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RKI gibt künftig geglättete R-Zahl heraus | BR24

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Prof. Dr. Lars Schaade, der Vizepräsident des Robert Koch-Instituts (RKI)

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RKI gibt künftig geglättete R-Zahl heraus

In den vergangenen Tagen hatte es vielfach Aufregung um die sogenannte Reproduktionszahl gegeben. Sie soll das Corona-Ansteckungsverhalten spiegeln. Das Robert Koch-Institut hat heute erklärt, künftig eine geglättete Zahl herauszugeben.

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Von
  • Magdalena Latz

Vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie stand in den vergangenen Tagen häufig die sogenannte Reproduktionszahl "R" im Mittelpunkt der Debatte. Sie gibt an, wie viele Menschen ein Corona-Infizierter durchschnittlich ansteckt. Doch "R" sei nicht alleine entscheidend bei der Bewertung der Pandemie-Entwicklung, warnte Lars Schaade, der Vizepräsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), bei der heutigen Pressekonferenz.

Verzögerungen bei Fall-Übermittlung

Ein anderer wichtiger Parameter zur Einschätzung der Dynamik sei etwa die Höhe der Neuinfektionen. "Darüber hinaus ist die Zahl der durchgeführten und davon positiv ausgefallenen Tests auch wichtig für die Beurteilung der Gesamtsituation", erklärte Schaade. Für die Entscheidung, ob stärkere Maßnahmen ergriffen werden müssten, sei dagegen auch die Be- und Auslastung des Gesundheitswesens wichtig.

Die neuen Corona-Fälle würden jeden Tag an das RKI übermittelt, teilweise würden sie jedoch erst mit einem Abstand von vier bis zehn Tagen gemeldet. Das Meldedatum liege also einige Tage nach dem Erkrankungsdatum, wie Schaade erklärt. "Das Erkrankungsdatum spiegelt aber den Verlauf der Epidemie viel besser wider."

Wie der R-Wert entsteht

Für die Berechnung der Reproduktionszahl wird die Zahl der Neuerkrankungen von vor vier Tagen durch die Zahl der Neuerkrankungen vier Tage zuvor geteilt. Die vier Tage ergeben sich durch die Zeit, in der ein Fall weitere Fälle anstecke. In diesem Zusammenhang sei es wichtig zu wissen, dass die Reproduktionszahl nicht tagesaktuell sei, sondern die Infektionsrate von vor etwa eineinhalb Wochen abbilde.

Aufgrund zu starker Schwankungen könne keine Aussage zu der Anzahl der Neuerkrankungen in den vergangenen drei Tagen gemacht werden. Der am Montag gemeldete Wert von 1,07 zum Beispiel basiere daher auf einem Vergleich der geschätzten Anzahl von Neuinfektionen in der Zeit vom 30. April bis zum 3. Mai mit denen vom 4. bis zum 7. Mai.

Schaade: "Wir nähern uns einem Plateau"

Generell unterliege der R-Wert Schwankungen - unter anderem, weil einzelne Ausbrüche den Wert stärker beeinflussen als bei insgesamt größeren Infektionszahlen. Daher werde das RKI künftig einen sogenannten geglätteten R-Wert mitteilen, bei dem solche Schwankungen besser ausgeglichen würden. Eine positive Nachricht sei jedoch, dass der Abfall der Fallzahlen zunehmend flacher werde und man sich "einem Plateau nähere" wie Schaade erklärte. Das bedeute, dass die Reproduktionszahl auch künftig um 1 herum schwanken könne.

170.508 Infizierte in Deutschland

Weltweit haben die Vereinigten Staaten nach Angaben des RKI nach wie vor die meisten Corona-Fälle mit 1,32 Millionen Erkrankten und 79.500 Todesfällen. In Deutschland wurden bis Dienstag (Stand 0.00 Uhr) 170.508 Covid-19-Fälle an das RKI übermittelt. Die Zahl der Genesenen schätzt das RKI auf 147.200 Menschen. Bis heute wurden in Deutschland 7.533 Todesfälle an das RKI übermittelt. Das waren in der vergangenen Woche circa 100 bis 200 neue Todesfälle pro Tag, wobei die Zahl zum Wochenende auf 20 bis 30 neue Todesfälle absank. Mittlerweile sind etwa 4 Millionen Fälle weltweit bekannt.

Doch Schaade nahm die Pressekonferenz auch zum Anlass, um noch einmal eine Warnung auszusprechen. Es sei wichtig, so weit es ginge, weiterhin zu Hause zu bleiben, Kontakte zu beschränken und einen Mund-Nase-Schutz etwa in öffentlichen Verkehrsmitteln oder Geschäften zu tragen. "Das Virus ist immer noch in Deutschland, das Virus ist nicht weg", so Schaade.

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