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Gegen den Verdruss: Lösungsorientierter Journalismus im Kommen | BR24

© Johanna Schlüter/BR

Wie klingt der Hörfunkjournalismus der Zukunft? Der "Salon de la Radio" sucht nach Antworten.

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    Gegen den Verdruss: Lösungsorientierter Journalismus im Kommen

    Beim "Salon de la Radio", einer Messe für Hörfunk in Paris, wurden die neuesten Medientrends präsentiert. Etliche Sender haben Formate, in denen sie den Fokus auf positive Beispiele lenken. Ein Versuch, um dem Nachrichtenüberdruss entgegenzuwirken.

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    Es sind schwierige Zeiten für Radiomacher, das war auch vergangenes Wochenende auf der "Digitale Radio- und Audiomesse 2020" in Paris zu spüren. Die Medienmesse ist laut Eigenwerbung die wichtigste Veranstaltung der Branche in Europa. Neben der Präsentation der neuesten Hörfunk-Technologien gab es auch zahlreiche Konferenzen zu den aktuellen Trends.

    Neue Konzepte gegen den Verdruss

    Der negative Trend der Branche: Laut einer neuen repräsentativen Erhebung in Frankreich interessierten sich 2018 noch insgesamt 67 Prozent der Franzosen für die Aktualität – heute sind es nur noch 59 Prozent. Um diesem Verdruss entgegenzuwirken, setzt die Branche auf lösungsorientierten Journalismus. Einige Medienhäuser stellten dazu ihre Konzepte in Frankreich vor.

    Wirtschaftsjournalistin Emilie Kovacs glaubt, dass durch diese Art Journalismus eine Kehrtwende spürbar werde, was die Alltagsarbeit der Medien anbelangt. "Lösungsorientierter Journalismus führt uns zurück zum Fundament unseres Berufs, das vielerorts immer mehr vernachlässigt wird, wenn Journalisten nur noch am Bildschirm Agentur-Meldungen bearbeiten. Lösungsorientierter Journalismus hingegen setzt auf investigative Arbeit, auf langwierige Recherchen", so die Journalistin.

    Konstruktive Informationen gegen die gefühlte Ohnmacht

    Das ist auch Grundsatz bei Kovacs eigenem Online-Medium "EKOPO". Dort dreht sich alles um lobenswerte Initiativen im Bereich nachhaltige Wirtschaft. "Studien zeigen: Wenn man konstruktive Informationen verbreitet - und das hat nichts mit Schönfärberei zu tun -, dann wirkt das bewusstseinserhellend und sorgt dafür, dass die Leute Lust bekommen, sich für gesellschaftliche Anliegen zu engagieren", sagt Kovacs.

    An einer Kehrtwende arbeitet auch Sparknews. Auch das gemeinnützige französische Unternehmen propagiert seit 2013 mit weltweiten Initiativen diese Art Journalismus. Als Kontrapunkt zur heutigen Medienkrise, sagt Sparknews-Mitarbeiterin Carolina Rosendorn: "Die jüngste Studie vom Reuters Institute zeigt: Überall wenden sich die Leute immer mehr von den Nachrichten ab. Weil ihnen die zumeist negativen Inhalte aufs Gemüt schlagen und weil sie mehr und mehr einem Gefühl von Ohnmacht erliegen."

    Aufforstungsaktion eines Privatsenders

    In Frankreich, von der öffentlichen Sender-Kette Radio France über Kommerz-Funk bis hin zu Vereinsradios, gewinnt lösungsorientierter Journalismus hörbar an Raum. Auf "France Inter" geht es in der täglichen Halbstundensendung "Carnets de Campagne" um private oder kommunale Initiativen, um konkrete Lösungen zur Neubelebung des ländlichen Raums. Und beim katholischen Vereinsradio RCF macht Patrick Lonchampt, der sich selbst "Lösungs-Journalist" nennt, seit September eine neue Sendung. "Nur jeder zweite Franzose kennt die Ziele der Vereinten Nationen für eine nachhaltige Entwicklung. Mit meiner Chronik will ich die Hörer aufklären und motivieren, im Bereich nachhaltige Entwicklung selbst aktiv zu werden", sagt Lonchampt.

    Beim kommerziellen Radio ChampagneFM setzt man auf prominente Partner, um die Hörerschaft für Öko-Themen zu sensibilisieren. In einem Videoclip erklärt Sängerin Jenifer, in Frankreich ein Star, sie stehe voll hinter der "Reforest Action" von ChampagneFM. Denn das Privatradio startet dieser Tage ein Aufforstungsprogramm: Die Setzlinge werden gestiftet, 30 Hörer haben ungenutzte Privatgelände angeboten und an drei Orten werden neue Wälder entstehen. Die Aktion finde viel Echo, sagt Nicolas Boileau, Moderator bei ChampagneFM.

    "Mehrere Lehrer haben mir schon gesagt, wie toll sie unsere Aktion finden. Weil die Schüler davon hören, wenn sie mit ihren Eltern im Auto unterwegs sind, denn die meisten haben unseren Sender eingestellt. Wenn die Lehrer dann Ökothemen ansprechen, treffen sie auf offene Ohren, die Kinder stellen viele Fragen und sind ganz bei der Sache."Nicolas Boileau, Moderator bei ChampagneFM
    © picture alliance/akg-images

    Auf der Messe "Salon de la Radio" wurden 1958 noch technische Novitäten vorgestellt. Heute geht es darum, wie man den Journalismus neu denkt.