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Georg Bätzing: Der neue "Moderator" der katholischen Kirche | BR24

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Die deutschen Bischöfe wählten heute in Mainz den Limburger Bischof Bätzing zu ihrem neuen Vorsitzenden. Er tritt damit die Nachfolge von Reinhard Kardinal Marx an.

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Georg Bätzing: Der neue "Moderator" der katholischen Kirche

Konklave-Stimmung in Mainz: Bei der Wahl des Vorsitzenden der katholischen Deutschen Bischofskonferenz war der Ausgang kaum vorherzusagen. Am Ende wurde es der Limburger Bischof Georg Bätzing. Wohin wird er die Kirche lenken?

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Es gab keine Favoriten, keine Kandidaten. Alle 26 Ortsbischöfe waren wählbar. Alle 68 anwesenden Bischöfe und Weihbischöfe durften wählen. In den ersten beiden Wahlgängen musste ein Kandidat mindestens zwei Drittel der Stimmen auf sich vereinen. Volker Resing beobachtete für die Herder-Korrespondenz die Wahl in Mainz. "Bei einem Wahlverfahren ohne Kandidaten und Bewerbungsreden ist es sehr schwierig, zwei Drittel der Stimmen aus dem Nichts zu holen", so Resing.

Kein weißer Rauch, keine Glocken

Ab dem 3. Wahlgang genügt die absolute Mehrheit. Und hier hat sich der Limburger Bischof Georg Bätzing durchgesetzt. Das weitere Prozedere war dann sehr unspektakulär, kein weißer Rauch, keine Glocken. "Man nimmt seine Tasche, der Kardinal ist dann einen Stuhl weitergerückt, der Vorsitzende nimmt Platz und versucht die Tagesordnung weiter zu verfolgen", berichtete der frisch gewählte Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing, am Mittag in Mainz. Und der "Kardinal", also sein Vorgänger Reinhard Marx, sagte: "Die Entzugserscheinungen halten sich in Grenzen."

"Trotz der Schwierigkeiten, trotz der Auseinandersetzungen und immer neuen Diskussion und einer gewissen Drucksituation, muss ich rückblickend sagen: Es hat mir auch Freude gemacht." Kardinal Reinhard Marx

Nun muss Georg Bätzing diese Diskussionen führen und den Druck aushalten, der auf dem Vorsitzenden der deutschen Bischofskonferenz lastet: Da sind die Erwartungen vieler Kirchenmitglieder, dass sich endlich etwas ändert in der katholischen Kirche in Deutschland. Da sind die Sorgen einiger konservativer Bischöfe, dass sich zu viel ändert.

"Ich muss niemandem verhehlen, dass das Miteinander in der Bischofskonferenz nicht nur einmütig ist. Es wäre sehr seltsam, wenn sich hier nicht abbilden würde, was gesamtgesellschaftlich da ist, dass Meinungen auseinanderklaffen. Dass es oft an der Möglichkeit des Gesprächs untereinander mit verschiedenen Meinungen fehlt." Georg Bätzing, Bischof von Limburg

Bätzing als Moderator zwischen den Meinungen?

Die Bischöfe haben sich einen Moderator als neuen Vorsitzenden gewünscht, und sie haben einen Moderator gewählt. "Ich habe ein Interesse daran, den Menschen zuzuhören", sagt Bätzing, "und zu verstehen, was hinter bestimmten Meinungen oder Plakaten steht."

Entscheidend dürfte allerdings die Tatsache gewesen sein, dass Bätzing hundertprozentig hinter dem Synodalen Weg steht, auf dem sich die katholische Kirche seit Anfang des Jahres befindet. Er ist als Bischof von Limburg Gastgeber bei den Synodalversammlungen. Und sieht ähnlich wie sein Vorgänger Kardinal Marx Reformbedarf: Bätzing forderte bei der ersten Synodalversammlung eine Öffnung der katholischen Sexuallehre. Außerdem kann er sich eine Aufhebung des Pflichtzölibats für Priester in Deutschland vorstellen. Für Christian Weisner, Sprecher der kritischen Initiative "Wir sind Kirche", ist Bätzing der richtige Mann, um den Reformprozess fortzusetzen.

"Es wird vor allem darauf ankommen, dass die Bischofskonferenz hinter ihm steht. Es darf nicht mehr so Querschläge geben, dass Initiativen des Vorsitzenden kaputt gemacht werden." Christian Weisner, "Wir sind Kirche"

Auch von evangelischer Seite gab es Glückwünsche. Der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm nannte Bätzing einen "ökumenisch höchst aufgeschlossenen und menschlich sehr angenehmen Gesprächspartner". Ein guter Draht zum neuen Bischofskonferenz-Vorsitzenden wird schon bald notwendig sein: 2021 laden die Kirchen zum Ökumenischen Kirchentag nach Frankfurt. Katholischer Gastgeber ist dann der Bischof von Limburg, Georg Bätzing.

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Die deutschen Bischöfe wählten heute in Mainz den Limburger Bischof Bätzing zu ihrem neuen Vorsitzenden. Er tritt damit die Nachfolge von Reinhard Kardinal Marx an. Dazu BR-Reporter Tilmann Kleinjung.