Kräften und als Reaktion darauf zu Gegendemonstrationen von breiten Bevölkerungsgruppen. Der damalige Präsident des Verfassungsschutzes Hans-Georg Maaßen zweifelte daran, dass es zu Hetzjagden auf ausländisch aussehende Menschen gekommen sei. Ganz konkret befand er ein Video, das zum Beispiel die Tagesschau als Beleg heranzog, als nicht authentisch. Wir haben gezeigt, warum Maaßen im Unrecht war, weshalb das Video echt ist - und wir haben weitere umstrittene Fälle aus der sächsischen Stadt rekonstruiert.

    Keine Vergewaltigungsorgien auf der Wiesn

    Das Münchner Oktoberfest musste schon häufiger für Fakes herhalten. In diesem Jahr beklagte die Polizei nach einem Todesfall, dass im Internet falsche Behauptungen vor allem über die angebliche Herkunft des mutmaßlichen Täters gestreut wurden. Auch von angeblichen Vergewaltigungsorgien auf der Wiesn war die Rede - eine weitere Falschinformation.

    Falsche Stifte? Die Landtagswahl in Bayern

    In Bayern waren Faktenprüfer im Jahr 2018 vor allem bei der Landtagswahl eingespannt. In den Wochen um den 14. Oktober kursierte im Netz der diffuse Vorwurf, die Wahl werde manipuliert. Es würden die falschen Stifte benutzt, Prognosen zu schnell erstellt oder Stimmen der AfD gegen die der Grünen ausgetauscht. Belege lieferten die Internetnutzer nicht.

    Am Wahltag platzierte der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer von den Grünen die größte Falschmeldung. Auf Facebook veröffentlichte er die angebliche "Eilmeldung", dass Angela Merkel und Horst Seehofer als Vorsitzende der CDU beziehungsweise CSU zurücktreten würden. Zudem wurden im Internet viele kleine Falschmeldungen und Gerüchte gestreut. Eine erfolgreiche und klar koordinierte Aktion von Netzwerken konnten wir aber nicht feststellen.

    Rechte Kräfte setzen ein Thema: der UN-Migrationspakt

    Mit dem UN-Migrationspakt haben rechte Kräfte, darunter die Alternative für Deutschland, ein Thema für sich entdeckt, das etablierte Medien zunächst als nicht relevant einstuften. Ein wiederkehrender Vorwurf lautete - auch wenn er offensichtlich falsch war -, die internationale Vereinbarung werde im Geheimen ausgehandelt. Wir haben erklärt, ob wirklich etwas dran ist an weiteren Vorbehalten gegen den Pakt und warum über den UN-Migrationspakt mehr diskutiert wird als über den UN-Flüchtlingspakt.

    (Mitarbeit: Bernd Oswald)