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Geplanter US-Angriff auf Iran: "Störung in der Kommandostruktur" | BR24

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Trump stoppt Vergeltungsschlag gegen Iran: Reaktionen

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Geplanter US-Angriff auf Iran: "Störung in der Kommandostruktur"

Trumps Entscheidung, einen geplanten Angriff auf den Iran im letzten Moment abzusagen, wird von vielen Seiten gelobt. Einige fragen sich allerdings, welchen Plan der US-Präsident eigentlich verfolgt.

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Es war eine Entscheidung im letzten Moment: Die Flugzeuge waren startklar für einen Vergeltungseinsatz gegen den Iran. Sie sollten iranische Militäreinrichtungen angreifen - als Reaktion darauf, dass der Iran eine US-amerikanische Drohne abgeschossen hatte. Im letzten Moment zog US-Präsident Donald Trump den Einsatzbefehl zurück.

Dem Fernsehsender NBC erklärte er: "Ich dachte nach und sagte: Sie haben eine unbemannte Drohne abgeschossen. Es gäbe 150 Tote, eine halbe Stunde, nachdem ich grünes Licht gebe. Das gefiel mir nicht, ich dachte, es ist nicht verhältnismäßig."

Laut Medienberichten widersetzte er sich damit dem Willen seiner Berater, unter anderem von Außenminister Mike Pompeo oder dem nationalen Sicherheitsberater John Bolton. Sie wollten einen begrenzten Angriff als Zeichen der Stärke.

Republikaner mit Lob und Kritik

Viele republikanische Politiker lobten Trump für den Rückzug, zum Beispiel der Abgeordnete Matt Gaetz: "Der Präsident ist nicht erpicht, in einen neuen Krieg zu taumeln, ein Krieg im Nahen Osten, der Machtverhältnisse ändern soll, endlos, ziellos, verfassungswidrig." Trump sei als ein Republikaner angetreten, "der Kriege nicht beginnen, sondern beenden wollte. Ich denke, er hat angemessene Vorsicht walten lassen".

Andere Republikaner kritisierten Trump für sein Zögern. Aus ihrer Sicht müssen die USA Härte zeigen. Die Republikanerin Liz Cheney sagte in einer Radiosendung:

"Wir können nicht zulassen, dass Amerikas Gegner eine Drohne abschießen und ungestraft davonkommen. Wir sahen den Schaden, den Präsident Barack Obama anrichtete, als er rote Linien verkündete und sie nicht durchsetzte. Das Versagen, auf diese Provokation zu reagieren, könnte ein schwerer Fehler sein." Republikanerin Liz Cheney

Auch andere Hardliner bemängelten, Trumps zögern unterwandere die amerikanische Glaubwürdigkeit. Der konservative Sicherheit-Experte Michael Makovsky sagte, Trump habe den Eindruck gemacht, er habe die Nerven verloren.

Demokraten erleichtert und besorgt

Die Demokraten zeigten sich erleichtert, dass es nicht zu einem Angriff auf Iran gekommen ist. Trotzdem waren sie mit dem Präsidenten nicht zufrieden. Der Abgeordnete Anthony Brown sagte: "Am Ende traf er die richtige Entscheidung, aber es beweist eine Störung in der Kommandostruktur." Zehn Minuten vor einen möglichen Schlag gegen Iran so eine Entscheidung zu treffen, beweise "einen Mangel an Wissen und Verständnis beim Oberbefehlshaber, dem Präsidenten."

Vieles an den Ereignissen ist ungewöhnlich: Trumps Entscheidung in letzter Minute, aber auch seine Bereitschaft, seine Beweggründe offen bei Twitter auszubreiten. "Wenn man den Präsidenten beim Wort nimmt: Der entscheidende Faktor, wie viele Menschen ums Leben kommen, war ihm nicht bewusst, bis kurz vor dem Einsatz. Das zeigt mir einen Zusammenbruch des Prozesses", sagte Brett McGurk, Trump-Kritiker und früherer Diplomat mit Erfahrung im Nahen Osten sagte dem Fernsehsender PBS. "Das sollte der erste Fakt auf dem Tisch sein."

Die Frage bleibt, wie die Trump-Regierung jetzt ihre Politik des maximalen Drucks auf Iran weiterführen will. Trump sagte, er habe keine Eile. Die Sanktionen gegen Iran hätten bereits einen Effekt. Das Militär sei allzeit bereit.

© BR

Die Lage am Golf bleibt extrem angespannt. Obwohl US-Präsident Trump einen Angriff auf iranische Ziele kurzfristig absagte. Die UNO rief beide Seiten zum Dialog auf. Aber der KRIEG der Worte geht weiter.