BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: EKD

Sie ist die bislang jüngste Vorsitzende der EKD-Synode - die 25-jährige Studentin Anna-Nicole Heinrich aus Regensburg. Bei der digitalen Sitzung des Kirchenparlaments setzte sie sich bereits im ersten Wahlgang durch.

9
Per Mail sharen
  • Artikel mit Audio-Inhalten

Anna-Nicole Heinrich ist neue Vorsitzende der EKD-Synode

Sie ist die bislang jüngste Vorsitzende der EKD-Synode - die 25-jährige Studentin Anna-Nicole Heinrich aus Regensburg. Bei der digitalen Sitzung des Kirchenparlaments setzte sie sich bereits im ersten Wahlgang durch.

9
Per Mail sharen
Von
  • Tilmann Kleinjung

Anna-Nicole Heinrich ist an die Spitze der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) gewählt worden. Die 25-jährige setzte sich am Samstag bei der digitalen konstituierenden Sitzung des Kirchenparlaments gegen die Juristin Nadine Bernshausen aus Hessen durch.

In der evangelischen Kirche ist Heinrich keine Unbekannte. Die Regensburger Studentin ist Mitglied der bayerischen Landessynode, war Jugenddelegierte in der EKD-Synode. Im Frühjahr organisierte sie einen großen Online-Kongress unter dem Hashtag "miteinanderglauben".

Kirche zukunftsfähig machen

Da wirkt sie dann eher wie eine YouTuberin als wie jemand, der sich für die Kirche engagiert. Sie spricht ganz selbstverständlich mit Gendersternchen und lacht selbstbewusst in die Kamera: Kirche von morgen muss sich bewegen, findet sie, muss digital werden und divers, queer, inklusiv, mit mehr "Street Credibility", also Glaubwürdigkeit, auch für junge Leute.

"Junge Erwachsene sind in der Phase, wo viele Umbrüche stattfinden, wo man oft Ortswechsel hat", erklärt Heinrich. "Wo man sich entschließt, wo die Reise hingeht. Ob man jetzt spießig werden will oder durch die Welt reisen will." Da sei es "super schwer" für einen jungen Erwachsenen herauszufinden, was man gerade braucht und auch für die Kirche, darauf reagieren zu können.

Die Kirche verliert vor allem junge Menschen. Viele Untersuchungen zeigen, dass der Traditionsabbruch bei jungen Erwachsenen, also irgendwo auf der Strecke zwischen Jugend und Berufsleben, am größten ist. Genau in diesem Alter ist Heinrich, und sie präsentiert bei ihrer Vorstellung vor der EKD-Synode eine Idee, wie sich die evangelische Kirche aufstellen muss, um zukunftsfähig zu sein.

Wahlsieg im ersten Durchgang

"Hoffnungsvoll, integrierend und pragmatisch. Mit diesem Profil bewerbe ich mich, 13 Jahre, nein 25 Jahre alt um das Amt der Präses der Evangelischen Kirche in Deutschland", so Heinrich. "Und bedanke mich schon jetzt für das wahnsinnige Vertrauen, das mir mit der Nominierung entgegengebracht worden ist."

Den Versprecher haben ihr die Synodalen verziehen. Und sie wählten die 25-jährige gleich im ersten Wahlgang zu ihrer Vorsitzenden. Geholfen haben mag dabei die Tatsache, dass sie auch vom konservativen Arbeitskreis in der EKD-Synode unterstützt wurde.

Oberpfälzerin aus einer "nicht-christlichen" Familie

Heinrich ist in der Oberpfalz aufgewachsen, sie stamme aus einer nicht-christlichen Familie, sagte sie vor ihrer Wahl. Getauft wurde sie als Schulkind, und ist dann hineingewachsen in die Evangelische Kirche: Jugendarbeit, Engagement über die Gemeinde hinaus.

Heinrich hat im Zukunftsteam der EKD mitgearbeitet und dort zwölf Leitsätze für eine Reform der Kirche formuliert. Dass sie etwas ändern will und dass sich etwas ändern muss, hat Heinrich heute bei ihrer Vorstellung deutlich gemacht: Sie wirbt für eine optimistische Perspektive. Nicht einigeln sondern "hinaus in die Weite". Und das ökumenisch. Die Philosophie-Studentin ist wissenschaftliche Hilfskraft an der katholischen Fakultät Regensburg.

"Raus aus der Bubble und Einheit in Vielfalt üben", so beschreibt sie es selbst. "Prägungs- und konfessionsübergreifend. Nicht polarisierend. Sondern im ständigen Gespräch. Oder anders gesagt: Geht hinaus in die Weite. Zuversichtlich, gemeinsam und tatkräftig. So höre ich unseren Auftrag als Kirche und aus dieser Grundhaltung gestalte ich sie mit. "

Bedford-Strohm nennt Wahl "historisch"

Die erste große Aufgabe von Heinrich wird es sein, im November die Wahl eines neuen Ratsvorsitzenden, der oder die Heinrich Bedford-Strohm nachfolgen wird, zu organisieren. Der bayerische Landesbischof nannte die Wahl der neuen Synodenpräses "historisch".

Dass die Synode der EKD eine 25-jährige Studentin zur Präses gewählt hat, sei ein starkes Zeichen. "Für unsere Kirche, aber auch für die Öffentlichkeit und für die Bedeutung, die junge Menschen für die Gestaltung der Zukunft haben."

Heinrichs Vorgängerin, die ehemalige FDP-Ministerin Irmgard Schwaetzer ist 79 Jahre alt.

"Darüber spricht Bayern": Der BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick - kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht's zur Anmeldung!