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Geflügelwirtschaft fürchtet um Geschäft mit Futterküken | BR24

© picture-alliance/dpa

Hühnerküken und Eischale (Archivbild)

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    Geflügelwirtschaft fürchtet um Geschäft mit Futterküken

    Millionen männliche Küken werden jährlich getötet. Doch damit soll bald Schluss sein. Tierschützer dürfte das freuen, Tierparks und Greifvogelstationen aber weniger: Die getöteten Küken sind dort beliebtes Futter. Auch die Geflügelbranche warnt.

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    Das Kükentöten steht im Widerspruch zu geltenden Tierschutzgesetzen, darauf hat das Bundesverwaltungsgericht im Juni hingewiesen. Die Politik macht Druck. Doch die Forschung kann noch keine Lösung bieten, die so gut funktioniert, dass man das Töten von mehr als 40 Millionen männlichen Küken in den Brütereien sofort stoppen könnte.

    Getötete männliche Küken sind wertvolles Tierfutter

    Wenn die bisher entwickelten Verfahren zur Geschlechtsbestimmung im Ei aber eines Tages so weit sind, findet die Selektion im Ei statt. Das heißt: Dann müssen keine männlichen Küken mehr getötet werden. Was Tierschützer freut, wirft aber auch einige ungelöste Fragen auf. Ein Großteil der getöteten männlichen Küken landet derzeit nämlich nicht im Müll, sondern als Futter in Tierparks oder Greifvogel-Stationen. Adler und Eulen, Schlangen und Frettchen sind keine Vegetarier; ihre Betreuer schätzen die Küken als wertvolles Futter.

    Bernd Adleff, Vorsitzender des Bayerischen Landesverbands der Geflügelwirtschaft, hat im oberbayerischen Olching eine Firma, die unter anderem Eier und Geflügelfleisch vertreibt. Adleff verkauft auch tote Küken, die aus einer Brüterei in Baden-Württemberg stammen. Abnehmer sind zum Beispiel Wildparks in Bayern.

    "Wir verkaufen hier allein so 300.000 Stück im Jahr. Wir haben 30, 40 Kunden, die fragen fast bei jedem zweiten Besuch: Was machen wir, wenn es diese Hähnchen nicht mehr gibt? Wie füttern wir denn unsere Tiere? Dann habe ich gesagt: Ganz einfach, dann züchten wir Mäuse und töten die." Bernd Adleff

    Der Bayerische Landesverband der Geflügelwirtschaft fordert deshalb Ausnahmegenehmigungen, dass gezielt Hähnchen als Tierfutter ausgebrütet werden dürfen.

    Länder sind am Zug, haben aber noch nicht entschieden

    Wie es weiter geht bei den noch als Futter verwendeten Küken, ist unklar. Das Bundeslandwirtschaftsministerium hält sich raus; es schreibt dazu:

    "Ob die Verfütterung von Eintagsküken an Tiere, die auf ganze Tierkörper als Futter angewiesen sind, einen vernünftigen Grund für das Töten der Küken darstellt, obliegt im Einzelfall der Bewertung der für den Vollzug des Tierschutzrechts zuständigen Behörden der Länder." Bundeslandwirtschaftsministerium

    Die zuständigen Behörden aber sind noch keinen Schritt weiter. Das bayerische Umweltministerium schreibt auf BR-Anfrage:

    "Tierschutz ist ein hohes Gut. Das millionenfache Töten männlicher Küken ist ethisch und moralisch nicht vertretbar." Bayerisches Umweltministerium

    Keine konkrete Aussage über Umgang mit Kükentöten

    Eine konkrete Antwort auf die Frage aber, was mit den Futterküken passiert, gibt es auch hier nicht:

    "Die Länder werden sich beispielsweise in der Arbeitsgruppe Tierschutz der Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz (LAV) darüber abstimmen, ob bestimmte Verwendungszwecke künftig noch als vernünftiger Grund im Sinne des Tierschutzgesetzes für die Tötung von männlichen Eintagsküken akzeptiert werden können." Bayerisches Umweltministerium

    Bernd Adleff fordert, diese Frage schnell zu klären und auch die Forschung voranzutreiben im Bereich der Geschlechtserkennung im Ei. Sonst würden die Brütereien ins Ausland abwandern, warnt Adleff.