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Germanwatch-Klimaschutzindex: Deutschland nur im Mittelfeld | BR24

© BR/Jakob Mayr

Trotz Klimapakets liegt Deutschland im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld. Das ist ein Ergebnis des Klimaschutz-Index, den die Organisation Germanwatch und das NewClimate Institute bei der UN-Klimakonferenz in Madrid vorgestellt haben.

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Germanwatch-Klimaschutzindex: Deutschland nur im Mittelfeld

Trotz des Klimapakets liegt Deutschland im internationalen Vergleich nur im Mittelfeld. Das ist ein Ergebnis des Klimaschutz-Index, den die Organisation Germanwatch und das NewClimate Institute bei der UN-Klimakonferenz in Madrid vorgestellt haben.

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Schweden und Dänemark leisten beim Klimaschutz im internationalen Vergleich am meisten – wenn es darum geht, den Ausstoß klimaschädlicher Gase zu senken, erneuerbare Energien zu fördern und sich ehrgeizige Ziele zu setzen.

Der Klimaschutz-Index der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch kritisiert Schweden zwar wegen der hohen Pro-Kopf-Emissionen und wegen eines schwachen Minderungsziels für 2030. Die Fachleute heben aber die guten politischen Rahmenbedingungen hervor. Dänemark klettert im Vergleich zum Vorjahr um zehn Plätze nach oben und ist jetzt das Land mit der zweitbesten Bewertung. Dahinter Marokko, das unter anderem für seine Pläne zum Ausbau der Stromerzeugung aus Sonne und Wind gelobt wird.

Klimaschutz: Indien zum ersten Mal unter den Top Zehn

Der Politische Direktor von Germanwatch, Christoph Bals, bewertet die Ergebnisse, die die Untersuchung wiederspiegelt, als einen positiven Trend. "Wir betrachten hier ja die 57 größten Emittenten der Welt." Es sei ein "Zeichen der Hoffnung, dass immerhin in 31 dieser Länder die Emissionen inzwischen sinken."

Indien ist zum ersten Mal unter den Top Zehn platziert: Dort sind die Pro-Kopf-Emissionen vergleichsweise niedrig, der Energieverbrauch mäßig und es gibt Pläne, erneuerbare Energien zu stärken. Deutschland liegt im Mittelfeld auf Platz 23 – noch hinter der Ukraine, Ägypten oder Brasilien.

"Das ist deswegen, weil auch 2017 die Emissionen leicht gesunken sind, aber auch weil in der Politikbewertung das Klimaschutzgesetz, der CO2-Preis und der Kohleausstieg zumindest etwas besser bewertet worden sind, obwohl das bei weitem nicht ausreichend ist, als das davor der Fall gewesen ist", erklärt Germanwatch-Direktor Christoph Bals.

Handelskonflikt zwischen China und US bremst Klimaziele

Der weltweit größte Emittent China liegt auf Platz 30, also hinter Deutschland. Nach Ansicht der Fachleute bremse der Handelskonflikt mit den USA Pekings Anstrengungen, stärker auf erneuerbare Energien zu setzen. Das Land sei demnach weiter abhängig von der Kohle, aber auf dem Weg, seine Ziele und Versprechen aus Paris umzusetzen.

Die drei hintersten Plätze belegen Taiwan, Saudi-Arabien und Schlusslicht USA. Dort gibt es weder ein Ziel, noch politische Rahmenbedingungen, um die sehr hohen Emissionen zu senken. Zudem hat US-Präsident Donald Trump offiziell den Ausstieg aus dem Pariser Abkommen angekündigt. Darin haben 197 Vertragsparteien vereinbart, die Erderwärmung bis zum Ende des Jahrhunderts deutlich unter zwei Grad oder sogar bei 1,5 Grad halten zu wollen. Die Analyse-Website "Climate Action Tracker" untersucht, wo die Staaten des Pariser Abkommens dabei stehen – was sie angekündigt und wirklich getan haben.

Klimapolitik in "hohem Maße ungenügend"

"Wenn die Länder all das machen, was sie jetzt beschlossen haben, dann kommen wir auf drei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts", sagt der Gründer des "Climate-Action-Tracker", Niklas Höhne. "Wenn sie das machen, was sie versprochen haben, dann kommen wir auf 2.8 Grad. Das ist alles ein bisschen weniger als letztes Jahr noch, aber weit weg von 2 Grad oder 1.5, wo wir eigentlich hinmüssen."

Auch Deutschlands Klimapolitik bekommt die Bewertung "in hohem Maße ungenügend", weil die Maßnahmen des Klimapakets laut "Climate Action Tracker" nicht reichen würden und der Kohleausstieg zu spät komme.

Klimawende abhängig vom größten CO2-Emittenten China

Weltweit führt dem Bericht zufolge besonders die wachsende Nutzung von Erdgas zu steigenden Emissionen. In Europa sinkt der Ausstoß von Treibhausgasen leicht. Die Studie sieht einen Anstieg bei erneuerbaren Energien um rund 50 Prozent oder 1.200 Gigawatt über die kommenden fünf Jahre, vor allem durch Windkraft und Solarenergie.

Sorgen macht den Klimaschützern vorallem die Volksrepublik China, die weiter auf Kohle setzt. "China ist der größte Emittent. Was in China passiert, ist äußerst wichtig für das globale Niveau und wenn die Wende dort nicht schnell passiert, dann wird es sehr eng", fürchtet Niklas Höhne, der Gründer des "Climate-Action-Tracker".

Staaten noch weit entfernt von selbstgesteckten Klimazielen

Dafür sehe der "Climate Action Tracker" in anderen Ländern eine Trendwende zum Positiven – zum Beispiel in Südafrika, wo die Emissionen überraschend deutlich gesunken seien.

"Südafrika ist kohledominiert. Aber Kohle ist äußerst teuer geworden im Vergleich zu erneuerbaren Energien, die sehr günstig geworden sind und deshalb hat die Regierung beschlossen, sehr viele Kohlekraftwerke abzuschalten und deswegen ist das ein sehr positiver Trend", sagt Höhne.

Insgesamt jedoch kommen der "Climate Action Tracker" und Germanwatch zu dem Schluss, dass die Staaten von ihren selbstgesteckten Zielen beim Klimaschutz immer noch weit entfernt sind.

© BR.de

2015 haben die Staaten bei der Klima-Konferenz in Paris vereinbart, dass die Erderwärmung unter zwei Grad gehalten werden soll. Wird das in Madrid bestätigt, dann könnte die Konferenz ein Gewinn fürs Weltklima werden, so der BR-Reporter.