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Gehyped oder gebashed? Fridays for Future in den Medien | BR24

© BR/Ferdinand Meyen

Fridays for Future war 2019 ein großes Thema in den Medien. FFF hat immer wieder die Schlagzeilen dominiert. Dabei sind Journalisten und FFF-Aktivisten laut Protestforschern eine Symbiose eingegangen und haben voneinander profitiert.

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Gehyped oder gebashed? Fridays for Future in den Medien

Fridays for Future war 2019 ein großes Thema in den Medien, hat immer wieder die Schlagzeilen dominiert. Dabei sind Journalisten und FFF-Aktivisten laut Protestforschern eine Symbiose eingegangen und haben voneinander profitiert.

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Im Verlauf des Jahres 2019 ist Fridays for Future zu einer weltweiten Protestbewegung herangewachsen. Auch in Bayern finden seit einem Jahr regelmäßig die Klimastreiks statt. Die ersten Teilnehmer erinnern sich, dass der Beginn klein und unorganisiert war. Doch inzwischen nehmen tausende junge Leute an den Demonstrationen teil. So sind beim globalen Klimastreik am 20. September 2019 in München 40.000 Menschen auf die Straße gegangen - in ganz Deutschland waren es sogar 1,4 Millionen.

Medien machen FFF groß

Diesen rasanten Zuwachs verdankt die FFF-Bewegung auch den Medien, die von Anfang an darüber berichtet haben, sagt der Protestforscher Dieter Rucht.

"Insgesamt ist der Tenor dieser Berichterstattung sehr positiv oder wohlwollend: sehr interessiert, in der Gesamttendenz sehr unterstützend." Dieter Rucht, Protestforscher vom Protestinstitut Potsdam

Der Soziologe beschreibt die Beziehung zwischen Medien und Fridays for Future als Symbiose. Der Schulstreik am Freitag sei von Beginn an eine Kontroverse gewesen, an der sich Massenmedien gerne gerieben hätten. Hinzugekommen sei die enorme Aufmerksamkeit durch die Person Greta Thunberg. Außerdem seien die Proteste gewaltfrei und orientierten sich vor allem an Zielen, die von der Politik bereits versprochen wurden.

"Diese Moderatheit erzeugt dann auch erstmal wenig Widerspruch und sehr viel Sympathie." Dieter Rucht, Protestforscher

Faktenbasierte Proteste

Es sind Proteste, die auf naturwissenschaftlichen Tatsachen beruhen. Schließlich erheben die jungen Leute Forderungen, die nötig sind, um das Pariser Klimaabkommen einzuhalten. Der faktenbasierter Protest klingt schon im Januar 2019 so:

"Wir wollen erreichen, dass in der Politik mal erkannt wird, was die Klimakatastrophe eigentlich bedeutet. Dass der Klimawandel da ist, ist seit Jahren bekannt, dass die technischen Lösungen da sind, auch, aber politisch passiert einfach viel zu wenig." Junger Demonstrant

Viele Journalisten sympathisieren mit FFF

Diese auf den Demonstrationen immer wieder artikulierte Kritik an Politikern, die seit Jahren nur über die Klimakrise reden, aber - nach Meinung der Aktivisten - nicht handeln, macht Fridays for Future für die Medien sympathisch, sagt Protestforscher Dieter Rucht. "How, dare you", wie es Greta Thunberg vor der UNO emotional artikulierte. Viele Journalisten würden solche Ansichten teilen.

"Es ist schon erkennbar, dass bei diesem Thema Fridays for Future oft eigene Meinung und Berichterstattung ineinanderfließen - zum Teil sehr subtil, zum Teil sehr ausdrücklich." Dieter Rucht, Protestforscher

Medien lassen FFF für sich sprechen

Die Medien berichten deshalb so gerne über die jungen Demonstrierenden, weil sie die eigene Kritik an der Umweltpolitik artikulieren, so Dieter Rucht. Objektive Berichterstattung und Neutralität sei für Journalisten aber ohnehin schwierig. Insofern hätten eigene Wertungen zu Fridays for Future ruhig noch stärker artikuliert und nicht als Fakten getarnt werden sollen, findet der Protestforscher.

"Wenn man der Meinung ist, dass unser gesamter Planet auf dem Spiel steht, kann man natürlich sagen: Das kann gar nicht genug Aufmerksamkeit verdienen." Dieter Rucht, Protestforscher

Aktivisten vermissen systemkritische Fragen in der Berichterstattung

Und die Aktivisten selbst? Auf den Demonstrationen herrschte im Jahr 2019 größtenteils Zufriedenheit mit der Berichterstattung. Nur zwei Dinge wurden häufiger kritisiert: Der zu große Fokus auf bestimmte Gallionsfiguren wie Greta – und: massentaugliche Aspekte, wie zum Beispiel Konsumkritik oder Verzichtsdebatten seien stärker im Fokus der Medien gewesen als systemkritische Fragen, wie zum Beispiel Kritik am Kapitalismus.

"Die meisten Zeitungen oder Medienhäuser sind natürlich nicht besonders erpicht darauf, antikapitalistische Positionen zu verbreiten, sondern sind froh, wenn jemand innerhalb des Systems argumentiert." Aktivistin aus München