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Generalstreik in Frankreich: 800.000 gegen Macron | BR24

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Generalstreik in Frankreich. Schulen sind geschlossen, Züge fahren nicht, Beamte und Feuerwehrleute streiken. Sie protestieren gegen die geplante Renten-Reform, die auch viele Privilegien abschaffen will.

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Generalstreik in Frankreich: 800.000 gegen Macron

Es sind die größten Proteste in der Amtszeit von Präsident Macron: Hunderttausende haben in Frankreich gegen die geplante Rentenreform demonstriert. Und die Protestierenden machen klar: Es ist noch nicht vorbei.

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Es herrscht schon fast Volksfeststimmung am Treffpunkt der großen Demonstration in Paris. Zwischen Ost- und Nordbahnhof sammeln sich schon weit vor Beginn des Demonstrationszuges Tausende Menschen. Entlang der Strecke werden Würstchen gegrillt, Gewerkschaftsmitglieder schenken heißen Tee und Kaffee aus.

Hinter einem großen Banner mit der Aufschrift "Unsere Renten gehören uns" steht Bernard Vallé. Er trägt eine pinkfarbene Warnweste der SNCF, der französischen Staatsbahn. "Ich streike für unsere Renten", sagt er. Als Eisenbahner gehört Vallé zu denjenigen, die von den Sonderrentenkassen profitieren. Als Zugführer zum Beispiel kann er schon zwischen 50 und 52 Jahren in Rente gehen. Wegen der geplanten Abschaffung der Sondersysteme fürchtet er, dass er länger arbeiten muss, um die volle Rente zu kriegen.

"Die Spezialkassen sind gerecht", sagt er. "Denn wir machen einen harten Job. Wir dürfen unsere Privilegien nicht verlieren." Als Zugführer arbeite man im Schichtdienst, sieben Tage die Woche. "Die können dich jederzeit anrufen und du musst kommen, auch sonntags. Wir haben Dienst zu unterschiedlichen Tageszeiten. Das ist schlecht für die Gesundheit."

Sondersysteme sollen abgeschafft werden

Präsident Emmanuel Macron und seine Regierung wollen das komplizierte französische Rentensystem mit seinen über 40 Kassen vereinheitlichen. Die Sondersysteme, die derzeit nicht nur für Eisenbahner, sondern auch für viele Beamte des öffentlichen Dienstes gelten, sollen abgeschafft werden.

Nicht weit entfernt von Vallé steht Nathalie Chevaugeant. Die Mittfünfzigerin arbeitet als Lehrerin. Sie hat ein Schild auf den Rücken gebunden: "Es reicht! Hört uns endlich zu!" Das geht klar an die Adresse der Regierung.

"Wir demonstrieren natürlich gegen die Rentenreform, aber auch gegen die Regierung", sagt Chevaugeant. "Wir haben die Schnauze voll davon, dass man uns alle sozialen Errungenschaften wegnimmt und uns das Leben immer schwerer macht."

Meist friedlicher Protest

Die große Unzufriedenheit mit Präsident Macron und seiner Regierung - auf der Demo ist sie deutlich zu spüren. Nach Schätzungen des Innenministeriums nahmen rund 806.000 Menschen an den Kundgebungen im ganzen Land teil. Die Gewerkschaft CGT sprach sogar von mehr als 1,5 Millionen Demonstranten. In Paris kam es am Nachmittag zu Ausschreitungen zwischen Aktivisten des Schwarzen Blocks und der Polizei. Die meisten Menschen in der Hauptstadt aber protestieren friedlich.

Nicht nur diejenigen die von der Rentenreform betroffen sind, ziehen durch die Straßen. Auch Ärzte, Krankenhauspersonal, Feuerwehrleute oder Polizisten demonstrieren mit. Die in Frankreich oft zerstrittenen Gewerkschaften haben branchenübergreifend mobilisiert.

Philippe Martinez, der Generalsekretär der kommunistischen Gewerkschaft CGT, erklärt die Forderungen an die Regierung: "Wir erwarten, dass uns die Regierung zu Beginn der zweiten Hälfte ihrer Amtszeit zuhört, uns Ernst nimmt und nicht mehr so tut, als wäre dieses Land nicht wütend. Wir werden uns morgen mit den anderen Gewerkschaften zusammensetzen und sehen, wie wir weiter machen. Ich kann ihnen sagen, es mangelt nicht an Entschlossenheit. Der Streik wird heute Abend nicht beendet sein."

Regierung will Details vorstellen

Bis mindestens Montag wollen vor allem die Eisenbahner und auch die Pariser Verkehrsbetriebe streiken. Andere Gewerkschaften wie die der Lehrer wollen von Tag zu Tag entscheiden, ob sie weitermachen.

Mitte kommender Woche will die Regierung die Details der Rentenreform vorstellen. Bis dahin nehmen Kabinett und Präsiden Macron den Streik erst einmal zur Kenntnis. Der Präsident verfolge die Geschehnisse im Land mit Ruhe und Entschlossenheit, heißt es aus dem Elysée-Palast.