BR24 Logo
BR24 Logo
Deutschland & Welt

Geheimdienste: CIA und BND hörten gemeinsam ab | BR24

© picture alliance / dpa

Fußboden der CIA-Zentrale in Washington

5
Per Mail sharen
Teilen

    Geheimdienste: CIA und BND hörten gemeinsam ab

    Mittels manipulierter Verschlüsselungstechnologie haben BND und CIA Medienberichten zufolge über Jahrzehnte mehr als 100 Länder ausspioniert. Eine Schweizer Firma spielte dabei eine entscheidende Rolle.

    5
    Per Mail sharen
    Teilen

    Der Bundesnachrichtendienst und der US-Auslandsgeheimdienst CIA haben nach Medienberichten mittels einer Verschlüsselungsfirma über Jahrzehnte hinweg mehr als 100 Staaten ausgespäht. Das bestätigten von führenden BND- und CIA-Mitarbeitern verfasste Akten, die das ZDF, die "Washington Post" und das Schweizer Fernsehen auswerteten.

    Den Berichten zufolge verließen sich Regierungen in aller Welt bei der Verschlüsselung ihrer Kommunikation auf die Schweizer Firma Crypto AG - im Unwissen darüber, dass diese seit 1970 in Besitz der CIA und des BND gewesen sei und die Geheimdienste in der Lage waren, die Verschlüsselung zu knacken.

    Kooperation soll 1993 geendet haben

    Der frühere Kanzleramtsminister Bernd Schmidbauer bestätigte dem ZDF die "Operation Rubikon". Der BND habe die Zusammenarbeit mit der CIA demnach aber 1993 beendet.

    "Der Bundesnachrichtendienst nimmt zu Angelegenheiten, welche die operative Arbeit betreffen, grundsätzlich nicht öffentlich Stellung." BND-Statement auf Anfrage.

    Die Schweizer Firma Crypto AG war den Medienberichten zufolge seit Ende des Zweiten Weltkriegs bis zum Beginn dieses Jahrhunderts einer der größten Anbieter für abhörsichere Kommunikation und verkaufte diese weltweit. Zu den Kunden zählten rund 120 Länder, darunter der Iran, südamerikanische Regierungen sowie Indien und Pakistan. BND und CIA waren demnach ab 1970 jeweils zur Hälfte Eigentümer der Firma. Die Kunden hätten nicht gewusst, dass BND und CIA die Technik manipulieren ließen.

    Dienste über viele Vorgänge informiert

    Die größten Abnehmer für die manipulierte Technik waren demnach Saudi-Arabien und der Iran. Jahrzehntelang seien deutsche und US-Stellen über die geheime Regierungskommunikation des Iran informiert gewesen, auch während der Geiselnahme in der US-Botschaft in Teheran 1979. Die Dokumente belegten außerdem erstmals, dass BND und CIA frühzeitig über den Sturz des chilenischen Präsidenten Salvador Allende 1973 und schwere Menschenrechtsverletzungen durch die argentinische Militär-Junta informiert gewesen seien.

    Manipulierte Systeme brachten Millionenprofite

    Den Berichten zufolge haben CIA und BND Millionen Euro an der Firma verdient. Das ZDF zitiert die ausgewerteten Papiere mit den Worten: "Die jährliche Gewinnausschüttung (...) wurde dem BND-Haushalt zugeschlagen, (...) Haushaltsausschuss und Rechnungshof hatten darüber keine Kontrolle."

    "Die zur Diskussion stehenden Ereignisse nahmen um 1945 ihren Anfang und sind heute schwierig zu rekonstruieren und zu interpretieren", teilte das Schweizer Verteidigungsministerium der Deutschen Presse-Agentur mit. Der Schweizer Bundesrat habe daher am 15. Januar Niklaus Oberholzer, bis Ende 2019 Bundesrichter, damit beauftragt, die Faktenlage zu klären.

    Schweizer Regierung startet Untersuchung

    Die Crypto AG sei 2018 in zwei Firmen aufgespalten worden, berichtete das ZDF. Den neuen Geschäftsleitungen lägen über die Zeit davor keine Erkenntnisse vor, hieß es. Die Schweizer Regierung untersagte derweil bis auf Weiteres die Generalausfuhrbewilligungen für Verschlüsselungstechnik der Nachfolgeunternehmen der Schweizer Firma, wie das Wirtschaftsministerium der Nachrichtenagentur AFP bestätigte. Die Schweizer Regierung ordnete zudem eine Untersuchung an.

    "Darüber spricht Bayern": Der neue BR24-Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!